Intimistischer Liedgesang
Bariton Florian Boesch und Pianist Malcolm Martineau haben für Linn eine CD mit Robert Schumanns ‘Dichterliebe’ und seinen ‘Liedern und Gesängen aus Wilhelm Meister’ sowie Mahlers ‘Lieder eines Fahrenden Gesellen’ aufgenommen. Sie musizieren, wie man es in einem kleinen Raum machen würde, nicht wie in einem Konzertsaal. Das führt zu einem intimistischen Interpretieren mit einerseits viel sotto voce-Singen, andererseits einer hohen Expressivität, die durch das sehr lebendige und gestaltungsintensive Spiel von Martineau noch verstärkt wird. Boesch seinerseits verfügt ebenfalls über eine Vielzahl an Gestaltungsmitteln, so dass er jedes noch so kurze Lied präzise charakterisieren und die einzelnen Titel insgesamt hervorragend differenzieren kann. Die Interpretationen sind faszinierend evokativ und ich kann mich nicht erinnern, Mahlers ‘Lieder eines Fahrenden Gesellen’ so atmosphärisch gehört zu haben. (Linn CKD 511)

Nach Leipzig, jetzt Berlin
Der Pianist Michael Rische ist beim 5. Volume seiner Einspielung von Carl Philipp Emanuel Bachs Klavierkonzerten angekommen. Neben dem a-Moll-Konzert Wq. 1 und dem D-Dur-Konzert Wq. 45 erklingt auch das Konzert e-moll Wq.15. Rische ist jetzt vom koproduzierenden MDR zum Deutschlandfunk gewechselt, vom Leipziger Kammerorchester zu den ‘Berliner Barock Solisten’, in deren Klangrahmen sich sein phantasievolles, agiles und technisch hervorragendes Spiel voll entfalten kann. Zupackend erklingen die schnellen Sätze, voller Charme die langsamen. (Hänssler Classic HC17034)

Noblesse
Die Violinistin Yuko Shiokawa und der Pianist Andras Schiff – sie sind ein Ehepaar – spielen bei ECM ein Programm mit Sonaten für Violine und Klavier: Bachs Sonate Nr. 3 in E-Dur, Beethovens Sonate Nr. 10 und Busonis Sonate Nr. 2. Die beiden Interpreten spielen sehr dialogreich, ihr Spiel ist fein abgestimmt und von schöner Noblesse, selbst in den dramatischeren Teilen der Busoni- und der Beethoven-Sonaten. (ECM4815767)

Wohlklang
Das Vokalquintett ‘Amarcord’ präsentiert mit ‘Tenebrae – Musik der Einkehr und Versenkung’ ein Programm mit englischen, deutschen und französischen Sakralwerke des Mittelalters, der Renaissance und der Gegenwart. Wie man es von diesem herausragenden Ensemble gewohnt ist, sind die Darbietungen von höchster Qualität. Die fünf Stimmen sind perfekt ausbalanciert und der meditative Charakter der Musik wird durch den absoluten Wohlklang optimal erreicht. (Raumklang RKap10117)

Norwegische Sakralmusik
Die CD ‘Et Nox In Diem Versa’ des Lettischen Radiochors vereint fünf geistliche Chorwerken des norwegischen Komponisten Kjell Habbestad (*1955). Sie wurden über einen Zeitraum von 35 Jahren geschrieben und reichen vom Opus 1 bis zum Opus 90. Textlich bilden die Werke einen Zyklus des Kirchenjahres, von der Verkündigung bis Weihnachten und von der Fasten- und Passionswoche bis Ostern und Pfingsten. Der Lettische Radiochor meistert die vokaltechnischen Herausforderungen des Programms mit stupender Sicherheit. Der von Sigvards Klava geleitete, perfekt ausbalancierte Chor produziert wunderbare Klangtexturen, die auch feine Emotionen transportieren. Weitere Mitwirkende sind der ebenfalls sehr gute ‘Oslo Cathedral Choir’, unter Vivanne Sydnes und Kare Nordstoga an der Orgel. (Lawo LWC136)

Sergei Prokofiev: Violinkonzert Nr. 2 + Violinsonate d-Moll + 5 Melodien für Geige und Klavier + Marsch aus die Liebe zu den drei Orangen + Klaviersonate Nr. 4, 2. Satz; Rosanne Philippens, Violine, Julien Quentin, Klavier, Sinfonieorchester St. Gallen, Otto Tausk; 1 CD Channel Classics CCS 39517; Aufnahme 04/2016, Veröffentlichung 11/2017 (65'23) – Rezension von Uwe Krusch

Aus dem Schaffen für Violine des russischen Komponisten Sergei Prokofiev stellt Rosanne Philippens sein zweites Violinkonzert, die Sonate für Violine solo und die ‘Fünf Melodien’ vor. Dazu kommt in dem Arrangement von Jascha Heifetz der Marsch aus ‘Die Liebe zu den drei Orangen’. Read More →

Franz Schubert: Winterreise; Wolfgang Bankl, Bass, Florian Krumpöck, Klavier; 1 CD PR 91348; Aufnahme 08/2016, Veröffentlichung 10/2017 (78’25) - Rezension von Alain Steffen

Zu den vielen hervorragenden Aufnahmen von Schuberts ‘Winterreise’ kommt diese neue Einspielung mit Wolfgang Bankl, Bass, und Florian Krumpöck, Klavier, hinzu. Read More →

Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 83; Richard Strauss: Burleske in d-Moll für Klavier und Orchester; Joseph Moog, Klavier, Deutsche Radio Philharmonie, Nicholas Milton; 1 CD Onyx 4169; Aufnahme 11/2016, Veröffentlichung 12/2017 (66'39) – Rezension von Remy Franck

Zusammen mit einem prächtig disponierten Orchester konfrontieren uns Nicholas Milton und der glockig spielende Joseph Moog im Zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms mit einer kontrastreichen Musik, in der zarteste, zauberhafteste Momente solchen von großer Kraft gegenüber stehen. Read More →

Christian Sinding: Suite im alten Stil; William Walton: Violakonzert; Eivind Holstmark Ringstad, Viola, Oslo Philharmonic Orchestra, Joshua Weilerstein, Arvid Engegard; 1 CD Lawo LWC1133; Aufnahme 04 & 10/2016, Veröffentlichung 09/2017 (41'30) – Rezension von Uwe Krusch

William Walton wollte nach ‘Façade’- und ‘Foxtrott’-Kompositionen in seinem Bratschenkonzert diese beiden Seiten mit spätromantischem Klang verbinden. Obschon mit Lionel Tertis der Bratschisten der Zeit in Großbritannien lebte, spielte der von Walton nicht geliebte Paul Hindemith die Uraufführung, und Tertis erkannte erst dann die Qualitäten des Werks. Read More →

The John Adams Edition; Harmonielehre + Short Ride in a Fast Machine + City Noir + Lollapalooza + Scheherazade.2 + The Wound-Dresser + The Gospel According to the Other Mary; Leila Josefowicz, Violine, Georg Nigl, Baritone, Kelley O'Connor, Mezzosopran, Tamara Mumford, Alt, Peter Hoare, Tenor, Daniel Bubeck, Brian Cummings, Nathan Medley, Countertenor, Rundfunkchor Berlin, Berliner Philhharmoniker, John Adams, Alan Gilbert, Gustavo Dudamel, Kirill Petrenko, Sir Simon Rattle; Dokumentation: Short Rides with John Adams; 4 CDs + 2 Blu-ray BPHR 170141; Aufnahmen 2016/17, Veröffentlichung 11/2017 – Rezension von Remy Franck

Ein aufwändig gemachtes Album mit vier CDs und den ganzen Konzerten, aus denen die Aufnahmen stammen, ebenfalls auf Video-Blu-ray, einem mit vielen Fotos illustrierten Buch, sämtlichen gesungenen Texten und ausführlichen Werkeinführungen: die Berliner Philharmoniker haben keinen Euro gescheut, um ihrem ‘Composer in Residence 2016/17’ verlegerisch Ehre zu erweisen. Read More →

Nostalgia; Flotow: Ach, so fromm, ach so traut (Martha); Nicolai: Horch, die Lerche singt im Hain (Die lustigen Weiber von Windsor); Lortzing: Holzschuhtanz (Zar und Zimmermann); Adam: Freunde, vernehmet die Geschichte (Der Postillon von Lonjumeau); Goldmark: Magische Töne (Die Königin von Saba); Boieldieu: Komm, oh holde Dame (Die weiße Dame); Lehar: Zwanzinette (Eva) + Freunde, das Leben ist lebenswert (Giuditta) + Wolgalied (Der Zarewitsch); Behle: In Köln; Stolz: Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n; May: Ein Lied geht um die Welt; Heut ist der schönste Tag in meinem Leben; Winkler: Chianti Lied; Daniel Behle, WDR Rundfunkchor Köln, WDR Funkhausorchester Köln, Helmuth Froschauer; 1 CD Capriccio C5317; Aufnahme 11/2016, Veröffentlichung 10/2017 (54') – Rezension von Remy Franck

So wie Daniel Behle dem gesungenen Wort in subtiler Betonung musikalisch-dramatische Bedeutung gibt, das können nicht viele. Der 1974 geborene deutsche Tenor hat sich eines Repertoires angenommen, mit dem Fritz Wunderlich, Joseph Schmidt, Helge Rosvaenge, Nicolai Gedda sowie Peter Anders die Freunde von Oper, Operette und gehobenem Schlager begeisterten. Read More →

Alfred Schnittke: Requiem + Three Sacred Hyms; Monika Korybalska, Agnieszka Kuk, Olga Maroszek, Katarzyna Oles-Blacha, Dominik Sutowicz, Choir of the Music Department of Rzeszow University, The Instrumental Ensemble of the Artur Malawski Philharmonic in Rzeszow, Bozena Stasiowska-Chrobak; 1 CD Dux 1407; Aufnahme 03/2017, Veröffentlichung 11/2017 (46'22) – Rezension von Remy Franck

Quasi alle Aufnahmen des Schnittke-Requiems, die ich kenne, haben die Musik effektvoll und äußerst deklamatorisch ausgereizt. Daran ist Bozena Stasiowska nicht interessiert. Sicher, die Musik bleibt effektvoll, denn das ist nun einmal ihre Natur, aber die Dirigentin ist in erster Linie darauf aus, einen die einzelnen Stücke verbindenden Spannungsbogen zu schaffen und auf den ursprünglichen Sinn des Texts zurückzugehen, statt das musikalische Material mit all seinen stilistischen Einfällen auseinanderzureißen. Read More →

Thomas Adès: Streichquartette Arcadiana & The Four Quarters + Klavierquintett; DoelenKwartet Rotterdam, Dimitri Vassilakis, Klavier; 1 SACD Cybele 261603; Aufnahme 06+07/2016, Veröffentlichung 10/2017 (58:10) – Rezension von Uwe Krusch

Der mit jungen Jahren bekannt gewordene Thomas Adès hat auch mit seinem ersten Streichquartett ‘Arcadiana’ bereits große Zustimmung erfahren. Alle seine Werke zeichnen sich durch eine Kombination aus der Musikgeschichte bekannter Strukturen und Formen mit jeweils neuen, aber variierenden Besonderheiten. Read More →

Bohuslav Martinu: The Epic of Gilgamesh; Lucy Crowe, Sopran, Andrew Staples, Tenor, Derek Welton, Bassbariton, Jan Martinik, Bass, Simon Callow, Erzähler, Tschechische Philharmonie Prag, Philharmonischer Chor Prag, Manfred Honeck; 1 CD Supraphon SU42252; Aufnahme 01/2017, Veröffentlichung 20/10/2017 (51') – Rezension von Remy Franck

Bohuslav Martinus ‘Gilgamesh-Epos’, ein groß angelegtes Oratorium für vier Solisten, Chor und Orchester, wurde 1955 nach der Rückkehr des Komponisten aus den USA in Südfrankreich komponiert. Uraufgeführt wurde das Stück in deutscher Sprache 1958 in Basel, unter der Leitung von Paul Sacher. Das Original ist jedoch in Englisch und folgt einer Übersetzung von Reginald Campbell Thompson nach den Worten des alten assyrischen Epos, in dem der sumerische König Gilgamesh gefeiert wird. Read More →

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