Johannes Brahms: Sämtliche Orgelwerke; Andreas Ettinger; 1 CD Tyxart TXA 16084; Aufnahme 08/2017, Veröffentlichung 04/2020 (78'26) - Rezension von Guy Engels

« Er ist ein armer verrückter Mensch, den die Pfaffen von St. Florian auf dem Gewissen haben“, hat Johannes Brahms einmal über Anton Bruckner gesagt. Nicht viel schmeichelhafter, wenn auch etwas diplomatischer, hat sich Anton Bruckner seinerseits über seinen Wiener Zeitgenossen und Antipoden geäußert. Read More →

Igor Stravinsky: Music for Violin and Piano; Suite italienne + Divertimento Le Baiser de la Fée + Duo concertant + L'Oiseau de Feu (Ausz.) + Danse Russe (Pétrouchka); Bruno Monteiro, Violine, Joao Paulo Santos, Klavier; 1 CD Etcetera KTC1682; Aufnahme 11/2019, Veröffentlichung 06/2020 (75') - Rezension von Remy Franck

Der portugiesische Geiger Bruno Monteiro und der Pianist Joao Paulo Santos wenden sich einem wenig gespielten Repertoire zu, der Kammermusik von Igor Stravinsky. Und doch sind wir in diesem Programm auch der Ballettmusik des Komponisten sehr nahe. Read More →

Clementi auf Clementi-Fortepiano
Der britische Pianist Nicholas Rimmer hat für Naxos ein Programm mit Werken von Muzio Clementi auf einem Original-Fortepiano aus dem Atelier des Komponisten  aufgenommen. Das Album enthält die Variationen The Black Joke, die Sonate op. 25/6 sowie die Musical Characteristics, eine halbstündige Kollektion von Präludien und Kadenzen. Rimmers Interpretationen sind virtuos und rhythmisch feingliedrig. Das gut restaurierte Instrument erlaubt es ihm auch, mit dynamischen Nuancen und Farbwertunterschieden das Spiel zu bereichern. (Naxos 8.573957) – ♪♪♪♪

Klaviermusik aus Japan, von 1650 bis heute
Die japanische Pianistin Masako Ohta spielt Musik von japanischen Komponisten von 1650 bis heute, wobei die zeitgenössischen Namen die bekanntesten sein dürften, Toshio Hosokawa, Toru Takemitsu und Fumio Yusada. Das wirklich Erstaunliche an dem mehr als einstündigen Programm ist, dass sich der Hörer zwar über dreieinhalb Jahrhunderte hinweg bewegt, aber das eigentlich nicht merkt, weil die Musik von Kengyo Yatsuhashi, der von 1614 bis 1685 (dem Geburtsjahr von Bach) lebte oder jene von Kengyo Yoshizawa (1800-1872) so modern klingt wie die der Komponisten unserer Zeit. (Winter & Winter 910 264-2) – ♪♪♪♪♪

Neu entdeckte Messe von Nicholas Ludford
Das französische Ensemble La Quintina hat für Paraty eine Messe für die Könige von England aufgenommen, und zwar die Missa Sabato von Nicholas Ludford (1490-1557), Teil eines Zyklus von sieben Messen an die Jungfrau Maria, die Ludford Heinrich VIII. und Katharina von Aragon widmete. La Quintina bringt die blumige und gleichzeitig auch intime Polyphonie dieser neu entdeckten, äußerst reizvollen und schönen Musik liebevoll zur Geltung. Neben dem homogenen und fein abgerundet klingenden Gesang ist der aparte Klang des von Christophe Deslignes gespielten Organetto, einer von einem Handblasebalg mit Luft versorgten tragbaren Orgel, ein weiteres positives Charakteristikum der CD. (Paraty 220191) – ♪♪♪♪

Spannendes Klavierprogramm
Werke von Johann Sebastian Bach, Oliver Knussen, William Byrd, John Tavener, John Adams, Orlando Gibbons, Markus Horn und Xiaoyong Chen stellt die deutsche Pianistin Alexandra Sostmann in einem kontrastreichen Programm gegenüber. Das ist eine spannende Programmkombination, weil sie vielfältige Beziehungen zwischen Renaissance, Barock und heutiger Musik erkennen lässt. Wie schon in ihrer CD mit Bach und zeitgenössischer Musik überzeugt die Pianistin mit einem einfühlsamen Spiel, dessen glockigen Klang die Mikrophone von Tyxart einmal mehr wunderbar eingefangen haben. (Tyxart TXA20145) – ♪♪♪♪♪

Australische Gitarrenquartette
Naxos präsentiert die aparte CD ‘Bluetongue – Australian Guitar Quartets’ mit Six Fish von Nigel Westlake (geb. 1958), dem Gitarrenquartett Nr. 8 (Five Tails in Cold Blood) von Richard Charlton (geb. 1955), mehreren kurzen Stücken von Phillip Houghton (geb. 1954), sowie Bleached Memories von Elena Kats-Chernin (geb. 1957). Gespielt wird die Musik vom 1987 gegründeten Quartett Guitar Trek, das dieses sehr facettenreiche, farbige und rhythmisch abwechslungsreiche Programm meisterhaft interpretiert. Für Freunde von Gitarrenmusik ist diese CD eine eindeutige Empfehlung (Naxos 8.579060) – ♪♪♪♪♪

Langweilige Kinderalben
Nicht jeder hat eine Muse, nicht jeder braucht eine und manche haben nur eine Pampelmuse. Der Satz kam mir in den Sinn, als ich die CD Sweet Dreams hörte, mit Khachaturians Kinderalbum, Prokofievs Musik für Kinder op. 65 und Tchaikovskys Kinderalbum op. 39, gespielt von der französisch-armenischen Pianistin Varduhi Yeritsyan. Sicher, nicht jeder muss das Tchaikovsky-Album so genial interpretieren wie Mikhail Pletnev, aber ein bisschen Gestaltungsphantasie darf der Hörer vom Interpreten verlangen. Nichts davon gibt es hier, nichts! (Paraty 249336) – ♪

Cimarosa-Ouvertüren in Ersteinspielung
Für die siebte Folge der Ouvertüren von Domenico Cimarosa steht wieder Michael Halasz an der Spitze des Tschechischen Kammerphilharmonie Pardubice. Ihm gelingen inspirierte und federnd musizierte Aufnahmen von insgesamt 10 Ouvertüren. Das Orchester klingt ausgewogen, wenn auch nach hinten hin etwas dumpf (nicht so schlimm wie in der Folge 6 unter Gallois). Beachtlich ist wiederum die Zahl der Weltersteinspielungen. Diesmal sind es von den 10 Stücken ganze neun, die erstmalig aufgenommen wurden. (Naxos 8.574103) – ♪♪♪♪

Peteris Vasks: Distant Light + Summer Dances + Piano Quartet; Vadim Gluzman, Violine, Finnish Radio Symphony Orchestra, Hannu Lintu; 1 SACD BIS-2352; Aufnahmen 07/2017, 04 & 10/2018, Veröffentlichung 05/2020 (84’36) Rezension von Alain Steffen

Man muss die spirituelle Musik von Peteris Vasks mögen, um dieses 84 Minuten dauernde Programm wirklich genießen zu können. Vor allem aber sollte man Zeit und Ruhe mitbringen, um sich in Vaks’ wunderbar eigentümliche Musikwelt entführen zu lassen. Read More →

Nordic Connections; Gösta Nystroem: Violakonzert Hommage à la France; Ludvig Norman: Sonate für Viola & Klavier op. 32; Edvard Grieg: Sonate für Viola & Klavier op. 45; Göran Fröst, Viola, Oskar Ekberg, Klavier, Swedish Chamber Orchestra, Clemens Schuldt; 1 CD Daphne 1065; Aufnahmen 2019, Veröffentlichung 06/2020 (76'30) - Rezension von Remy Franck

Der Bratscher Göran Fröst spielt zunächst das Violakonzert Hommage à la France von Gösta Nystroem (1890-1966), das mit einem sehr alerten, eleganten Satz beginnt, worauf ein wunderschönes, melancholisches und dennoch sehr farbiges Lento-Molto tranquillo folgt. Der letzte Satz des neoklassischen Konzerts ist ein quirliges Scherzo. Read More →

John Barbirolli - The Complete Warner Recordings; Repertoire am Ende dieses Beitrags; Fritz Kreisler, Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin, Mischa Elman, Wilhelm Backhaus, Gregor Piatigorsky, Jacqueline du Pré, Artur Rubinstein, Alfred Cortot, Edwin Fischer, Artur Schnabel, Daniel Barenboim, Janet Baker, Montserrat Caballé, Victoria de los Angeles, Gwyneth Jones, Renata Scotto, Carlo Bergonzi, Jon Vickers, Ruggiero Raimondi, Hallé Orchestra, Berliner Philharmoniker, London Symphony Orchestra, London Philharmonic, BBC Symphony, Philharmonia Orchestra, New Philharmonia, Orchestre de Paris, Wiener Philharmoniker…; 109 CDs Warner Classics 0190295386085; Aufnahmen 1928-1970, Veröffentlichung 19/06/2020 - Rezension von Remy Franck

Vor 50 Jahren, am 29. Juli 1970, starb der britische Dirigent John Barbirolli. Aus diesem Anlass bringt Warner seine kompletten Aufnahmen heraus. Es ist eine beeindruckende Box mit 109 CDs und etlichen Aufnahmen, die man getrost als legendär bezeichnen kann. Read More →

Alfred Schnittke: Anniversary Edition; Dedication to Igor Stravinsky, Sergei Prokofiev & Dmitri Shostakovich + Sonata No. 2 (Quasi una Sonata) für Violine & Klavier + Klavierquintett, Op. 108 + Konzert für Klavier und Streicher (1979) + Concerto Grosso No. 4 (Symphonie Nr. 5) + Violinkonzert Nr. 4; Alexander Bakhchiev, Viktoria Postnikova, Gennady Rozhdestvensky, Klavier, Vladimir Skanavi, Liana Isakadze, Eliso Virsaladze, Gidon Kremer, Violine, Vladimir Krainev, Klavier, Gennady Rozhdestvensky, Dmitri Kitajenko; 2 CDs Melodiya MELCD1002630; Aufnahmen 1977-1990, Veröffentlichung 05/2020 (144') - Rezension von Remy Franck

Etwas verspätet ehrt Melodiya Alfred Schnittke (1934-1998) zu seinem 85. Geburtstag. Die Ehrung eines der bedeutendsten Komponisten des XX. Jahrhunderts ist dennoch zu begrüßen, obwohl er sehr gut im Schallplattenkatalog vertreten ist. Immerhin aber handelt es sich hier um Aufnahmen, die bislang nicht auf CD verfügbar waren. Read More →

Stages of Life; Ole Bull:  Largo posato e Rondo capriccioso + Norges Fjelde + Fantasy on Lilly Dale + Vilspel + Lio + Siste romanse; Annar Follesø, Violine, Wolfgang Plagge, Klavier, Norwegian Radio Orchestra, Eun Sun Kim; 1 CD & 1 Blu-ray 2L, 159-SABD; Aufnahme 06/2018, Veröffentlichung 19/06/2020 (57'26) - Rezension von Guy Engels

Man könnte annehmen, dass von einem derart wichtigen Musiker und Komponisten wie Ole Bull – immerhin war er der erste norwegische Nationalkomponist – sämtliches Notenmaterial bekannt und veröffentlicht ist. Wolfgang Plagge belehrt uns eines Besseren. Er ist ein intimer Bull-Kenner und hat Manuskripte entdeckt, die nicht vollständig waren und eine Reihe von Kompositionen, die auf dieser Produktion zu hören sind, selbst vervollständigt. Read More →

The Happiest Years; Eduard Erdmann: Sonate für Violine solo, op. 12, Artur Schnabel: Sonate für Violine solo; Judith Ingolfsson, Violine; 1 CD Genuin GEN20711; Aufnahme 2019, Veröffentlichung 06/2020 (65'05) – Rezension von Uwe Krusch

Artur Schnabel ist als Pianist eine außergewöhnliche Gestalt gewesen und bis heute bekannt. Sein weit weniger gehegtes kompositorisches Schaffen kann nun mit der Sonate für Violine solo erhört werden. Das in fünf ineinander übergehenden Sätzen komponierte Werk zeichnet sich, wie sein gesamtes Oeuvre, durch eine radikale Persönlichkeit aus. Keiner Richtung oder Schule verbunden, konnte Schnabel sich beim Komponieren frei entwickeln. Read More →

Serenata; Alessandro Longo: Serenata op. 51/6; Luigi Tedeschi: Suite op. 34 + Etude Impromptu op. 37 + Improvviso, op. 19 Presso il Mulino; Giovanni Caramiello: Rimembranza di Napoli op. 6 + Le serenate del Vesuvio: 6 melodie popolari, op. 12 No. 1; Virgilio Mortari: Studi Galanti (No. 1 Sarabanda) + Sonatine prodigio No. 3 Toccata; Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor, Ancor non giunse? …Regnava nel silenzio (1. Akt, 2. Szene) + Una furtiva lagrima aus L'Elisir d'amore; Caroline Léonardelli, Harfe: 1 CD CEN Classics CEN1022; Aufnahme, Veröffentlichung 05/2020 (59') - Rezension von Remy Franck

Harfe spielen beginnt und endet mit Atmen. An diesen Satz musste ich sofort denken, als ich das perfekt geatmete Spiel der französisch-kanadischen Harfenistin Caroline Léonardelli auf ihrer neuen CD Serenata hörte und mich davon bezaubern ließ. Diese Harfenistin transportiert die Gefühle des Atmens in die Musik und steuert damit Rubato und Dynamik, was ein wunderbar gefühlvolles Musizieren garantiert. Read More →

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