Ludwig van Beethoven: Klaviersonaten Vol. 3: Nr. 8 c-Moll op. 13 (Pathétique) + Nr. 9 in E-Dur, Op. 14/1 + Nr. 10 in G-Dur, Op. 14/2 + Nr. 11 in B-Dur op. 22; Boris Giltburg, Klavier; 1 CD Naxos 9.70309; Aufnahme 01/2020, Veröffentlichung 09/2020 (75'40) - Rezension von Remy Franck
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Was heißt ‘Pathétique’? Oft wird es von Pianisten mit ‘majestätisch’ und ‘kraftdonnernd’ übersetzt. Es gibt andere Deutungen. Plausibel scheint mir, was Boris Giltburg in Beethovens Achter Sonate macht. Sein erster Satz ist teils reflektiv, teils aufgewühlt, aber diese Beethoven-Musik klingt auch manchmal sehr verletzt. Entsprechend ist auch der zweite Satz alles andere als sorgenfreies Singen. Read More →

Attraktives französisches Lieder-Programm
Sabine Devieilhe und Alexandre Tharaud haben eine weitere CD herausgebracht, auf der sie ein hinreißendes Programm ‘Chanson d’Amour’ mit Liedern von Fauré, Debussy, Ravel und Poulenc aufführen. Es sind Liebeslieder, Volkslieder, Lieder, die Krieg und Tod behandeln und eine entsprechende gestalterische Vielfalt von den Interpreten verlangen, denen es meisterhaft gelingt, mit Farben und anderen Nuancen die richtigen Stimmungen zu treffen. Obwohl man immer wieder verleitet wird, Tharauds phantasievollem Klavierspiel besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken, kommt man nicht umhin die wunderbare Gestaltungskunst von Sabine Devieilhe zu bewundern. (Erato 0190295224271) – ♪♪♪♪♪

Bei Hope zuhause
Der Violinist Daniel Hope hat eine CD unter dem Titel Hope@Home herausgebracht, die das musikalische Resultat seiner privaten Konzertreihe während des Corona-Lockdowns ist. Gemeinsam mit dem Komponisten Christoph Israel und seinen Kollegen Max Raabe, Till Brönner, Joy Denalane, Matthias Goerne und Jacques Ammon kam ein Programm mit kleinen Bearbeitungen heraus, Musik von Kosma, Louigy, Schubert, Weill, Rota, Satie, Ward, Mancini, Fauré u.a., Kunstlieder, Schlager, Tänze und vieles mehr, ein buntes Programm also, insgesamt etwas sentimental und pathetisch. (Deutsche Grammophon 4839482) – ♪♪♪

Ja zu Andriessen, nein zu Berlioz
Wäre da nicht Henrik Andriessens schöner Liederzyklus Miroir de peine, der von Christianne Stotijn gefühlvoll und eloquent gestaltet wird, man könnte die CD von Fuga Libera vergessen, auf der die Philharmonie Zuitdnederland neben Andriessens Werk auch die Symphonie Fantastique von Hector Berlioz spielt, oder, richtiger gesagt, misshandelt. Dmitri Liss ist der Dirigent, der das völlig überforderte Orchester mit unsicherer Hand leitet. (Fuga Libera FUG764) – ♪♪

Nordische Klaviersonaten
Der italienische Pianist Fabiano Casanova hat nordische Klaviersonaten eingespielt, jene von Edward Grieg, von Jean Sibelius sowie die Vierte von Wilhelm Stenhammar. Es sind feinfühlige, künstlerisch solide, spieltechnisch aber etwas nachlässig artikulierte, wenig transparente Interpretationen auf einem etwas hell und metallisch klingenden Klavier. Wer darübner hinweghören kann, wird in Casanovas leidenschaftlichem und engagiertem Spiel ein gut zusammengestelltes Programm genießen. (Da Vinci ClassicsC00297) – ♪♪♪♪♪

20 CDs mit Bach-Bearbeitungen
‘Bachs Transciptions’ nennt sich eine Box mit 20 CDs von Brilliant Classics. Darunter befinden sich die Goldberg-Variationen in gleich zwei Bearbeitungen für Streichtrio (Sitkovetsky) und Blockflötenquintett (Ayerza) sowie eigene Bearbeitungen von Bach. Der niederländische Cembalist Gustav Leonhardt arrangierte für das Cembalo verschiedene Hauptwerke von Bach – fünf aus Solo-Violinwerken, drei aus Solo-Cello-Suiten und zwei Sätze aus einer Partita für Solo-Flöte bzw. einer Suite für Solo-Laute. Ferruccio Busoni schuf eine Reihe meisterhafter und einfühlsamer Klavierbearbeitungen von Bachs Werken. Es gibt ferner Bearbeitungen von Eugen d’Albert, Leopold Stokowski, Transkriptionen für Gitarre oder Saxophon usw. Eine Fülle von Musik also, in meist sehr guten Interpretationen. (Brilliant Classics 95943) – ♪♪♪♪

Ein Recital von Wendy Watermnan
Die 1945 geborene englische Pianistin Wendy Waterman spielt bei Prospero Werke von Domenico Scarlatti, Wolfgang Amadeus Mozart (Fantasie KV 397), Frédéric Chopin (Mazurken, Walzer), Johannes Brahms (Intermezzi) und Franz Schubert. Die Interpretationen sind allesamt höchst persönlich, im Sinne von Pathos bedeutungs- und kraftvoll. Das mag so manche der Kompositionen in einem neuen Licht präsentieren, aber das Ganze ist für meinen Geschmack doch gewöhnungsbefürftig. Als Bonus-CD gibt es den Live-Mitschnitt von Wendy Watermans Debüt 1955 in London mit dem National Youth Orchestra of Great Britain unter der Leitung von Malcolm Sargent. (Prospero 0005) – ♪♪♪

Mozart, detailreich, aber bieder
Francesco Piemontesi und das Scottish Chamber Orchestra unter der Leitung von Andrew Manze setzen ihre Mozart-Reihe (Rezension der ersten CD) mit den Konzerten KV 459 und  KV 595 (Nr. 19 & 27) fort. Es sind fein austarierte Interpretationen, detail- und nuancenreich, aber letztlich vor allem in den langsamen Sätzen doch zu bieder und nicht genügend inspiriert. (Linn CKD 622) – ♪♪♪

 

A Journey For Two; Arthur Honegger: Sonatina für Violine und Cello, Zoltan Kodaly: Duo für Cello & Violine op. 7, Nikos Skalkottas: Duo für Violine & Cello, Iannis Xenakis: Dhipli Zyia; Jonian Ilias Kadesha, Violine, Vashti Hunter, Cello; 1 CD CAvi 8553017; Aufnahme 2019, Veröffentlichung 21/08/2020 (66'24) – Rezension von Uwe Krusch

Vier spannende Werke für ein Duo aus Violine und Cello, bei denen volksmusikalische Einflüsse eine Rolle spielen, haben die beiden jungen Künstler Jonian Ilias Kadesha und Vashti Hunter zusammengefügt. Über ihren gemeinsamen Lehrer Hatto Beyerle, den Bratscher des Alban Berg Quartetts, kamen die beiden Interpreten zusammen, weil dieser eine gleichgerichtete musikalische Ausrichtung vermutete, die sich dann auch im gemeinsamen Agieren bestätigte und bisher zehn Jahre gehalten hat. Read More →

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 5; Francois-Joseph Gossec: Symphonie à 17 parties; Les Siècles, Francois-Xavier Roth; 1 CD Harmonia Mundi HMM 9024232019; Aufnahmen 2017/2020, Veröffentlichung 18/09/2020 (UK, F), 01/10/2020 (D) 54'39) - Rezension von Remy Franck

Als wolle er jede Schicksalsrhetorik vermeiden, dringt François-Xavier Roth in schneller Eile in die Fünfte Symphonie ein und dirigierte den ganzen ersten Satz flüssig und drängend. Für den zweiten Satz nimmt er sich mehr Zeit, pflegt die Kontraste zwischen dunklem Akzentuieren und agiler Beweglichkeit. Bedeutungsvoll und kräftig konturiert, mit auffallend virtuosen tiefen Streichern erklingt der dritte Satz, während das Finale recht konventionell daherkommt, sieht man einmal von den Qualitäten des auf historischem Instrumentarium saftig spielenden Orchesters ab. Read More →

Magic Mozart - Arien & Szenen aus Die Zauberflöte, Le Nozze di Figaro, Don Giovanni, Die Entführung aus dem Serail + Adagio aus Galimathias musicum KV 32 + Pantomimen Nr. 4 & 6 aus Pantalon et Colombine KV 446 + Konzertarie KV 418 Vorrei spiegeravi, oh Dio + Katzenduett Nun liebes Weibchen aus Der Stein der Weisen KV 625 + Cospetton, cospettonaccio aus La Finta semplice KV 51 + Diggi Daggi aus Bastien und Bastienne KV 50 + Soave sia il vento aus Cosi fan tutte KV 588; Sandrine Piau, Jodie Devos, Lea Desandre, Loïc Félix, Florian Sempey, Stanislas De Barbeyrac, Insula Orchestra, Laurence Equilbey; 1 CD Erato 0190295261979; Aufnahmen 01/2020, Veröffentlichung 18/09/2020 (71'17) - Rezension von Remy Franck

Das erste, was das Ohr auf dieser CD irritiert, ist das schlampig artikulierte Spiel des Insula Orchesters, vor allem der unausgeglichenen und farblosen Geigen. Das wird im Übrigen im Laufe des Programms nicht besser, und die Aufnahme der Ouvertüre zu Le Nozze di Figaro ist in ihrer auftrumpfenden und die Texturen verdickenden Art alles andere als angenehm zu hören. Read More →

Karol Rathaus: Klaviersonaten Nr. 1 op. 2 & Nr. 3 op. 20; Dmitri Shostakovich: Klaviersonaten Nr. 1 op. 12 & Nr. 2 op. 61; Vladimir Stoupel, Klavier; 2 CDs Cavi 8553481; Aufnahmen 2013/2014, Veröffentlichung 18/09/2020 (104'10) - Rezension von Remy Franck

Karol Rathaus wurde am 16. September 1895 in polnischen Tarnopol geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Er starb am 21. November 1954 in New York. Studiert hatte er bei Franz Schreker in Berlin und bekleidete dort in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts die Position eines Lehrers für Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik. Erste Werke folgten, mit denen er für Furore sorgte und große Erfolge feierte. Read More →

Franz Liszt: Ungarische Rhapsodien Nr. 1-15; Martin Ivanov, Klavier; 2 CDs Gramola 99222; Aufnahme 10/2019, Veröffentlichung 18/09/2020 (114'01) - Rezension von Remy Franck

Der 1990 in Bulgarien geborene Pianist Martin Ivanov bringt bei Gramola ein weiteres Album heraus, diesmal mit den ersten 15 von Franz Liszts 19 Ungarischen Rhapsodien. Read More →

Olivier Messiaen: Turangalîla-Symphonie; Tamara Stefanovich, Klavier, Thomas Bloch, Ondes Martenot, Nationaltheater-Orchester Mannheim, Alexander Soddy; 1 CD Oehms Classics OC 472; Liveaufnahme 11/2019, Veröffentlichung  18/09/2020 (78'25) - Rezension von Remy Franck

Wer sich vom mystischen und sensuellen Messiaen zu sehr gegängelt fühlt, wird seine Freude an dieser Interpretation aus Mannheim haben. Der Brite Alexander Soddy setzt ganz auf effektvolles Musizieren und vermeidet das Sensuelle und Hintergründige dieser Musik, die freilich wesentliche Komponenten der Komposition sind. Den schlanken, transparenten und raffinierten Klang der Chung-Aufnahme etwa erreicht das Mannheimer Orchester mit seinem prallen Spiel nicht. Dafür musiziert es zupackender, frischer und unbeschwerter. Read More →

Giovanni Battista Bononcini: Polifemo; Roberta Invernizzi, Joao Fernandes, Bruno de Sa, Helena Rasker, Liliya Gaysina, Roberta Mameli, Maria Ladurner, Ensemble 1700, Dorothee Oberlinger; 2 CDs Deutsche Harmonia Mundi 19439743802; Liveaufnahme 06/2019, Veröffentlichung 09/2020 (95'06) - Rezension von Norbert Tischer & Guy Engels

(Norbert Tischer) – Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger hatte anlässlich ihres Debüts als Intendantin der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci im Juni 2019 Giovanni Battista Bononcinis Oper Polifemo aufs Programm gesetzt und auch dirigiert. Das vorliegende Set von Deutsche Harmonia Mundi ist ein Live-Mitschnitt aus dem Orangerieschloss in Potsdam. Read More →

Synergia: Lieder und Tänze der antiken Tradition Zyperns; Katerina Papadopoulou, Eda Karaytug, Gesang, Michalis Kouloumis, Violine, Yurdal Tokcan, Oud, Vangelis Karipis, Perkussion, Dimitris Psonis, Santur, Saz, Laute, Leitung; 1 CD AliaVox Diversa AV9938; Aufnahme 02/2019, Veröffentlichung 21/08/2020 (65'00) – Rezension von Uwe Krusch

Für das von Jordi Savall initiierte Label Alia Vox Diversa und auf seine Anregung hin haben Dimitris Psonis und seine Musiker, langjährige Begleiter von Savall, diese Sammlung traditioneller Lieder und Instrumentalstücke, vorwiegend zyprischer Herkunft oder mit der Insel verbunden, eingespielt. Diese Musik ist einerseits durch mündliche Überlieferung gekennzeichnet und andererseits durch mehrere kulturelle Einflüsse. Read More →

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