Pianist Sheila Arnold does not only feel at home on the fortepiano, but also on the modern, concert grand piano. Her last CD, Écoutez!, is all about the music of modernity - with works by Debussy, Cage and Takemitsu. In this interview with Tabea Eppelein, Sheila Arnold explains why this CD is something very personal, and offers new listening experiences.

Sheila Arnold
(C) Marion Koell

Your CD is called Écoutez!, or Listen! in English. When one hears the sounds on the disc, in fact one can’t do anything but listen. The music is unbelievably varied: energetic and dreamy by turns, and always gripping. How do Debussy, Cage and Takemitsu do this? And how do you manage it yourself, in your interpretations? 
The masters achieve it through the art of the unexpected. This may be through their treatment of the instruments themselves, the harmony, the individual notes, or the rhythm, while also maintaining a form. None of the three composers have anything to do with disorganised chaos. There is the A-B-A form with a closing sequence (often seen in Debussy’s music), or John Cage’s short, one-movement sonata form in two parts, which is reminiscent of Domenico Scarlatti. Read More →

Sie zählen heute in der Welt der klassischen Musik zur Weltspitze: Die türkischen Schwestern Güher und Süher Pekinel. Herbert von Karajan entdeckte die Zwillinge 1984 und lud sie zu den Salzburger Festspielen ein. Seither hat ihr Klavier-Spiel durch virtuoser Meisterschaft sowie individuelle Ausdruckskraft Maßstäbe gesetzt. Remy Franck hat sich mit ihnen in Paris unterhalten.

Süher & Güher Pekinel

Hat es ein Zwillingspaar leichter ein Klavierduo zu bilden als zwei Pianisten, die keine Zwillinge sind?
Süher P.: Leichter und schwerer zugleich! Leichter deshalb, weil von Anfang an ein gemeinsames Denken und Fühlen vorhanden ist, das aber auf jeden Fall wegen der Vertiefung die gleiche Arbeit erfordert, wie bei jedem anderen Duo. Schwerer, weil andere Duos fürs Zusammensein kämpfen, während wir als Zwillinge immer zuerst unsere eigenen Gedanken in den Mittelpunkt stellen und danach erst das Gemeinsame, das wir ja sowie haben. Wir glauben, dass sich ohne die Gegensätze nie eine Harmonie entwickeln kann. Read More →

Italian pianist Alessandro Marangoni just published the last volume of his Rossini-Péchés de Vieillesse-series with Naxos. The monumental edition is crowned by another set of rediscoveries, splendidly recorded by Marangoni and his vocal partners. Remy Franck made the following interview with the pianist.

Alessandro Marangoni
(c) Daniele Cruciani

How did it come that you became so interested in Rossini’s piano music?
When I was very young, I loved to improvise on Dal tuo stellato soglio from Moise by Rossini: my love for Rossini’s music started early, but only during these last years I had the opportunity to know better Péchés de Vieillesse. Maria Tipo, my piano teacher, introduced me to a couple of pieces, and I wanted to know more, so I started my research about the complete and huge opus. It was a lightning strike! Read More →

Der 1987 geborene deutsche Pianist Joseph Moog, mehrfacher Preisträger der 'International Classical Music Awards' und anderer Preise ist auf dem Schallplattenmarkt regelmäßig mit heraustragenden Aufnahmen präsent. Jetzt hat er eine Debussy- und Ravel-CD vorgelegt, die Pizzicato mit einem Supersonic auszeichnet. Remy Franck hat dem jungen Künstler ein paar Fragen gestellt.

Joseph Moog

Joseph Moog, auf dem Cover-Bild Ihrer Debussy-Ravel-CD ist der Hintergrund eher verschwommen, ‘sfumato’ sozusagen. In Ihren Interpretationen finden sich solche Werte nicht, die sind von erstaunlicher Klarheit und Spontaneität…
Es sind sicherlich zwei Dinge, die dazu beigetragen haben, und das ist zum einen die Tatsache, dass impressionistische Musik die Interpreten durch ihren Wohlklang und ihre Anziehungskraft von den akribisch genau notierten Partituren ablenken kann, sozusagen hypnotisch vernebelt wie die legendäre Loreley die Schiffskapitäne. Zum anderen stechen für mein Empfinden gerade Debussy‘s ‘Douze Etudes’ samt ‘Etude retrouvée‘ aus dem musikalischen Kernimpressionismus bereits hervor und weisen mit ihrer Harmonik, den asymmetrischen Rhythmen und ungewöhnlichen Melodien eindeutig in die Moderne. Read More →

Das Aris Quartett (Anna Katharina Wildermuth & Noémi Zipperling, Violine, Caspar Vinzens, Viola, Lukas Sieber, Violoncello) hat schon mehrmals im Pizzicato hervorragende Kritiken erhalten. Es ist also Zeit, das Quartett im Interview zu präsentieren. Remy Franck hat den Quartettmitgliedern ein paar Fragen gestellt. Geantwortet hat Caspar Vinzens, der Bratschist des Aris Quartetts.

Aris Quartett
(c) Simona Bednarek

Nach der Rezension Ihrer letzten CD (Shostakovich/Schubert) sollte man unseren Lesern einmal erklären, wie das Aris Quartett zustande kam? Wie haben Sie vier sich gefunden?
Darüber wundern wir uns selbst oft: wir haben uns nicht gesucht, wir wurden zusammengesetzt. Im Grunde sind wir eine ‘Casting-Band’, bei der Hubert Buchberger, damaliger Kammermusikprofessor an der Musikhochschule in Frankfurt, ein gutes Gespür bewiesen hat. Wir waren zu der Zeit allesamt Jungstudierende, gingen also parallel noch zu Schule und kannten uns untereinander überhaupt nicht.

Woher kommt der Name?
Das ist simpler, als viele denken – es ist lediglich ein erfundenes Wort aus den Endbuchstaben unserer Vornamen.

Sie haben viele Preise gewonnen. Doch Wettbewerbe sind auch umstritten. Wie stehen Sie zu der allgemeinen Lage der Wettbewerbe?
Wettbewerbe können Türöffner sein, da sie unter Umständen große Plattformen sind auf denen man sich präsentieren kann und die von vielen Fachleuten – seien es Veranstalter/innen, Agenturen oder Labels – aufmerksam beobachtet werden. Beispielsweise der ARD-Wettbewerb war für uns enorm wichtig, einfach durch seine große mediale Präsenz. Allerdings haben wir Wettbewerbe immer als eine sehr unnatürliche Situation empfunden, bei der Kunst oftmals mehr erzwungen wird, als dass sie von sich aus entstehen kann. Das hat mit dem enormen kompetitiven Leistungsdruck zu tun, welcher in der Natur jedes ‘Vergleichens’ liegt, der aber eigentlich so weit weg ist vom eigentlichen Ursprung der Musik und der Kunst im Allgemeinen.
Wir selbst haben uns eben diesem ‘Vergleichen’ oft gestellt und die daraus entstehenden Möglichkeiten als Chancen gesehen, allerdings sind wir sehr froh über unsere Entscheidung, keine weiteren Wettbewerbe mehr zu spielen, sondern uns nur noch auf die Qualität von Konzerten und CD-Einspielungen zu konzentrieren…

Caspar Vincens
(c) Simona Bednarek

Der Quartett-Markt ist heftig umkämpft.  Es hat nie so viel gute Quartette gegeben wie heute. Ist das für Sie Stress?
Das stimmt – es gibt momentan viele herausragende Quartette. Mit den meisten ist man gut befreundet, das finde ich unglaublich schön und kollegial. Man schätzt und respektiert sich untereinander. Stress im negativen Sinne empfinden wir nicht, aber ein gewisser Eifer, eine ständige Weiterentwicklung wird dadurch sicherlich beflügelt.

Wie begegnen Sie der Konkurrenz? Mit speziellen Programmen? Mit Nischen-Repertoire? Mit neuen Ideen?
Ich denke am besten kann man sich präsentieren, wenn man sich treu bleibt. Zu viel Zeit in die Entwicklung aufwendiger ‘Unterscheidungsmerkmale’, um uns von anderen abzusetzen verschwenden wir gar nicht. Unser Ziel ist es, Musik auf dem höchsten Niveau zu spielen, das Beste aus uns herauszuholen. Und das völlig unabhängig von allem anderen.

Was ist das Wesentliche beim Quartett-Spielen?
Darüber gibt es sicherlich viele Auffassungen. Für uns jedenfalls ist ganz wesentlich, dass wir untereinander nicht bloß gut eingespielte Kollegen sind, sondern auch sehr gute Freunde, weit über die berufliche Komponente hinaus. Wir sind seit unserer Jugend zusammen gewachsen, sehen uns untereinander quasi täglich und hören nicht auf, gemeinsam weiterkommen zu wollen. Das ist eine unglaublich spannende und fordernde Beziehung, die man da eingeht und an der man ständig wächst.

Wie funktioniert das bei Ihnen. Demokratisch?
Ja, absolut. Was Entscheidungen und unsere musikalische Aussage betrifft sind wir vollkommen demokratisch und gleichberechtigt.

Kammermusik hat nicht unbedingt das breiteste Publikum. Aber oft spielen Sie in großen Sälen.  Wie kann man KAMMERmusik in einem Auditorium von 1500 Plätzen machen?
Nun, das würde ich unter zwei Gesichtspunkten betrachten: erstens ‘Publikum’ und zweitens ‘Akustik’. Oftmals genießt Kammermusik ein gewisses Nischen-Publikum, kaum jemand verläuft sich ‘zufällig’ in ein Streichquartett-Konzert. Im Vergleich zu einer Oper oder einem Symphonie-Konzert passiert beim Streichquartett ja sehr wenig an spektakulärer Show auf der Bühne – die Musik steht absolut im Vordergrund und das soll so sein; zieht somit aber vor allem Kenner und ausgesprochene Liebhaber der entsprechenden Literatur an. Das finden wir immer sehr schön, wenn der Funke auf begeisterte Streichquartett-Fans überspringt. Die intime Atmosphäre zahlreicher KAMMERmusik-Säle kommt dem zugute – man ist sich automatisch näher.
Aber natürlich gibt es Kammermusik längst auch in großen Sälen. Dort ist dann oft die Akustik der entscheidende Faktor, ob der Funke überspringen kann. Denn natürlich gibt es akustische und räumliche Grenzen, die man in einer solch kleinen Besetzung nicht oder nur mit großer Mühe überwinden kann. Im Grunde aber ist es möglich; schon Beethoven hat das Streichquartett aus der Kammer geholt und auf die große Bühne gebracht. Während Kammermusik im herkömmlichen Sinne oftmals gleichzeitig auch ‘Hintergrundmusik’ bedeutete, hat schon Beethoven mit seinen Rasumowsky-Quartetten den Rahmen einer Kammer gesprengt.

Ars Quartett
(c) Simona Bednarek

Wenn Sie sich die gegenwärtige Musikszene ansehen: Was gefällt Ihnen, was würden Sie gerne ändern?
Mir gefällt, dass wir einen Beruf ausüben können, den wir lieben. Kein Kind fängt an etwas lernen zu wollen mit dem Ziel, Geld damit zu verdienen. Wir konnten eine Leidenschaft zum Beruf machen und das ist ein Privileg. Dass das überhaupt möglich ist, ist nicht selbstverständlich und doch so wichtig. Was schade ist und was ich wünsche zu ändern ist, dass klassische Musik nicht mehr so zur Allgemeinbildung und zum Alltagsleben gehört wie es früher der Fall war. Kaum eine Familie hat noch Einspielungen Klassischer Musik zuhause, kaum ein Kind geht in den Chor, viele wissen nicht einmal, was eine Geige ist oder wer Beethoven, Karajan oder Leonard Bernstein waren. Das finde ich erschreckend und alarmierend. Insbesondere die klassische Musik hat heute ein viel zu elitäres, unnahbares und oft verstaubtes Image. Und das liegt nicht zuletzt am immer kommerzieller werdenden Musik-Markt selbst, bei dem Musik als exklusive Ware gehandelt wird, worunter nur wenige profitieren…
Kinder und Jugendliche brauchen uneingeschränkten Zugang zu Klassischer Musik und das müsste im Interesse der Eltern, der Lehrer und der Politik stehen. Musik verbindet und gerade das gemeinsame Musizieren ist unheimlich wertvoll für ein soziales Miteinander.
Wir versuchen unseren Teil immer wieder mit Kinderkonzerten, mit Projekten in Schulen oder durch kleine Meisterkurse mit Jugendlichen beizutragen. Aber das ist bei weitem nicht genug. Die Wichtigkeit von klassischer, empfundener Musik wird allgemein unterschätzt und viel zu wenig gepflegt.

Das beliebteste Requiem des 19. Jahrhunderts stammt nicht von Verdi, sondern von seinem Zeitgenossen Teodulo Mabellini. Die Uraufführung von Mabellinis 'Grande Messa di Requiem' am 15. Mai 1851 in Florenz war der wichtigste Erfolg des toskanischen Komponisten. Sein Meisterwerk war Vorbild und Modell für alle nachfolgenden Totenmessen im 19. und frühen 20. Jahrhundert – einschließlich Verdis 'Messa da Requiem' von 1874. Der Musikwissenschaftler Guido Johannes Joerg hat eine musikkritische Ausgabe der Partitur betreut und liefert in folgendem Beitrag die nötigen Informationen dazu, die die Pizzicato-Leser damit aus erster Hand erhalten.

Teodulo Mabellini

Dass sich die Entstehung von Giuseppe Verdis ‘Messa da Requiem’ einer Totenmesse verdankt, die als Gemeinschaftsarbeit von dreizehn italienischen Komponisten entstanden war, dürfte allgemein bekannt sein. Seit in den 1970er Jahren die lange verloren geglaubten Autographe wieder aufgefunden und 1980 jene ‘Messa per Rossini’ zur Uraufführung gebracht werden konnte, ist auch deren Musik wieder auf Schallplatte und vor allem in kirchenmusikalischen Konzerten präsent. Read More →

Energisch bat Erich Polz in der Weinstube um das Abdrehen der Hintergrundmusik – vergeblich. Wer sich beruflich mit Musik beschäftigt, kann nicht gut mit Zwangsbeschallung leben. Das Hirn analysiert beständig weiter, auch wenn am Ende eines langen Proben- oder Aufnahmetages der Job erledigt ist. Die schönsten Orte zum kreativen Auftanken sind für den 1985 geborenen, aktuell mit seiner jungen Familie in der Nähe von Wien lebenden Dirigenten ruhige Orte, zum Beispiel in den Bergen. Im letzten Herbst hat Polz mit der Nordwestdeutschen Philharmonie eine ambitionierte Shostakovich-CD für das Label Ars Produktion eingespielt, die bei Pizzicato mit einem Supersonic ausgezeichnet wurde. Der großen, tiefgründigen, ja 'politischen' Neunten Symphonie steht das elegante, spielfreudige Zweite Klavierkonzert gegenüber. Das Programm beginnt mit der 'Festlichen Ouvertüre' op. 96. Solche programmatischen Gegensätze bringen die Ambivalenz im Wesen des großen russischen Komponisten auf den Punkt, wie Erich Polz im angeregten Gespräch mit Stefan Pieper ausführt.

Erich Polz

Welche Eindrücke haben Sie von der Nordwestdeutschen Philharmonie nach diesen drei Aufnahmetagen?Ich habe eine unfassbare Präzision bis zur letzten Minute erlebt. Was bei den Bläsern passiert, ist fantastisch. Es gibt ganz tolle Leute auf den Solopositionen. Die Streicher sind aber nicht schlechter. Sie sind ein kompakter Klangkörper. Ich spüre hier eine ungeheure Motivation, alles zu geben. Read More →

At the International Tchaikovsky Competition 2015, Russian pianist Dmitry Masleev took First Prize and then started a tremendous career. Pizzicato recently praised his art when he played at the Lucerne festival. Remy Franck made the following interview with the now 30-year-old Siberian pianist.

Dmitry Masleev

You won major competitions. What are your memories from them?
I always try to focus on the advantages, to hold on to the positive aspects of any experience. Of course any competition is a huge stress. But when I think back to my competition ‘career’, I realise how useful it was for me to have to learn a large body of repertoire and to bring it to the stage under the most stressful circumstances. Also, participating in a competition meant traveling to a new place, so I always returned with a wealth of new impressions. Read More →

Internationally-recognised composer and conductor Konstantia Gourzi has composed a set work for the ARD Competition 2018, Evening at the Window, after Marc Chagall’s picture of the same name. It will be premiered tomorrow at Munich's Prinzregententheater, when six contestants will play it. Until then, the content of the piece will remain a closely-guarded secret, but in this interview Konstantia Gourzi reveals a few details to Tabea Eppelein.

Konstantia Gourzi
(c) Giorgios Mavropoulos

The set work for the ARD competition is for solo viola – but not exclusively. Some special bells are used in the first movement. How exactly do they sound, and what is the challenge for the perfomer?
The bells are tied to the player’s foot, and they have to play them at the same time as the music, without any stamping noises on the floor. Playing another instrument as well as the main one is not only a musical act for me. It is also a challenge, because you have to coordinate your physical balance as well as the spiritual balance of different sounds. Read More →

35 years ago, one of today's foremost chamber ensembles, the Shanghai Quartet*, was formed at the Shanghai Conservatory. Since that year they have played around 3000 concerts and recorded 35 albums. Remy Franck met First violinist and founding member Weigang Li in his native Shanghai.

Weigang Li

As many Chinese and, more generally, Asian violinists, you studied in the United States….
Yes, but I made the major part of my studies in China, if you don’t consider the fact that studying does never stop. I was born into a family of well-known musicians in Shanghai. Both of my parents were professional violinists and my maternal grand-father was also a violinist. He was born in 1908 and was one of the earliest professional classical violinists in China. Read More →

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