Der lettische Komponist Peteris Vasks feiert am 16. April seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass veröffentlicht BR-Klassik eine neue CD mit Streicherkompositionen. Auf sie nimmt das Interview Bezug, das Remy Franck mit dem Komponisten führte.

Peteris Vasks
(c) Schott-Melanie Gomez

Musica dolorosa, Musica appassionata, bis hin zu Musica serena… Das ist wohl symbolisch für Ihren Lebensweg. Sind Sie jetzt ruhig geworden?
In Bezug auf Musica appassionata und Musica serena – ja. Die Musica appassionata – Energie der Lebensreife, Leidenschaft, Feurigkeit als auch Trauer um das unaufhaltsame Zerfließen der Zeit. Und die Musica serena – lauer Lebensabend, Weisheit, doch die Liebe und der Idealismus gehen nie zu Ende

Musica dolorosa, schmerzliche Musik…  Da ist ja viel Zähneknirschen enthalten. Von Mozart’s süßem Schmerz sind wir weit entfernt….
Musica dolorosa ist mein tragischstes Opus. Keine Hoffnung, nur Schmerz und Verzweiflung. Ein Requiem zum Gedenken an meine Schwester Marta.

Würden Sie eine Musica Serena auch heute schreiben, in der Corona-Krise?
In der eventuellen Musica serena 2 wären freilich mehr Liebe, Mitleid, Licht der Hoffnung im Ausklang.

Wie haben Sie diese COVID-Krise persönlich erlebt?
Die Einsamkeit, um richtiger zu sagen, Zweisamkeit ist der natürliche Zustand eines Komponisten. Fast gar keine Konzerte, keine Theaterbesuche, keine Reisen ins Ausland, um die ausländischen Interpreten meiner Werke zu treffen. Dafür kann ich Musik hören, Bücher lesen, stundenlange Spaziergänge machen und ungestört arbeiten.

Haben Sie in der Zeit neue Werke komponiert?
Vor kurzem habe ich mein 2. Violinkonzert ‘Im Abendlicht’ beendet. Der Name des Musikwerkes enthüllt den Schlüssel zur Atmosphäre dieser Komposition. Mein 1. Violinkonzert ‘Fernes Licht’, das 2. ‘Im Abendlicht’- das Licht endet niemals.

Wie komponieren Sie überhaupt? Am Klavier, am Computer….
Meine Kompositionen trage ich monatelang aus, am Klavier schreibe ich mit einem Bleistift aufs Notenpapier.

Wie hat die Corona-Krise die Welt verändert, Ihrer Meinung nach?
Man möchte schon glauben,  dass nach der Corona-Krise ein neuer Anfang kommt. Ich hoffe, dass die Menschen mehr in sich hineinschauen. Die Frage ist – was erblicken sie?

Peteris Vasks
(c) Schott – Christopher Peter

Sehen eine Rückkehr zu mehr Ruhe, vielleicht zu mehr Besinnlichkeit oder gar Religiosität? Gerade die Religion war ja für Sie immer wichtig und ein Rückgrat?
Es ist die höchste Zeit, den wahnsinnigen Lauf nach immer wieder neuem Spielzeug, neuen Sachen und Vergnügungen zu hemmen. Man müsste Zeit finden, unsere Blicke in die Richtung sternklarer Unendlichkeit zu lenken und sich zu fragen, warum wir zu dieser Welt gekommen sind und ob wir es gewollt haben, sie ein wenig besser zu machen.

Sie werden jetzt 75 Jahre alt. Was ist, rückblickend, das Wichtigste oder das Befriedigendste, das Sie erreicht haben?
Wenn ich vom Gipfel meiner 75 Jahre auf das verbrachte Leben zurück blicke, frage ich mich natürlich, ob meine Such- und Zweifelsjahre nicht zu lange gedauert haben. Dennoch habe ich, Gott sei Dank, meinen Weg in die Musik gefunden und in jedes Musikwerk habe ich die ganze in mir vorhandene Liebe eingewebt.
Und, wenn jemand unter meinen Musikhörern das herausgehört hat, dann sind wir Brüder und Schwestern.

Musik mit spiritueller Dimension

Das Klavierduo Genova & Dimitrov gehört zu den bekanntesten Klavierduos weltweit. Aglika Genova und Liuben Dimitrov gehören zu den wenigen Pianisten, die sich ausschließlich dem Klavier-Duorepertoire widmen und nicht nebenher noch eine Solo-Karriere bestreiten. Damit gehören sie einem exklusiven und kleinen Kreis von Interpretinnen und Interpreten an: Außer den Schwestern Labèque und den Schwestern Pekinel gibt es wohl derzeit kein anderen weltweit bekanntes Duo, das so konsequent seine Richtung verfolgt.

Klavierduo Genova & Dimitrov
(c) Irene Zandel

Von Oktober 2020 bis Oktober 2021 feiern Genova & Dimitrov ihr persönliches Jubiläumsjahr: 25 Jahre Klavierduo Genova & Dimitrov gilt es zu feiern. Und ausgerechnet dann wütet die Corona-Pandemie und legt weltweit das Konzertleben lahm. Im Interview mit René Brinkmann sprechen Genova & Dimitrov über ihre bisherige Karriere, wie sie sich als Klavierduo professionell und privat gefunden haben, ihre langjährige Partnerschaft mit dem CD-Label cpo und nehmen in Bezug auf den heutigen Stand der Klassikbranche kein Blatt vor den Mund. Read More →

The Swedish label BIS recently released the Requiem Under the arching by American-Finnish composer Alex Freeman, a work commissioned by Nils Schweckendiek and the Helsinki Chamber Choir to commemorate the 100th anniversary of the 1918 Finnish civil war. In this interview made by Dr. Burkhard Schäfer, the composer refers to this composition.

Alex Freeman

Alex, you come from the USA and have lived in Finland for a long time. Which nationality do you feel you belong to more in your capacity as a composer?
It comes up a lot and it’s interesting that it has changed with time. Recently, I was mentioned in a newspaper article as « Yhdysvaltalais-suomalainen säveltäjä », « American-Finnish composer ». I think that’s about as accurate as it can be. Read More →

We no longer present Paul van Nevel, to whom we owe a unique work on the choral repertoire and so many unexpected discoveries. At the helm of his Huelgas Ensemble, van Nevel recorded Simone de Bonefont's Messa pro Mortuis. This album Cyprès won in ICMA's Early Music category. ICMA jury member Pierre-Jean Tribot (Crescendo) made the following interview with the conductor.

Paul van Nevel
(c) Martina Simkovicova

We know very little about Simone de Bonefont, except that he was a canon and singer at the Cathedral of Clermont-Ferrand. How did you discover this composer?
I was researching choral books at the Austrian National Library in Vienna. I came across a book by the publisher Nicolas du Chemin, published in Paris, which presented this work by Simone de Bonefont. Read More →

Josu de Solaun
(c) Audite

Among the winners of the International Classical Music Awards 2021 is the CD Fantasque produced by Audite and played by the violinist Franziska Pietsch and the pianist Josu de Solaun. It contains Sonata no. 1 op. 13 in A major by Gabriel Fauré, the Sonata in G minor by Claude Debussy, the Sonata no. 2 in G major by Maurice Ravel and the Sonata for violin and piano by Francis Poulenc. Florica Jalba from Jury member Radio Romania Muzical made the following interview with Josu de Solaun. Read More →

The CD with the performances of the Croatian Glagolitic Requiem by Igor Kuljeric and the Hymn to Freedom by Jakov Gotovac, released by BR Klassik, won the prestigious International Classical Music Award in the choir category. Jury member Sanda Vojkovic made the following interview with Ivan Repusic, the chief conductor of the Munich Radio Orchestra, the guest conductor of the Deutsche Oper Berlin, the chief conductor of the Zadar chamber orchestra and the person responsible for the selection, performance and recording of the award-winning program.

Ivan Repusic
(c) Lisa Hinder

What does this award mean to you, the person who chose this program and conducted the performance?
The prize primarily brings a sense of satisfaction and pride, but not so much personal pride as much as the pride that two Croatian vocal compositions won this award, and in an international interpretation as well, which adds a special importance to it and gives me an immense pleasure. Read More →

Der Geiger Ingolf Turban und der Pianist Marlo Thinnes haben fur Telos Beethovens Violinsonaten aufgenommen. Darüber und über weitere Themen hat sich René Brinkmann mit ihnen unterhalten.

Herr Turban, Herr Thinnes, Sie haben zusammen eine Gesamtaufnahme aller Violinsonaten Ludwig van Beethovens für das Label Telos aufgenommen. Eine vielleicht banale, aber dann doch sehr interessante Frage ist: Wie kam es eigentlich dazu? Denn soweit ich weiß, haben Sie anlässlich dieser Aufnahme zum ersten Mal überhaupt miteinander im Duo gespielt, stimmt das?
IT: Als mich vor einigen Jahren der künstlerische Chef des Labels Telos Music, Joachim Krist, fragte, ob ich bereit wäre, alle zehn Beethoven-Sonaten für Klavier und Violine mit dem saarländischen Pianisten Marlo Thinnes zunächst aufzuführen und dann auch aufzunehmen, weiß ich noch, wie ich geradezu erschrak. „Ich….? Alle Beethoven-Sonaten…??“ Read More →

Dan Ettinger, Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker ist zurzeit einer der aktivsten und auffälligsten Dirigenten. Das liegt nicht nur an seinem Markenzeichen – der Sturmfrisur – sondern vor allem an seinen interessanten Projekten, bei denen immer wieder Repertoire abseits des Mainstreams auf das Programm der Stuttgarter Philharmoniker gelangt. Ettinger hat sein Stuttgarter Orchester auf ein hervorragendes Niveau gebracht und hat eine ausgezeichnete Klangkultur entwickelt, die sich aktuell in einem Zyklus von Werken Tchaikovskys und Rachmaninovs äußert, der sukzessive beim Label Hänssler Classic erscheint. Im Interview mit Dan Ettinger hat ihn René Brinkmann zu seinem allgemeinen Werdegang ebenso befragt wie zu konkreten Projekten der jüngsten Zeit.

Dan Ettinger

Herr Ettinger, schaut man auf Ihre Biografie, so fällt auf, dass Ihnen offenbar der Dirigierstab nicht in die Wiege gelegt wurde: Sie begannen als Pianist und als Bariton. Wie kam es dazu, dass Sie ins Dirigierfach wechselten?
Schon als Kind hat mir mein Vater auf meinen Wunsch Taktstöcke der Marke Hamel von seinen Geschäftsreisen aus Deutschland mitgebracht, von denen ich einen bis heute benutze. Ich kann mich erinnern, dass ich vor dem Spiegel ‘dirigiert’ und sogar die Rituale eines Konzertes mit Auf- und Abtritt simuliert habe. Dieses Kinderspiel war eigentlich mein noch unbewusster Wunschtraum, lange bevor ich erfahren habe, was das Leben für mich bereithält. Read More →

Estelle Revaz spielt auf der CD Journey to Geneva das Cellokonzert und die Ballade von Frank Martin sowie die Weltersteinspielung eines neuen Stück des jungen Genfer Komponisten Xavier Dahier. Inmitten des ersten Lockdowns im Jahre 2020 kämpfte die junge Schweizerin für die Realisierung der Aufnahme und brach damit auch eine kulturpolitische Lanze für ihren Berufsstand. Stefan Pieper hat sich mit ihr über die neue CD und über Corona unterhalten.

Estelle Revaz
(c) Markus Hoffmann

Haben Sie ein Klangideal?
Ich mag es, wenn der Ton intensiv ist. Er sollte mit Vibrato schwingen, aber auch nicht zu breit und dadurch unscharf werden. Hauptsache, es brennt darin wirklich. Durch mein Studium in Frankreich und Deutschland habe ich den Unterschied zwischen französischem und deutschem Klangideal kennen gelernt. In Frankreich geht es darum, dass die Musik spricht. Das deutsche Ideal zielt mehr aufs Singen ab. In Frankreich ist dafür die Rhetorik extrem wichtig. Read More →

Alain Steffen hat sich mit dem in Wien ansässigen Luxemburger Produzenten und Toningenieur Marco Battistella unterhalten.

Marco Battistella

Ich habe gerade hier eine ältere Aufnahme aus dem Jahre 1960 vor mir liegen. Auf der Rückseite findet man Bezeichnungen wie Executive Producer, Producer, Tonmeister, Editor. Was bedeuten sie eigentlich konkret?
Nun, die Bedeutung von vielen dieser Bezeichnungen  hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. Auch hängt ihre Definition von den jeweiligen Ländern ab. Read More →

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