Claude Debussy: Pelléas et Mélisande; Jacques Imbrailo, Michaela Selinger, Vincent Le Texier, Doris Soffel, Wolfgang Schöne, Dominik Eberle, Mateusz Kabala; Essener Philharmoniker, Stefan Soltesz; Regie: Nikolaus Lehnhoff; Bühnenbild: Raimund Bauer; Bild 16:9; Stereo & Surround; 1 DVD Arthaus Musik 101686; 2012 (151') – Rezension von Guy Wagner

Wollte man diese Produktion von ‘Pelléas et Mélisande’ im Essener Aalto-Musiktheater mit wenigen Worten charakterisieren, so könnte man behaupten, dass hier Angst und Beklemmung vorherrschen. In die nur angedeuteten Innenräume von Schloss Allemonde, mit allgegenwärtigen Treppen, strömt nur durch einen rautenartigen Lichtschacht etwas Helligkeit von oben herein, und so fühlt man sich wie in Edgar Allen Poes ‘Der Untergang des Hauses Usher’. Erst ganz zum Schluss öffnet sich die Bühne nach hinten und lässt Licht herein, aber dann ist das Drama vollzogen. Read More →

Bloody Daughter; Film von Stéphanie Argerich; 1 Blu-ray Idéale Audience 3073904; Bild 16:9; Stereo & Surround; Konzert: Frédéric Chopin: Klavierkonzert Nr. 1, Mazurka op. 24/2; Robert Schumann: Traumeswirren, op. 12/7; 2012 (94'+54') – Rezension von Remy Franck

Die Pianistin Martha Argerich hat drei Töchter. Ihre Jüngste, Stéphanie, wurde eine Filmemacherin und hat einen Film über ihre Mutter gedreht. Ein Film über Argerich kann kein ‘normaler’ Film sein, und es ist der Tochter gelungen, die vielen Facetten der Mutter zu zeigen. Wir begegnen Martha Argerich im Bett, die erste Tasse morgendlichen Kaffees in der Hand, im Zug, in der Garderobe vor einem Auftritt, von Lampenfieber in ein Stadium höchster Nervosität gebracht, daheim, im Gespräch… Es gibt auch Aufnahmen, welche die junge Stephanie als Teenager mit einer Kamera gedreht hat, die die Mutter ihr von einer Japan-Tournee mitgebracht hatte. Read More →

Richard Wagner: Siegfried; Lance Ryan, Peter Bronder, Terje Stensvold, Johannes Martin Kränzle, Alexander Tsymbalyuk, Anna Larsson, Nina Stemme, La Scala Orchestra, Daniel Barenboim; Regie: Guy Cassiers; 1 Blu-ray Arthaus Musik 108092; Bild HD 16:9; Stereo & Surround; 10/12 (253') - Rezension von Remy Franck

Hatte in den beiden ersten Teilen des Wagnerschen ‘Ring des Nibelungen’ die postmoderne, von Projektionen geprägte Inszenierung des Belgiers Guy Cassiers noch Zustimmung gefunden, müssen wir feststellen, dass dem Regisseur für den ‘Siegfried’ nicht mehr besonders viel eingefallen ist, um das Visuelle in der Oper wirklich attraktiv werden zu lassen.

Bei den Sängern gibt es jedoch glücklicherweise viel Gutes zu berichten. Nina Stemme ist eine herausragend gute und stimmgewaltige Brünnhilde, Alexander Tsymbalyuk ein Fafner mit einer prächtigen Stimme. Read More →

Richard Strauss: Ariadne auf Naxos; Hildegard Hillebrecht, Reri Grist, Sena Jurinac, Jess Thomas, u. a., Wiener Philharmoniker, Karl Böhm; Inszenierung: Günther Rennert; 1 DVD Arthaus Musik 107255; Bild 4:3; Mono; 1965(130’) – Rezenzion von Guy Wagner

Welch ein Glück, dass es schon Fernsehen in den Sechzigerjahrenjahren gab und, dass das ORF das Wagnis, – denn ein solches war es noch in jenen Tagen! –, auf sich nahm, die Produktion der Salzburger Festspiele von ‘Ariadne auf Naxos’ im August 1965 aufzuzeichnen. Da kommt schon Nostalgie hoch, zumal es mir damals gegönnt war, diese Meisterleistung zu sehen und mit den Künstlern zu reden. Read More →

Ludwig van Beethoven: Leonore-Ouvertüre Nr. 3; Carl Orff: Carmina Burana; Händel / Goossens: Halleluja-Chor; Sally Matthews, Lawrence Brownlee, Christian Gerhaher, Rundfunkchor Berlin, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle; 1 Blu-ray Euroarts 2053674; Bild HD 16:9; Stereo; Live 2004 (89') – Rezension von Remy Franck

Dieses Video leidet unter allem, was eine Live-Übertragung im Fernsehen mit sich bringt: eine kitschig eingefärbte Bühne, ein alles andere als audiophiles Klangbild, eine fliegende Kamera, die die Berliner Philharmonie in einen Zirkus verwandelt (was beim einstigen Namen ‘Circus Karajani’ ja auch noch verständlich ist), unmögliche Bildschnitte, Grossaufnahmen auf Instrumente, die man aber im Detail gar nicht hört etc., etc.

Rattle seinerseits hat das richtige Gespür für die Rhythmik, weniger für den Lyrismus der Musik (er kann daher seinem Kollegen Daniel Harding das Wasser nicht reichen). Read More →

Wolfgang Amadeus Mozart: Cosi fan tutte; Anett Fritsch, Paola Gardina, Kerstin Avemo, Juan Francisco Gatell, Orchestra Teatro Real Madrid, Sylvain Cambreling; Regie: Michael Haneke; 1 Blu-ray C-major 714604; Bild HD 16:9; Stereo & Surround; 2013 (220') – Rezension von Remy Franck

Schon in der ersten Szene dieser wunderbaren Inszenierung von Mozarts ‘Cosi fan tutte’ wird deutlich, was Michael Haneke ausdrücken will: Er steckt einen Teil der Sänger in Kostüme aus der Rokokozeit, einen anderen Teil in modernes Outfit, genau wie er als Schauplatz eine alte Villa aus dem 18. Jahrhundert wählt, die aber nach neuesten Erkenntnissen modernisiert wurde. Er unterstreicht so das Zeitlose von Da Pontes und Mozarts Stoff, …cosi fan tutte, heute wie damals. Untreue, Eheprobleme, all das ist ein ewiges Thema. Und das durchleuchtet Haneke in einem Spiel von seltener Feinzeichnung. Die Fäden zieht freilich nicht mehr Don Alfonso allein, sondern auch Despina mischt kräftig mit. Read More →

CELEBRATING VERDI
Und dann zum Schluss dieser Kurzkritiken noch eine Verdi-Blu-ray, die gegen Ende des vergangenen Verdi-Jahres herauskam und unter dem Titel ‘Celebrating Verdi’ eine knapp einstündige Zusammenstellung älterer Schwarz-weiß Aufnahmen enthält, die Idéale Audience zusammengestellt hat.
Den Anfang macht  Arturo Toscanini mit dem NBC Orchestra in der 1943 aufgezeichneten, fein ziselierten und ungemein spannungsvollen Ouvertüre zu ‘La Forza del Destino’. Herausragend sind auch die beiden Interpretationen Carl Maria Giulinis mit dem ‘New Philharmonia Orchestra’ (1968): die Ouvertüre zu ‘I vespri siciliani’ und das ‘Stabat Mater’ aus den ‘Quattro pezzi sacri’. Tito Gobbi ist in zwei Arien zu hören, ‘Ehi! Taverniere!’ aus ‘Falstaff’ und Jagos Credo aus ‘Otello’. Die darstellende Wortgewalt der 1967 entstandenen Aufnahmen ist phänomenal. Abschließend singt Elisabeth Schwarzkopf ‘La canzon del Salice’ und das ‘Ave Maria’ aus dem ‘Otello’. Die Aufnahmen entstanden 1967 in Paris. Die damals 52-jährige Schwarzkopf liefert damit ein Musterbeispiel der Verbindung von perfekter Technik und interpretatorischer Durchdringung der Rolle (3079084). Read More →

Wolfgang A. Mozart: Don Giovanni; Thomas Allen (Don Giovanni), Carolyn James (Donna Anna), Carol Vaness (Elvira), K.M. Sandve (Ottavio), Ferrucio Furlanetto (Leporello), Andrea Rost (Zerlina), Reinhard Dorn (Masetto) Matthias Hölle (Komtur); Gürzenich Orchester Köln, Chor der Köler Oper; James Conlon; Inszenierung: Michael Hampe; Bildregie: José Montes-Baquer; 1 DVD Arthaus Musik 102 319; Stereo; Bildformat: 4:3; 1991 (173) – Rezension von Remy Franck

Dieses DVD, von Arthaus wiederveröffentlicht, zeigt Michael Hampes klassische ‘Don Giovanni’-Inszenierung aus Köln, die uns Mozarts ‘dramma giocoso’ als ‘große Oper’ präsentiert. Die Inszenierung ist extrem textbezogen: jede Geste und jeder Blick scheint aus dem Text abgeleitet zu sein. Das wird im Film durch eine exzellente und dramaturgisch aufgebaute Bildregie unterstrichen. Read More →

Jake Heggie: Moby Dick; Jay Hunter Morris (Captain Ahab), Stephen Costello (Greenhorn), Jonathan Lemalu (Queequeg), Morgan Smith (Starbuck), Talise Trevigne (Pip), Matthew O’Neill (Flask), Robert Orth (Stubb), The San Francisco Opera Orchestra and Chorus, Patrick Summers; Inszenierung: Leonard Foglia; 1 Blu-ray Euroarts 259654; Bild HD 16:9; Stereo & Surround; Live 2012 (142') – Rezension von Remy Franck

Kein Zweifel, Herman Melvilles Roman ‘Moby-Dick’ taugt vorzüglich als Opernstoff. Jake Heggie beweist es mit dieser textlich von Gene Scheer betreuten Adaptation, die in packenden Chorszenen, Monologen, Duetten und Ensembles das Verbissene in Captain Ahabs Haltung überaus deutlich werden lässt. Mit nur einer Frauenstimme, die zudem noch zu einer Hosenrolle gehört, ist die Musik von größter Klarheit und Intensität. Es wird viel laut gesungen, aber das gehört wohl zum rauen Umfeld. Es gibt Anleihen bei der Volksmusik, aber auch sonst viel Melodisches in einer Partitur, die zu Heggies besten gehört. Read More →

Christoph Willibald Gluck: Alceste, Pariser Version 1776; Catherine Naglestad (Alceste), Donald Kaasch (Admeto), Bernhard Schneider (Évandre), Johan Rydh (Hohepriester/Thanatos), Motti Kastón (Apollo), Michael Ebbecke (Herakles), Wolfgang Probst (Herold), Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart, Constantinos Carydis; Inszenierung: Jossi Wieler, Sergio Morabito; Bild 16:9; Surround & Stereo; 2006 -- Iphigénie en Tauride; Juliette Galstian, Rodney Gilfry, Deon van der Walt, Anton Scharinger, Zurich Opera’s Orchestra La Scintilla, William Christie; Stereo & Surround; Bild: 16:9; 2001 -- Orfeo ed Euridice: Jochen Kowalski (Orfeo) Gillian Webster (Euridice), Jeremy Budd (Amore), William Edwards (Amore double); Jean-Pierre Blanchard (Orfeo double); Chor & Orchester des Royal Opera House London, Hartmut Haenchen; Inszenierung: Harry Kupfer; Bild 4:3; Stereo; Live 1991; 3 DVDs Arthaus 107 540 (165'; 166’ 83') – Rezensionen von ehj, Alain Steffen und Remy Franck

Zum 300. Geburtstag von Christoph Willibald Gluck fasst Arthaus Musik drei erfolgreiche Opernproduktion in einer Geburtstagsbox zusammen. Da ist zunächst einmal die Stuttgarter ‘Alceste’ von 2006. Jossi Wieler gehört zu den Star-Regisseuren, durch die sich die Stuttgarter Staatsoper unter der Intendanz von Klaus Zehelein als Aushängeschild in Sachen modernes deutsches Regietheater etabliert hat. Auch im letzten Jahr ihrer Zusammenarbeit ist Wieler zusammen mit Sergio Morabito unter Zehelein eine Produktion gelungen, die von der Kritik bereits zur Opernproduktion des Jahres 2006 gekürt wurde. Glucks große Reformoper wird hier in der erfolgreichen französischen Version verstärkt auf das religiös-kultische Element abgeklopft: als kleines Schock-Moment wird die mythische Götterverehrung schlicht auf eine evangelikal anmutende christliche Glaubensgemeinschaft übertragen. Read More →

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