Carl Maria von Weber: Hunter's Bride (Der Freischütz); Juliane Banse (Agathe), Michael König (Max), Michael Volle (Kaspar) Franz Grundheber (Ottokar), Benno Schollum (Kuno), Regula Mühlemann (Ännchen), René Pape (Eremit), Olaf Bär (Kilian), Rundfunkchor Berlin, London Symphony Orchestra, Daniel Harding; Regie: Jens Neubert; 1 DVD Arthaus Musik 101692; Bild 16:9; Stereo & Surround; 2010 (147') – Rezension von Remy Franck

Bei dieser Produktion handelt es sich nicht um eine gefilmte Opernaufführung, sondern um einen Opernfilm. Das ist nichts Neues, denn solche Opernfilme mit im Studio gefilmten Szenen oder Außenaufnahmen auf einer bestehenden Tonspur gibt es seit den Sechziger Jahren. Insbesondere Herbert von Karajan hat einige meisterhafte Opernfilme gemacht.

Der Film von Jens Neubert ist freilich problematisch in mehr als einer Hinsicht. Zunächst habe ich den Eindruck, dass der Film visuell überladen ist und mit allerlei Schnickschnack und Handlungsvielfalt von der Musik ablenkt, das umso mehr, als die nicht zur Musik gehörenden Geräusche diese ebenfalls stark beeinträchtigen. Das ist mehr eine Frage der Balance als eine Grundsatzfrage. Read More →

Ludwig van Beethoven: 9 Symphonien (+ Probe der Eroica); Christiane Karg, Mihoko Fujimura, Michael Schade, Michael Volle Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Chor des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons; 3 Blu-ray Arthaus Musik 107536; Bild HD 16:9; Stereo & Surround (428') – Rezension von Remy Franck

Isoliert betrachtet ist diese in der Suntory Hall in Tokio entstandene Gesamtaufnahme der Beethoven-Symphonien unter Mariss Jansons eine hochkarätige Produktion. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt, wie erwartet, auf sehr, sehr hohem Niveau, Jansons dirigiert meist zügig und mit Elan, in den leichteren Symphonien beschwingt und in den anderen mit dramatischem Impetus. Er setzt manchmal kräftige, effektvolle Akzente, die einen Eindruck von Spontaneität vermitteln, aber im Grossen und Ganzen wirkt dieser Beethoven sehr gut vorbereitet, hochglanzpoliert, interpretatorisch im Mainstream. In anderen Worten: neue Aspekte hat Jansons keine anzubieten, der einzige Aha-Effekt erfolgt, wenn man von Stereo auf Surround umschaltet: das ist doch ein enormer Gewinn! Read More →

Salzburg Festival Opening Concerts; Maurice Ravel: Valses nobles et sentimentales; Béla Bartók: Klavierkonzert Nr. 1; Igor Stravinsky: L'Oiseau de feu (1910); Daniel Barenboim, Klavier, Wiener Philharmoniker, Pierre Boulez (2008)
Franz Schubert / Anton Webern: 6 Deutsche Tänze D 820; Josef Strauss: Frauenherz Polka op. 166, Delirien Walzer op. 212, Pêle-mêle Polka op. 161; Franz Schubert: Symphonie Nr.9 D 944 (Die Große); Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt (2009)
Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 4 op 58; Pierre Boulez: Notations I-IV & VII; Anton Bruckner: Te Deum; Dorothea Röschmann, Elina Garanča, Klaus-Maria Vogt, René Pape, Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker, Daniel Barenboim (2010)
Alban Berg: Lulu Suite, Der Wein; Gustav Mahler: Das Klagende Lied; Anna Prohaska, Dorothea Röschmann, Anna Larsson, Johan Botha, Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker, Pierre Boulez (2011)
4 DVD C-Major 713608; Bild 16:9; Stereo & Surround; 2008-11(365') - Rezension von Remy Franck

Die erste DVD aus diesem Set, die ich einlegte, war die mit Boulez und Barenboim. Zwei gute Musiker hatte ich erwartet, zwei kraftlose Opas sah ich. Gleich in Ravels ‘Valses Nobels et Sentimentales’ dirigiert Boulez so teilnahmslos, dass alles auf der Strecke bleibt, was hätte Leben in dieses Opus bringen können. Das Publikum klatscht so gelangweilt, wie es wohl war. Dann kommt Barenboim zum Bartok-Konzert: es wird ein Gipfeltreffen zweier Opas. Kein Feuer gibt es, selbst da, wo die Musik schneller fließt. Die Wiener Philharmoniker schauen ernst und gelangweilt drein, blasen und fiedeln genau langweilig daher. Das teuer zahlende Publikum glaubt wegen der Namen, es müsse gut gewesen sein und reagiert etwas intensiver, einige rufen sogar Bravo. Stravinskys Feuervogel wird genau so uninspiriert und brav dargeboten. Boulez dirigiert wie ein Roboter. Read More →

J. Adams: El Niño; Dawn Upshaw, Lorraine Hunt Lieberson, Willard White, Theatre of Voices, London Voices, Deutsches Symphonieorchester Berlin, Kent Nagano; Inszenierung: Peter Sellars; 1 DVD Arthaus Musik 101 669; Bild 16:9; Stereo & Surround; Live 12/00 (119' + 28' Interviews) – Rezension von Remy Franck

Das im Dezember 2000 in Paris uraufgeführte ‘EL Niño’ (‘Der Knabe’) ist ein Weihnachtsoratorium (und keine Oper, wie verschiedentlich geschrieben wurde) mit Texten aus der Bibel, aber auch von englischen, spanischen und lateinischen Autoren, von den Propheten, die vor Jesus Christus lebten, bis hin zu zeitgenössischen Frauenrechtlern. Dieser Film beruht auf den Aufnahmen, die bei der Uraufführungsproduktion in Paris entstanden, bei der Mitautor Peter Sellars eine Inszenierung auf der Bühne des Châtelet mit der Projektion eines eigens für dieses Oratorium gedrehten Films verband. Read More →

Giovanni Battista Pergolesi: Lo frate ‘nnamorato; Nicola Alaimo (Marcellino), Elena Belfiore (Ascanio), Patrizia Biccirè (Nena), Jurgita Adamonyté (Nina), Barbara di Castri (Luggrezia), David Alegret (Carlo), Rosa Bove (Cardella), Laura Cherici (Vannella), Europa Galante, Fabio Biondi; Inszenierung: Willy Landin; 1 Blu-ray Arthaus Musik 108 066; Bild 16:9; Stereo & Surround; 2011 (160’) – Rezension von Manuel Ribeiro

Je mehr Opern von Giovanni Battista Pergolesi zugänglich gemacht werden, umso deutlicher wird seine Rolle in der Entwicklung der Oper. ‘Lo frate ‘nnamorato’ (Der verliebte Bruder) ist ein Jugendwerk und sehr charakteristisch für die Gattung, die er mit seinem Talent prägte. Die verzwickte Liebesgeschichte wurde als Buffooper konzipiert und 1732 im neapolitanischen Dialekt uraufgeführt am ‘Teatro dei Fiorentin’ in Neapel.

Der Regisseur Willy Landin hat die Oper in ein gemütliches und farbiges italienisches Dorf in den Fünfzigerjahren verlegt. Leider fehlt der Inszenierung jene Spritzigkeit, die sich glücklicherweise in der Musik wiederfindet. Read More →

Wolfgang Amadeus Mozart: Messe KV 262 (Missa longa), Litaniae de venerabili altaris sacramento KV 243; Sylvia Schwartz, Elisabeth von Magnus, Jeremy Ovenden, Florian Boesch, Arnold Schönberg Chor, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt; 1 Blu-ray EuroArts 2072634; Live 7/12 (90') – Rezension von Remy Franck

Diese Videodisc enthält einen Mitschnitt der ‘Ouverture Spirituelle’ bei den Salzburger Festspielen 2012 im Dom der Mozartstadt. Es ist ein irritierendes Konzert. Ob davor jemand Harnoncourt so sehr belästigt hatte, dass sich das in einer interpretatorischen Hypernervosität äußerte? Schon das Kyrie ist seltsam überakzentuiert und über-energetisch, ja direkt kämpferisch und wir so seines Sinnes beraubt. Read More →

Charles Ives: Three Places in New England; Jean Sibelius: Symphonie Nr. 4; Richard Wagner: Dämmerung & Siegfrieds Rheinfahrt; Interviews mit Michael Tilson Thomas; Boston Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas; 1 DVD ICA Classics ICAD 5111; Bild 4:3; Enhanced Mono; 1970/2013 (104')

Edward Elgar: Enigma Variations (Konzert und Probe), Interviev mit Leonard Bernstein; BBC Symphony Orchestra, Leonard Bernstein; 1 DVD ICA Classics ICAD5098; Bild 4:3; Stereo; 4/82 (65') - Rezension von Remy Franck

Im Jahre 1969 dirigierte der damals 25-jährige Michael Tilson Thomas zum ersten Mal das ‘Boston Symphony Orchestra’. Als ‘Assistant Conductor’ erreichte er unmittelbar einen derartigen Ruhm, dass einige seiner Konzerte gefilmt wurden. ICA hat diese Schätze ausgegraben, und in diesem bunt gemischten Programm zeigt MTT in allen drei Stücken sein früh entwickeltes Dirigiertalent. Read More →

Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonie Nr. 25; Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 5; Verbier Festival Orchestra, Gabor Takacz-Nagy; 1 DVD Idéale Audience 3079948; Bild: 16:9; Stereo; Live 7/12 (51') - Rezension von Remy Franck

Mit einer phänomenal rhetorischen 25. Symphonie des 17-jährigen Mozart beginnt diese stark DVD von Idéale Audience. In einem motorisch pulsierenden, nervig-intensiven Musizieren kommen dank der Nuancierungskraft des Dirigenten auch die Schattenseiten ergreifend heraus, jene kurzen Klagen, die hier einem Wimmern gleichkommen. Das Trio im 3. Satz katapultiert den Hörer in eine andere Welt. Sooo kontrastreich, sooo expressiv habe ich diese Symphonie noch nie gehört.

In Beethovens’ Fünfter erreicht Takacz-Nagy nicht ganz diesen Grad an musikalischer Kommunikation, aber die Symphonie wirkt doch dank markanter Dynamikwechsel und Rubati sehr lebendig. Takacz-Nagy hat die ganze Symphonie in seinen Händen, seinen Arnen und seinem Gesichtsausdruck.  Der zweite Satz ist ein Juwel orchestralen Feinschliffs. Sehens- und hörenswert!

A magic account of Mozart 25th symphony and a beautifully refined version of Beethoven’s Fifth elevate this DVD to a top notch.

Giuseppe Verdi: Falstaff; Donald Gramm (Sir John Falstaff), Benjamin Luxon (Ford), Max René Cosotti (Fenton), John Fryatt (Dr Caius), Bernard Dickerson (Bardolfo), Ugo Trama (Pistola), Kay Griffel (Mrs Alice Ford), Elizabeth Gale (Nannetta), Nucci Condo (Mrs Quickly), London Philharmonic Orchestra, Glyndebourne Chorus, John Pritchard; Mise en scène: Jean-Pierre Ponnelle; 1 DVD Arthaus Musik 102 315; Image 4:3; Stéréo; 1976 (123’) – Critique de Manuel Ribeiro

Devant le constat que l’année Verdi n’aura finalement pas été trop bien servie par les éditeurs, réjouissons-nous d’un DVD qui présente un très bon enregistrement live du festival de Glyndebourne.

‘Falstaff’ était le dernier opéra d’un Verdi vieillissant. La première eut lieu le 9 février 1893. Dans le temps, l’œuvre ne trouva point la faveur du public qui ne saisit pas bien le propos d’une musique dans laquelle Verdi et Shakespeare, par le librettiste Arrigo Boito interposé, se sont permis de proposer au monde de l’opéra un style innovant combiné à une critique sarcastique et sans compromis. Read More →

Peter von Winter: Das Labyrinth - Der Zauberflöte Zweyter Teil; Christof Fischesser, Julia Novikova, Malin Hartelius, Münchener Bachchor, Mozarteumorchester, Ivor Bolton; Regie: Alexandra Liedtke; 1 Blu-ray Arthaus Musik 101677; Bild 16:9; Stereo & Surround; Live 8/12 (158') - Rezension von Remy Franck

Das riecht nach Hollywood: ein Riesenerfolg fordert die Produzenten heraus, einen ersten Aufguss und eventuell sogar noch mehr Folgen zu drehen, wobei Niveau und Ideenreichtum schnell abnehmen. Das ging auch Emanuel Schikaneder so, der nach dem Text für Mozarts ‘Zauberflöte’ eine weitere Sequenz geschrieben hat, zu der sein Freund Peter von Winter nur wenige Jahre danach die Musik komponierte: ‘Das Labyrinth. Der Zauberflöte zweyter Theil’. Read More →

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