Warmer Flötenton
‘Inspired by Rita D’Arcangelo’ nennt sich eine neue CD der italienischen Flötistin Rita D’Arcangelo, auf der sie ausschließlich Erstaufnahmen von Solostücken spielt, die den Komponisten durch ihre Kunst inspiriert wurden. Das Programm beginnt mit Joseph Russos Romanze, gefolgt von Daniel Olguin Regueras Cinco Improvisaciones Sobre Buenos Aires, op. 6. L’Alouette ist eine Transkription des Klavierstücks von Balakirev von Michael Brailovsky. Tizzy op. 22 von Roberto Prandin und Cadenza von Javier Jacinto schicken  die Flöte taumelnd in stratosphärische Höhen, während Richard St. Clair mit Karmic Dancing ein teils lyrisches, teils virtuoses Werk von großer Schönheit und Einfallskraft komponiert hat. In allen Stücken imponiert die Solisten Rita D’Arcangelo auf hohem technischem Niveau mit einem runden, vollen und wunderbar warmen Flötenton. (Qbk  5901549204315) – ♪♪♪♪

BTHVN
Die Band Uwaga hat sich mit dem Folkwang Kammerorchester unter Johannes Klumpp zusammen getan, um im Vorfeld des Beethoven-Jahres eine Collage mit verfremdeten Tunes vom Jubilar zusammen zu stellen. Für die brillant gespielten Stücke stand wohl BTHVN Modell. (Ars Produktion 38266) – ♪♪♪

Enttäuschung mit Jacques Offenbach      
Eine Weltersteinspielung präsentiert Alpha mit Jacques Offenbachs 6 Fables de la Fontaine (orchestriert von Jean-Pierre Haeck). Daneben spielt das Orchestre de l’Opéra de Rouen Haute-Normandie unter Haeck auch noch einige nette Ouvertüren desselben Komponisten. Sie allein machen die CD attraktiv, doch die 6 Fables de la Fontaine enttäuschen, weil sich Offenbach darin nicht als wirklich inspirierter Komponist erweist, und die an sich schwachen Stücke verlieren zusätzlich an Wert, weil Karine Deshayes sie völlig textunverständlich singt. Gerade bei diesen Stücken aber wäre es wichtig, das gesungene Wort auch mitzubekommen. (Alpha 553) – ♪♪

Kraft ja, aber sonst…
Weil gute dramatische Tenöre selten sind, werden die gerade mal guten gerne hoch gelobt. Das gilt für den litauischen Tenor Kristian Benedikt, der weltweit einer der gefragtesten Interpreten des Otello ist. Diese Oper ist denn auch in seinem Recital Tenore di forza vertreten, das er mit dem Litauischen Nationalorchester aufgenommen hat. Auszüge u.a. aus Samson et Dalila, Andrea Chenier, Pagliacci und Le Cid sind zu hören, sowie Puccinis Nessun Dorma und Wagners Ein Schwert verhieß mir der Vater. Benedikts Nachteile sind eine schlechte Diktion im Italienischen, eine generell defizitäre Artikulierung, ein nicht besonders schönes Timbre. Vorteile sind die Kraft der Stimme, der Atem und die dramatische Gestaltungskraft, die allerdings auch, wie in der Arie ‘Rachel quand du Seigneur’ aus Halévys La Juive, zu Übertreibungen führen kann. Wer Carusos Interpretation im Ohr hat, wird sich hier schaudern. (Delos  DE 3571) – ♪♪♪

Das ist keine Serenade!
Dass Piotr Tchaikovskys Streicherserenade serenadenhaft gespielt werden sollte, haben Candida Thompson und ihre Amsterdam Sinfonietta nicht beachtet. Sie liefern davon eine schmalzig-sentimentale Fassung, die die Musik verfälscht. Besser, freier gelingt ihnen Arenskys Kammersymphonie op. 35 (ursprünglich das 2. Streichquartett, Tchaikovsky gewidmet). Hier wird differenzierender gespielt, flexibler, agiler und ohne zu viele Gefühlsschübe (Channel Classics CCS 37119) – ♪♪♪

Liszt-Lieder
Unter dem Titel ‘Liszt O lieb’ haben der Tenor Cyrille Dubois und der Pianist Tristan Raës eine CD mit Liedern von Liszt aufgenommen. Die Interpretationen überzeugen in erster Linie darstellerisch. Sowohl Dubois als auch Raës warten mit einem farben- und nuancenreichen Musizieren auf, wobei besonders das Spiel des Pianisten fasziniert. Neben dieser intensiven Gestaltung ist natürlich auch das rein Vokale zu bewerten. Wenn er piano singt, ist die Stimme von Dubois ganz bezaubernd. Was fehlt, ist Kraft im unteren Bereich und, bei mehr Volumen, Flexibilität in der Höhe: unter Druck wird der Gesang manchmal etwas starr und gradlinig. Insgesamt aber ist das ein attraktives Liszt-Lieder-Programm (Aparté AP200) – ♪♪♪

Terry Riley: Sun Rings, für Streichquartett, Chor und voraufgezeichnete Bänder; Kronos Quartet, Volti, Robert Geary; 1 CD Nonesuch 075597925669; Aufnahme 11/2017, Veröffentlichung 30/08/2019 (79'34) – Rezension von Uwe Krusch

Sozusagen schon ‘alte’ Musik haben sich das Kronos Quartet und der Chor Volti für ihre aktuelle Einspielung vorgenommen. Denn das Werk Sun Rings von Terry Riley stammt aus dem Jahr 2002 und wurde von der NASA zum 25. Geburtstag der Voyager I Mission in Auftrag gegeben. Read More →

Mer(s); Edward Elgar: Sea Pictures op. 37; Ernest Chausson: Poème de l'amour et de la mer op. 19; Victorin Joncières: La Mer; Marie-Nicole Lemieux, Alt; Chœur de l'Opéra National de Bordeaux, Orchestre National Bordeaux Aquitaine, Paul Daniel; 1 CD Erato 9029542433; Aufnahme 10/2018, Veröffentlichung 09/2019 (64') Rezension von Remy Franck

Dieses Programm imponiert zunächst einmal durch seine Kohärenz. Die Verbindung der Sea Pictures mit dem Poème de l’amour et de la mer und dem wenig bekannten La Mer von Joncières ist ungemein attraktiv. Die musikalische Realisierung der drei Stücke ist exemplarisch in der Balance zwischen Stimme und Orchester, in der Ausdruckskraft, die die Musik erreicht, in den Emotionen, die die Sängerin vermittelt und die auch vom Orchester kommen. Da gebührt den Musikern des Orchesters aus Bordeaux und vor allem dem inspirierten Dirigenten Paul Daniel großes Lob. Read More →

Silence; Philip Glass: Opening aus Glassworks; Isaac Albeniz: Asturias; Johann Sebastian Bach: Lautensuite BWV 996 + Largo aus Cembalokonzert f-Moll BWV 1056 für 2 Marimbas & Orchester;  Francisco Tarrega: Recuerdos de la Alhambra; Astor Piazzolla: Verano Porteno + Romantico; Arvo Pärt: Spiegel im Spiegel für Marimba, Percussion & Cello; Christoph Sietzen, Marimba & Schlagzeug, Bogdan Bacanu, Marimba, Clemens Hagen, Cello, Academy of Ancient Music; 1 CD Sony Classical 190759932520; Aufnahme 08/2019, Veröffentlichung 11/10/2019 (57'15) – Rezension von Remy Franck

Das Cover der CD ist eher prosaisch und steht in keiner Relation zu dem musikalischen Inhalt, denn Christoph Sietzen gelangt mit seiner dritten CD auf eine neue Hochebene seiner Kunst. Gleich in Philipp Glass’ Opening weiht er das Publikum in die Geheimnisse seines Spieles ein: Er huldigt der Stille und differenziert die Atmosphäre des Leisen mit einer schier unglaublichen Nuancierungskraft und einer ungemein subtilen Führung von Crescendi und Decrescendi, die beim Zuhörer Spannung und Konzentration erwecken. Read More →

Franz Schubert: Sonate D. 960 + Drei Klavierstücke D. 946 + Moments Musicaux D. 780; Dina Ugorskaja, Klavier; 2 CDs CAvi 8553107; Aufnahme 08/2018 & 01/2019, Veröffentlichung 11/10/2019 (110') - Rezension von Alain Steffen

Am 17. September 2019 ist die phänomenale Pianistin Dina Ugorskaja nach einer Krebserkrankung im Alter von 46 Jahren gestorben. Knapp einen Monat später veröffentlicht Ugorskajas Plattenfirma ihren Schwanengesang mit Werken von Franz Schubert. Read More →

The many faces of God; Anonymus: Qawwali Sufi Volkslied; Johann Sebastian Bach: Prelude zur Cello Suite Nr. 2; Ludwig van Beethoven: 3 Equalen für vier Posaunen; Max Bruch: Kol Nidrei; Arvo Pärt: Spiegel im Spiegel; Stjepan Sulek: Sonata Vox Gabrieli für Posaune und Klavier; Toru Takemitsu: Cantos II und Fantasme für Posaune und Orchester; Iannis Xenakis: Keren für solo Posaune; Michael Buchanan, Jamie Williams, André Melo, Jürgen Oswald, Posaune, Kasia Wieczorek, Klavier, Emily Hoile, Harfe, Delia Stevens, Darabuka, Eroica Berlin, Jakob Lehmann; 1 CD Es Dur ES 2077; Aufnahme 03+05/2019, Veröffentlichung 09/2019 (61'33) – Rezension von Uwe Krusch

Wie bereits vermeldet, hat Michael Buchanan jüngst nach dem Gewinn des ARD Wettbewerbs nun auch den Fanny Mendelssohn Preis erhalten. Damit wurde diese Debut-CD finanziert. Dieser junge Musiker zeichnet sich durch brillant-virtuose Technik wie auch musikalischen Intellekt aus, die Programme und Spiel prägen. Read More →

Between Heaven and Hell; Franz Liszt: Klaviersonate S.178 + Deux Légendes S.175 (St François d’Assise: La prédication aux oiseaux; St François de Paule marchant sur les flots 8.16 + Après une lecture du Dante. Fantasia quasi Sonata + Csardas Obstinée S.225/2; Joseph Moog, Klavier; 1 CD Onyx 4195; Aufnahme 08/2018, Veröffentlichung 11/10/2019 (63'44) – Rezension von Remy Franck

Joseph Moog kehrt zu Liszt zurück, der in seiner Diskographie damit den jetzt wichtigsten Platz einnimmt. Aufs Ganze gesehen kann man sagen, dass Moog mit größten Ansprüchen an dieses Liszt-Programm herangeht und nicht nur in jedem Stück das Ereignishafte garantiert, sondern die Musik auf ein Niveau hebt, das nicht nur spieltechnisch mit einer manchmal direkt stupenden Virtuosität beeindruckt, sondern auch interpretatorisch, d.h. in der gedanklichen Aufarbeitung. Read More →

Patrick Burgan: Sphères + Le Lac + Vagues; Orchestre National de France, Pascal Rophé, Valérie Condoluci, Sopran, Orchestre Colonne, Laurent Petitgirard, Orchestre des Lauréats du Conservatoire, Jean-Sébastien Béreau; 1 CD Klarthe K052; Aufnahmen 2003, 2015, 1990, Veröffentlichung 11/10/2019 (56'30) – Rezension von Remy Franck

Für jemanden, der mit Gérard Grisey, Franco Donatoni, Tristan Murail und Philippe Manoury studiert hat, schreibt der 1960 geborene französische Komponist Patrick Burgan eine sehr gemäßigt moderne Musik. Auf dieser CD sind drei attraktive Tondichtungen von ihm zu hören. Read More →

New Jewish Music, Vol. 2 (Azrieli Music Prizes); Kelly-Marie Murphy: En El Escuro Es Todo Uno; Anver Dorman: Violin Concerto No. 2 (Nigunim); Srul Irving Glick: Seven Tableaux From The Song Of Songs; Sharon Azrieli, Sopran, Lara St. John, Violine, Duo Couloir (Ariel Barnes, Cello, Heidi Krutzen, Harfe), Orchestre classique de Montréal, Boris Brott; 1 CD Analekta AN29262; Aufnahme 03/2019, Veröffentlichung 11/10/2019 (65') – Rezension von Remy Franck

Die in Montreal beheimatete Azrieli Foundation hat 2014 einen Musikpreis in ihr Programm aufgenommen, um hochwertige neue Jüdische Musik zu fördern. Sie vergibt jährlich zwei Preise, von denen die des Jahres 2018 auf dieser CD zu hören sind, neben einem weiteren Werk des kanadischen Komponisten Srul Irving Glick (1934-2002). Read More →

Johann Sebastian Bach: Kantaten: Der Friede sei mit dir + Ich habe genug + Ich will den Kreuzstab gerne ; Arien: Gott ist gerecht (O Ewigkeit, du Donnerwort); An irdische Schätze das Herze zu hängen (Ach wie flüchtig, ach wie nichtig); Warum willst du so zornig sein (Nimm von uns, Herr, du treuer Gott); Dominik Wörner, Bass, Zefiro, Alfredo Bernardini; 1 CD Arcana A 466; Aufnahme 01/2019, Veröffentlichung 09/2019 (62'17) – Rezension von Uwe Krusch

Auf ihrer Reise in die Welt von Johann Sebastian Bach haben sich Zefiro und Alfredo Bernardini zusammen mit Dominik Wörner der Bass-Arien des Komponisten angenommen. Dazu gehören drei vollständige Kantaten und drei einzelne Arien aus anderen Kantaten. Read More →

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