Louise Chisson und Tamara Atschba sind seit 13 Jahren als eines der besten Duos für Violine und Klavier aktiv, doch sie sehen sich nicht auf ihre Rolle als Interpretinnen beschränkt. René Brinkmann sprach mit den beiden selbstbewussten Künstlerinnen über ihr neues Album 20th Century Feminine, ob es Frauen als Komponistinnen noch immer schwer haben und über die Stiftung, die beide Musikerinnen ins Leben gerufen haben, um den musikalischen Nachwuchs finanziell zu unterstützen – …bis hin zum Dach über dem Kopf und einer täglichen warmen Mahlzeit.

Duo Chisson-Atschba
(c) Andrej Grilc

Frau Chisson, Frau Atschba, Sie musizieren seit 2008 als Duo zusammen. Wie hat Ihre Zusammenarbeit begonnen, wie haben Sie zueinander gefunden?
LC: Das war drei Jahre nachdem ich mein Studium in Wien angefangen hatte. Tamara hat damals sehr eng mit meiner Professorin Dora Schwarzberg zusammengearbeitet. Als ich eine Demo-DVD mit einem sehr schwierigen Repertoire (Beethoven, Bartok, Lutoslawski, usw.) aufnehmen musste, hat sie zugesagt, dieses Projekt mit mir zu machen. Durch unsere Arbeit im Zusammenhang mit diesen herausfordernden Werken haben wir gespürt, dass es ein besonderes Verständnis zwischen uns gab und ein Potenzial, das wir gern nutzen wollten.
TA: Ja. Louise hatte begonnen, bei meiner langjährigen Kammermusikpartnerin, der renommierten Geigerin Dora Schwarzberg in Wien zu studieren. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon seit mehreren Jahren an der Universität für Musik tätig, und da haben wir uns kennengelernt und angefangen, intensiv zusammen zu musizieren. Schon bald war es klar: die musikalischen Wege haben uns ganz richtig zu einander geführt – das Duo wurde geboren.

Wie ist das, wenn man so lange als Duo zusammenspielt: Gibt es da auch Phasen, wo es schwierig ist, wo man als einzelne Musikerin das Gefühl hat, man entwickelt sich da gerade in unterschiedliche Richtungen?

Tamara Atschba
(c) Andrej Grilc

TA:  Ja, natürlich. Zwischen uns gab es zwar von Anfang an ein fast unglaubliches, ‘altersloses’ gemeinsames Musikverständnis, aber immerhin 15 Jahre Unterschied. Es war nicht leicht, alle Phasen ohne Schwierigkeiten zu durchgehen, aber Louise war von Anfang an so zielstrebig und so entschlossen, dass ich schon nach einigen Jahren keinen Altersunterschied mehr wahrnahm. Wir haben vielmehr angefangen, einander zu ergänzen. Genau wie Herr Wolfgang Marschner sagte, konnte auch ich mir schon sehr bald « besseres Zusammenspiel nicht vorstellen ».
LC: All die Jahre, habe ich nie das Gefühl bekommen, dass unser Duo an einen Engpass kam. Oder dass es meine anderen professionellen Aktivitäten stören könnte. Es gab und gibt aber Phasen, in denen wir schon einmal unterschiedliche Wünsche oder Inspirationen haben können, was unser Repertoire anbetrifft. Wir haben aber das Glück, einander immer zu vertrauen und durch unsere Liebe zur Musik und zur Qualität, immer auf ein gemeinsames Verständnis und einen gemeinsamen Genuss zu kommen. Ich glaube, auch weil wir über kein Ende unserer Zusammenarbeit nachdenken, ist uns bewusst, dass wir immer mehr Werke wieder und intensiver entdecken können. Ich weiß, dass Tamara manchmal denkt, die Zeit ist knapp, um alles zu spielen, wovon man träumt und was man liebt. Ich verstehe diese Ansicht. Ich denke, wir kommen auf menschliche und musikalische Weise letztendlich immer zu einer Einigung.

Louise Chisson (c) Andrej Grilc

Sie haben 2013 ein international beachtetes Debütalbum vorgelegt und 2014 ein weiteres Album nachgeschoben, damals beim Label Gramola. Dann folgte eine verhältnismäßig lange Aufnahmepause von sieben Jahren, und nun sind Sie wieder mit einem neuen Album beim Label Hänssler Classic präsent. Da fragt man sich natürlich: Was war in der Zwischenzeit los? Welche Projekte haben Sie so in Anspruch genommen, dass es zu einer so langen Albumpause kam?
LC: Das ist schwierig zu beantworten. Kurz gefasst würde ich sagen: einfach das Leben. Erstens waren wir in der Zwischenzeit auf der Bühne aktiver als früher. Das heißt, sich auch mit Repertoire-Pflichten auseinanderzusetzen und nicht immer die Zeit zu haben, sich auf ein neues Album-Konzept zu konzentrieren. Ich habe auch selbst angefangen zu unterrichten. Außerdem habe ich mit Tamara ein neues spannendes Gebiet zur Kooperation entdeckt, wodurch wir 2016 unsere Stiftung Esperus Art Fund gegründet haben. Wir haben uns die auch Zeit genommen, um wunderschöne Projekte umzusetzen, oder um mit anderen Künstlern zu arbeiten wie zum Beispiel mit der österreichischen Schauspielerin Katharina Stemberger oder den Cellisten Gary Hoffman und Ophélie Gaillard. Und natürlich ist es auch so: Ein neues Album zu veröffentlichen, nimmt auch Zeit und Geduld in Anspruch, um sich in allen Aspekten darauf vorzubereiten.
TA: Genau. Im Jahr 2015 haben wir das Projekt ‘Dialogue entre musique et lumières – Hommage à Scriabin – Synesthetic Perception: Alexander Scriabin’s Color Hearing’ zu Scriabins 100. Todestag umgesetzt. Es war ein wunderschönes Programm mit Solo- und Kammermusik-Stücken von Scriabin, Rachmaninov, Szymanowski, die wir in Zusammenarbeit mit unserem Lichttechniker präsentiert haben. 2016 haben wir unseren Esperus Art Fund und gleich danach die Esperus Music Academy gegründet. Es war ein langer Weg und viel Arbeit, für den wir uns Zeit genommen haben. Inzwischen haben wir sehr viel unterrichtet und unterschiedliches Repertoire gespielt. Ich hatte Solo-Auftritte und Meisterkurse in China, Louise hat mehrere Engagements mit dem Ensemble Lux gehabt. 2019/2020 haben wir intensiv das Projekt ‘Neue Konzertreihe im Ehrbarsaal – Musik durch die Jahreszeiten’ vorbereitet, mit dem Eröffnungskonzert’Zwischen den Zeilen hören – Schumann/Brahms: Musik & Korrespondenz’, zusammen mit der Schauspielerin Katharina Stemberger.

Dem aktuellen Album 20th Century Feminine liegt ebenfalls ein interessantes Konzept zugrunde. In meinem Verständnis bildet es das 20. Jahrhundert als eine Art Komponistinnen-Jahrhundert ab. Kann man das so sagen?
TA: Ja, das kann man schon so sagen. Obwohl ich glaube, dass es immer Frauen gab, die gespielt und komponiert haben, wie z.B. Clara Schumann oder Fanny Mendelssohn. Nur im 20. und 21. Jahrhundert haben ihre Talente vielleicht eine offene Tür in die Wahrnehmung der Gesellschaft gefunden, die endlich bereit war, Frauen in diesem Tätigkeitsbereich zuzulassen und wirklich zu akzeptieren.
LC: Wir wollten unterschiedliche, wertvolle Werke zeigen, die alle von Frauen komponiert wurden. Die Idee war, einen Akzent auf Komponistinnen zu setzen und gleichzeitig die Zuhörer vergessen zu lassen, ob die Musik von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde. Gute Musik bleibt gute Musik, egal welchen Geschlechts, Alters, Nationalität… Das Album ist eine Reise durch die Entwicklung der Kompositions-Stile durch das sehr ereignisreiche 20. Jahrhundert, gesehen durch die Augen von vier sehr verschiedenen und spannenden Frauen.

Komponistinnen sind ja auch heute noch nicht besonders häufig. Die Erschaffung von Musik ist nach wie vor sehr stark von Männern dominiert. Woran könnte das Ihrer Ansicht nach liegen? Schließlich sind weibliche Interpreten ja schon seit dem 19. Jahrhundert ein durchaus gewohntes Bild.
LC: Es ist wahr, dass auch heute noch die Qualität von Musik, die von einer Frau komponiert wird, stärker infrage gestellt wird, als von einem Mann. Warum das so ist? Es bleibt ein Rätsel. Dass die Frauen sehr viel kämpfen müssen für Gleichberechtigung ist schon Fakt.
Schriftstellerinnen haben aber zum Beispiel früher einen respektierten Platz für sich geschaffen als Komponistinnen. Es gibt manchmal den Vergleich zwischen Mathematik und Komposition. Vielleicht ist das ein Grund, dass die Frauen lange Zeit als unfähig bezeichnet wurden, so eine Disziplin mit Erfolg auszuüben? Oder hängt es mit den sozialen Bedürfnissen dieses Berufs zusammen, die als ungeeignet für eine Frau angesehen wurden? Heute wird die Leistung dieser Frauen endlich anerkannt, aber mit viel Verspätung und deswegen manchmal wohl auch mit Ungeschick.
TA: Da stimme ich nicht zu. Komponistinnen sind gerade heute sehr aktiv – ein Thema, das eng mit den Medien verbunden ist. Heute liegt es manchmal fast im Trend, Komponistin oder Dirigentin zu sein. Vielleicht sind das die Ungeschicktheiten wovon Louise spricht. Ich bin der Meinung man sollte Frauen mehr Raum geben. Schon damals, als Schumann seine Fantasie geschrieben hat und Liszt sagte, dass er dieses Stück nie selbst auf der Bühne spielen würde, war Clara die einzige Person, die dieses Stück regelmäßig aufgeführt hat. Die gleiche Frau schrieb auch selbst wunderschöne Musik, aber sie musste auch mehrere Kinder gebären, eine ganze Familie pflegen, ernähren, ihren Mann unterstützen und noch so viel wie möglich spielen, um Geld zu verdienen. Wann sollte sie noch ruhig komponieren? Heute sind die Frauen moderner, es gibt mehrere Möglichkeiten, um sich zu organisieren, um den Lieblingsberuf auszuüben. Vielleicht ist das aber die Antwort auf Ihre Frage: Zeitmangel?

Wie haben Sie die Stücke für dieses Album ausgewählt?
LC: Die Idee war, das Album Frauen zu widmen. Wir haben zuerst eine große Auswahl gemacht, mit allen unserer liebsten Stücke, die für Violine & Klavier komponiert wurden. Nicht alle tollen Komponistinnen haben für dieses traditionelle Duo geschrieben. Dann haben wir ein Konzept gesucht – in dem Fall, ein Überblick über das letzte Jahrhundert – und dadurch unsere schlussendliche Entscheidung getroffen.
TA: Das war viel Arbeit. Wir haben mehrere Tage sehr viel Material gehört und gesichtet, bevor wir überhaupt entscheiden konnten, welche Stücke wir auf unsere CD aufnehmen möchten. Wir haben eine Liste von Komponistinnen des Jahrhunderts zusammengestellt, alle Stücke, die für Violine und Klavier geschrieben worden waren ausgewählt, und danach haben wir die interessantesten darunter ausgesucht und noch dazu von den gleichen Komponistinnen andere Stücke angehört, um ihren Stil und ihre Ideen wirklich zu verstehen. Am Ende kam diese erstaunliche Kombination heraus – von der früh verstorbenen, unglaublich talentierten Lili Boulanger bis zu Jennifer Higdon, die heute in vielen Sälen Europas und der USA häufig gespielt wird.

Gibt es auf dem Album ein Lieblingswerk, das sich während der Arbeiten an dem Album zu etwas „Besonderem“ für Sie entwickelt hat?
LC: (Lacht) Ich weiß sicher, um welches Werk es für Tamara geht! Ustwolskaja war sicherlich ein tief berührendes Erlebnis, besonders in COVID-Zeiten. Aber jedes Stück auf dem Album hat etwas Besonderes… , Higdon war für uns die Neuheit der amerikanischen Sprache, Boulanger hat den attraktiven und zärtlichen Charme der Vergangenheit, und nicht zu vergessen: Bacewicz und ihre begeisternden Ideen und Kompositions-Fähigkeiten, die uns viel Freude bei Einstudieren und Spielen bereitet haben.
TA: Oh ja! Die Sonate von Galina Ustvolskaya. Sie bringt eine solch vollständige Atmosphäre von Apathie und sibirischem Permafrost, der in die Seele eingedrungen ist, mit sich. Es gibt Momente emotionalen Drucks, der endlos und unwiderruflich zu sein scheint. Die zurückgehenden Schritte der Menschen im letzten Teil…  alles erinnert an die schrecklichen Stalin-Zeiten. Ich weiß nicht, ob Gott für Ustwolskaya die Musik diktierte (wie sie selbst meinte) aber, wie dem auch sei, in ihrer Arbeit spürt man wirklich, wie der Geist zu einem Höchstmaß an existenzieller Kraft erhoben wird.

Derzeit ausgebremst durch die Corona-Pandemie, veranstalten Sie in ‘normalen Zeiten’ eine eigene Konzertreihe im Wiener Palais Ehrbar – einst eine Geburtsstätte der jeweils neuesten Musik, wo Johannes Brahms, Anton Bruckner, Gustav Mahler, Arnold Schönberg und Pietro Mascagni ihre eigenen Werke vorstellten. Was ist das Konzept Ihrer Konzertreihe ‘Musik durch die Jahreszeiten’?
LC: Der Ehrbar-Saal beherbergt bereits mehr als 140 Jahre Musikgeschichte in seinen Wänden, und ist damit gerade einmal sieben Jahre jünger als der Musikverein. Demnach ist er eine der authentischsten Konzerthallen Wiens. Durch die Jahrzehnte haben an diesem wundervollen Ort ein paar der großartigsten klassischen Musiker gespielt. Welch bessere Motivation kann es für eine zukünftige Generation geben, als sich zu denken: « Hier spielten Brahms, Mahler, Rubinstein, Joachim…“! Heute Konzert-Möglichkeiten zu schaffen, ist für Musiker sehr aufwendig. Es nimmt viel Zeit in Anspruch, kostet viel Energie, bringt häufig Enttäuschungen mit sich und ist wie ein zweiter Beruf geworden. Wir wollten auf einer menschlichen Ebene Musiker mit sehr unterschiedlichem Status auf die gleiche Bühne und mit den gleichen Konditionen bringen.
TA: Obwohl die große klassische Konzert-Tradition in Städten wie Wien noch immer nachklingt, wirkt es manchmal nicht mehr so authentisch wie früher. Wir haben uns dazu entschieden, eine neue Konzertreihe zu schaffen, um großartige Musiker von heute sowie junge Nachwuchstalente und Meister von Morgen zusammen auf die Bühne zu bringen. Zusammenspiel, gemeinsame Kooperation zwischen jungen und renommierten Künstlern, berühmte Schauspieler, das alles motiviert, involviert das Publikum und fördert Talente. Musiker brauchen Hoffnung und Unterstützung – von Klein bis groß in unseren schweren Zeiten, und überhaupt.

Duo Chisson-Atschba
(c) Andrej Grilc

Immer wieder sieht man auf den Programmen der Konzerte im Ehrbar-Saal auch Namen von Musikerinnen und Musikern, die durch Ihre Stiftung unterstützt werden, den Esperus Art Fund. Worum geht es bei der Stiftung?
TA: Stiftungen oder Non-profit-Organisationen zur Unterstützung von Künstlern sind nichts Neues. Eine erhebliche finanzielle Investition ist erforderlich, um zu studieren und jemandem eine Chance zu geben, etwas in der Kunst zu erreichen. Der Esperus Art Fund richtet sich vor allem an Musiker und strebt an, die « ersten Ausgaben“ zu unterstützen, die für das Überleben und Gedeihen eines jungen Künstlers notwendig sind, und dazu beizutragen, diejenigen zu fördern, die bereit sind, auf die Bühne zu gehen. Da der Fonds darauf abzielt, diesen Künstlern das tägliche Leben und das künstlerische Wachstum zu erleichtern, ist dieses Projekt von großer Bedeutung für eine bessere Zukunft.
LC: Ja, finanzielle Probleme sind heute ein echtes Hindernis für junge Künstler. Wir versuchen zu helfen, nicht nur Studien und berufliche Ausgaben zu finanzieren, sondern auch manchmal bei Miete, Essen, usw. unterstützend tätig zu sein. Das Ziel ist, dass potenzielle große Talente von morgen nicht ihre Chance wegen ein paar hundert Euro verpassen. Durch diese Unterstützung soll Möglichkeit geschaffen werden, sich zu zeigen, auf der Bühne zu erscheinen, vom Publikum und anderen Musikern gehört zu werden. Es ist eine Unterstützung bei ihren ersten Schritten in ein Leben als professioneller Musiker.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine solche Stiftung zu gründen? Spielten dabei auch eigene Erfahrungen auf dem Weg vom Studium hin zur beruflichen Karriere eine Rolle?
LC: Eigene Erfahrung spielt sicherlich eine Rolle, als das Erlebnis des Weges einer klassischen Musikerin. Aber diese Erfahrung ist eher jetzt nützlich, wo die Stiftung schon aktiv ist. Der Grund warum wir so etwas gegründet haben, war gleichzeitig die Summe aus vielen Ideen, die mich schon lange begleitet hatten, aber auch einfach nur geleitet von Leidenschaft und Begeisterung. Es gab damals ein paar hochtalentierte Studenten von Tamara die sich in großen Schwierigkeiten befanden. An einem Abend, als ich diese Musiker wieder auf die Bühne hörte, habe ich gedacht « wir müssen etwas unternehmen, ihnen zu helfen, es kann einfach nicht so enden. » Das war, für mich persönlich, der Moment, in dem alle Ideen und Erfahrungen sich konkretisiert haben.
TA: Eigene Erfahrungen? Na ja, ich kann zunächst sagen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Talent und Fähigkeiten ausreichten, um erkannt und unterstützt zu werden. Talent, Leistung auf hohem Niveau und harte Arbeit reichen jetzt leider nicht mehr aus. Eines Tages habe ich verstanden, dass ich leider nicht mehr allen aus meiner eigenen Tasche helfen kann, dass ich Sponsoren brauche. Und dann plötzlich kam Louise mit ihrer Idee, unsere eigene Institution ins Leben zu rufen. Ein utopischer Geist, gepaart mit Abenteuerlust und menschlicher Herausforderung waren die motivierenden Faktoren bei der Durchführung dieses schönen Projekts.

Was sind Ihre Pläne für die nächste Zukunft? Wenn alles gut geht, haben wir vielleicht das Schlimmste der Corona-Pandemie hinter uns, und man kann so langsam vielleicht wieder an ein geregeltes Musikleben denken.
TA: Unterschiedliches! Zuerst kommt traditionell die Esperus Music Academy (seit den letzten 5 Jahren). Dort werden wir mit dem Nachwuchs arbeiten, Konzerte veranstalten und zusammen mit unserem Freund, dem wunderbaren Cellisten Gary Hoffman spielen. Danach planen wir einige Konzerte und CD-Produktionen, aber dafür müssen wir noch viel arbeiten, um die Programme zusammenzustellen und auf die Füße zu bringen.
LC: Pläne? Da steht allem voran nur wieder mehr Konzerte zu ermöglichen und die Möglichkeit wieder frei zu reisen. Sonst haben wir es eigentlich geschafft, ziemlich aktiv zu bleiben, ob das unser Duo betrifft, unsere Studenten, oder unsere Stiftung. Dank des Muts meiner Eltern und ihres Sommer Festivals L’Eté Musical en Bergerac, waren wir zum Beispiel im August 2020, eine der seltenen internationalen Musik-Akademien, die ganz normal durchgeführt werden konnte. Und in Wien haben wir auch immer versucht und es geschafft, motiviert zu bleiben und den Nachwuchs aktiv zu halten. Also der Plan: einfach immer weiter gehen!

Werden Sie das Programm Ihres neuen Albums dann auch live vorstellen? Gibt es vielleicht sogar schon ein Datum, das Sie uns verraten können?
LC: Ein Datum mit diesem Programm gibt‘s noch nicht, aber es wird sicherlich was. Stimmts?
TA: Ja, bestimmt, schauen wir mal, wie die nächsten Monate nach der Veröffentlichung des Albums ausschauen…

Wahrlich kein schwaches Geschlecht

In der konzertlosen Corona-Zeit war es still geworden im Alfried Krupp Saal der Essener Philharmonie. So freuten sich Anke Pan und Yuhao Guo über die Möglichkeit, in dem stimmungsvollen Saal mit der hervorragenden Akustik ihre Debüt-CD als Duo auf zwei Steinway D-Fügeln aufnehmen zu können. Yuhao Guo hat der Duo-Besetzung eine Suite auf den Leib komponiert. Sie befindet sich auf diesem Tonträger in bester Gesellschaft mit zwei Tanz-Suiten von Anton Arensky und Sergei Rachmaninov. Stefan Pieper hat sich mit Anke Pan unterhalten.

Anke Pan

Die Zeit ohne Livekonzerte hat sich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt. Worauf freuen Sie sich jetzt besonders?
Wir sind sehr froh, wieder live zu spielen. Die wenigen Konzerte im letzten Jahr waren ja auch nichts Halbes und nichts Ganzes – nur eine Handvoll Auftritte, wo wir höchstens vor 100 Leuten spielen konnten.

Wie hat sich die Zwangspause angefühlt?
Yuhao und ich sind zum Glück sehr kreative Menschen und sehr flexibel in allem, was wir gemacht haben. Zuerst waren wir frohen Mutes und haben auch viel solidarische Unterstützung von Konzertveranstaltern erfahren, die uns zum Teil Honorare für ausgefallene Konzerte gezahlt haben. Read More →

Zibuokle Martinaityte (born 1973) comes from Lithuania and has lived in New York for several years. She “writes stimulating music that bristles with energy and tension”, according to her website. Listening to her new CD Saudade, now released on the Ondine label (ODE 1386-2), one can only agree.  Four orchestral works, all written between 2013 and 2019, can be heard on Saudade. In the interview, Zibuokle Martinaityte talks about her Lithuanian roots, her passion for orchestral music - and about how the death of her father radically changed her attitude to music. Dr. Burkhard Schäfer spoke with the composer.

Zibuokle Martinaityte
©Terekas

You were born in St. Petersburg, grew up in Kaunas and now live in New York. To what extent have these places left traces in your compositions? 
Places we live in influence our way of being, our communication and the way we relate to others and undoubtedly influence our innermost artistic expression. In my case it is not always easy to trace these influences because altogether they create a mixture… a new entity. Read More →

Aus Anlass des Jubiläumskonzertes Fast forward – 20 years United Instruments of Lucilin hat Pizzicato-Mitarbeiter Uwe Krusch ein Interview mit Guy Frisch, Musikalischer Direktor und Schlagzeuger des Ensembles, geführt.

Lucilin
(c) Emile Hengen

Ich lebe seit mehr als 17 Jahren in Luxemburg. Von den Anfängen der Philharmonie und der Rainy Days bis heute habe ich den Eindruck gewonnen, dass die (wie auch immer genau definierte) Neue Musik doch beachtlich an Zuspruch gewonnen hat. So wurden die ersten Konzerte von einer Handvoll Zuhörer besucht, die wohl mehr oder weniger aller selber aus dem Metier kamen. Inzwischen ist etwa der Saal Espace découverte in der Philharmonie eher zu klein. Stellt sich die Situation aus Sicht von und für United Instruments of Lucilin auch so dar? Sind weitere Zuwächse zu erwarten oder bleibt Neue Musik trotz allem ein Nischenprodukt?
Sie haben Recht und ich bin froh, dass Sie diesen Zuwachs auch feststellen, denn seit 20 Jahren erleben wir dies mit großer Freude. Es gab sicher in Luxemburg ein Bedürfnis nach Neuem, und auch wenn dieser Zuwachs, das Interesse sich nur langsam entwickelte, tat es dies jedoch stetig und wir stehen seit vielen Jahren mit unseren Zuhörerzahlen genauso gut, wenn nicht besser da als große Städte oder Länder. Read More →

Johannes Pramsohler
(c) P. Foster Williams

A few years ago, you started your own record label. Why?
You know what? Sometimes I ask myself the same question. Having a record label presents a huge amount of work on top of what I’m doing as a concert violinist. But I think without Audax Records I wouldn’t be able to do all the projects I’m doing – anyway not in this way and definitely not at this speed. My wish is to not only record music, but to draw people closer to the fascinating world of sounds that I care so much about. Read More →

Yunus Kaya
(c) Victor Marin

Wie geht es Ihnen in diesen Tagen?
Im Moment findet quasi kein Konzertleben statt. Ich habe auch noch keine Streaming-Konzerte gemacht, jedoch konzentriere ich mich auf meine pädagogische Arbeit am Vorarlberger Landeskonservatorium. Trotzdem hoffe ich sehr, dass es bald wieder Live-Erlebnisse geben wird. Auf jeden Fall zeigt die aktuelle Situation, wie gut es ist, mehrere Standbeine zu haben. Read More →

Since the age of 4, Munich-born Maya Wichert has been playing the violin. Her enormous talent became apparent very early on. Master classes with Julia Fischer, Christoph Poppen, Ingolf Turban, countless competition successes, sponsorship awards and scholarships underline the potential of the young violinist. Many reasons for the jury of the International Classical Music Awards to present Maya Wichert with the Discovery Award 2021. Jury member Guy Engels (Radio 100.7, Luxembourg) made the following interview with her.

Maya Wichert

At the age of 15, you are still fully involved in the daily school routine, which is not easy to cope with, especially in times of a pandemic. Apart from the current difficulties, how do you generally manage school and music studies and still keep some free time as well?
I just try to combine everything well: the time for school, for practicing and for myself.  I usually do my schoolwork first, then I get out the violin.  Rehearsing depends a lot on other appointments and factors. If there are exams at school, for example, there are about two hours left for the violin. During the vacations, on the other hand, it can be more. Read More →

The Reina Sofía School of Music celebrates its 30th anniversary in 2021, consolidated as a center of high musical training. It was created in 1991 by its founder and president, Paloma O’Shea, one of the most important figures in the promotion of music in Spain, with the support of Her Majesty Queen Sofía and the participation of a group of excellent musicians – Mstislav Rostropovich, Yehudi Menuhin, Alicia de Larrocha, and Zubin Mehta – who helped Ms. O’Shea to design the School and recruit the best professors at the time. At the occasion of this anniversary, Pizzicato is presenting the school and interviews with Dean Oscar Colomina and several students from various countries.

The Reina Sofía School of Music: a building by architect Miguel de Oriol in Madrid’s Plaza de Oriente

Located in a magnificent building in the heart of Madrid, next to the Royal Theatre and the Royal Palace, the School welcomes each year around 150 young musicians from more than 30 countries. Read More →

Der lettische Komponist Peteris Vasks feiert am 16. April seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass veröffentlicht BR-Klassik eine neue CD mit Streicherkompositionen. Auf sie nimmt das Interview Bezug, das Remy Franck mit dem Komponisten führte.

Peteris Vasks
(c) Schott-Melanie Gomez

Musica dolorosa, Musica appassionata, bis hin zu Musica serena… Das ist wohl symbolisch für Ihren Lebensweg. Sind Sie jetzt ruhig geworden?
In Bezug auf Musica appassionata und Musica serena – ja. Die Musica appassionata – Energie der Lebensreife, Leidenschaft, Feurigkeit als auch Trauer um das unaufhaltsame Zerfließen der Zeit. Und die Musica serena – lauer Lebensabend, Weisheit, doch die Liebe und der Idealismus gehen nie zu Ende. Read More →

Das Klavierduo Genova & Dimitrov gehört zu den bekanntesten Klavierduos weltweit. Aglika Genova und Liuben Dimitrov gehören zu den wenigen Pianisten, die sich ausschließlich dem Klavier-Duorepertoire widmen und nicht nebenher noch eine Solo-Karriere bestreiten. Damit gehören sie einem exklusiven und kleinen Kreis von Interpretinnen und Interpreten an: Außer den Schwestern Labèque und den Schwestern Pekinel gibt es wohl derzeit kein anderen weltweit bekanntes Duo, das so konsequent seine Richtung verfolgt.

Klavierduo Genova & Dimitrov
(c) Irene Zandel

Von Oktober 2020 bis Oktober 2021 feiern Genova & Dimitrov ihr persönliches Jubiläumsjahr: 25 Jahre Klavierduo Genova & Dimitrov gilt es zu feiern. Und ausgerechnet dann wütet die Corona-Pandemie und legt weltweit das Konzertleben lahm. Im Interview mit René Brinkmann sprechen Genova & Dimitrov über ihre bisherige Karriere, wie sie sich als Klavierduo professionell und privat gefunden haben, ihre langjährige Partnerschaft mit dem CD-Label cpo und nehmen in Bezug auf den heutigen Stand der Klassikbranche kein Blatt vor den Mund. Read More →

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