Variations amoureuses: Französische Liebeslieder aus dem 13. Jahrhundert von Moniot d' Arras, Philippe le Chancelier, Gautier de Coincy, Richart de Fournival, Adam de la Halle, Etienne de Meaux und Volkslieder; Alla Francesca, Brigitte Lesne; 1 CD Paraty 120190; Aufnahme 04/2019, Veröffentlichung 05/2020 (57'40) – Rezension von Uwe Krusch

Es gibt Einspielungen, die haben ein interessantes und lohnendes Sujet und sie werden von langjährig erfahrenen Spezialisten für diese Materie dargeboten. So sind alle Zutaten für ein Gelingen erfüllt. Und trotzdem will beim Rezensenten keine Freude aufkommen. So ein Fall liegt hier unter dem Laserstrahl. Read More →

Constantin Silvestri: Suiten Nr. 1 & 2 op. 3 Nr. 1 & 2 "Children Playing" + Suite Nr. 3 op. 6 Nr. 1 + Sonatine D-Dur op. 3 Nr. 3 + Dances populaires roumaines de Transylvanie op. 4 + Klaviersonate op. 19 Nr. 2 Quasi una fantasia + Sonata breve a due voci op. 13 Nr. 2 + Pièces de Concert op. 25 + Chants nostalgiques op. 27 + Sonate-Rhapsodie Nr. 4 op. 28 Nr. 1; György Kurtag: 2 Klavierstücke; George Enescu: Klavierkonzert d-moll (1. Satz / unvollendet); Luiza Borac, Klavier, National Radio Orchestra Bucharest, Rossen Gergov; 2 CDs Profil PH20028; Aufnahmen 2020, Veröffentlichung 19/06/2020 (159') - Rezension von Remy Franck

Der rumänische Dirigent und Komponist Constantin Silvestri (1913-1969) war nach allem, was man über ihn erfahren kann, einer der größten Dirigenten romantischer Musik des XX. Jahrhunderts, zugleich aber auch eine zwiespältige Persönlichkeit, oft exzentrisch in einem durch Krebs frühzeitig beendeten Leben, das Höhen wie Tiefen kannte. Hier beschäftigt er uns als Komponist. Und als solcher hat er auch in alle Richtungen experimentiert, mal romantisch, mal sehr modern, dann wieder impressionistisch und auch expressionistisch. Read More →

Joan Manen: Fünf Deutsche Lieder op. A-4 + Vier Deutsche Lieder op. A-10 + Liebesjubel + Flecha + Balada + 3 Lieder + Quatre Cançons Populars Catalanes + Amunt + Ufania + Esclat d'amor; Julia Farrés-LLongueras, Sopran, David Alegret, Tenor, Daniel Blanch, Klavier; 1 CD La Ma De Guido LMG 2164; Aufnahme 07/2019, Veröffentlichung 06/2020 (67'57) - Rezension von Remy Franck

Der Pianist Daniel Blanch hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk des katalanischen Geigers und Komponisten Joan Manen (1883-1971) bekannt zu machen. Diese CD ist ganz Manens Liedschaffen gewidmet. Die Interpretationen zeigen die ganze Schönheit der nuancenreich komponierten Lieder, und die vortragenden Künstler wissen mit klanglicher Raffiniertheit aufzuwarten, ohne  diesen Liedern die Natürlichkeit des Ausdrucks zu nehmen, die ihre Stärke ausmachen. Read More →

Franz Schubert: Streichtrio B-Dur D. 581 + Streichquintett D. 956; Aviv Quartet (Sergey Ostrovsky, Violine, Philppe Villafranca, Violine, Noémie Bialobroda, Viola, Daniel Mitnitsky, Cello), Amit Peled, Cello; 1 CD Naxos, 8.573891; Aufnahme 05/2018, Veröffentlichung 06/2020 (78'58) - Rezensionen von Remy Franck und Uwe Krusch

Franz Schuberts komponierte sein Streichtrio 1817, also im Alter von 20 Jahren. Es ist ein schönes, ganz besonders delikates und im Grunde klassizistisches Werk, mit gelegentlichen romantischen Verzierungen. Das russisch-französisch-israelische Aviv Quartet (ohne seinen zweiten Geiger Philippe Villafranca) muss dieses Trio sehr lieben, denn es behandelt es so zart, wie man nur jemand ‘streichelt’, den man sehr mag. Read More →

Bach Sons; Johann Christian Bach: Symphonie G-Dur op. 6 Nr. 6;  Johann Christoph Friedrich Bach: Symphonie d-Moll WFV I: 13; Wilhelm Friedemann Bach: Symphonie D-Dur Fk 64; Carl Philipp Emanuel Bach: Symphonien e-moll Wq. 177 & F-Dur Wq. 181; Controcorrente; 1 CD Passacaille 1074; Aufnahme 07/2019, Veröffentlichung 06/2020 (54'38) - Rezension von Remy Franck

Controcorrente ist ein 2019 gegründetes italienisches Kammerorchester auf historischen Instrumenten, ohne Dirigent: Gegen welchen Strom es schwimmen will, ist nicht unmittelbar klar, aber die CD-Debüt zeigt inspirierte und temperamentvolle Musiker mit Symphonien aus der frühen Entwicklungsphase der Gattung, alle komponiert ca. 1755 bis 1770 von den mit der Symphonie experimentierenden Bach-Söhnen. Read More →

Frédéric Chopin: Klaviersonate Nr. 3 h-Moll, op. 58 + Nocturne Nr. 17 & 18 op. 62/1&2; Franz Liszt: Unstern! - Sinistre, S. 208 + Klaviersonate h-Moll, S.178; Josep Colom, Klavier; 1 SACD Eudora Records 2002; Aufnahme 03/2018, Veröffentlichung 22/05/2020 (82'30) - Rezension von Remy Franck

Der 73-jährige spanische Pianist Josep Colom hat den Mikrophonen seine gereifte Sicht auf die beiden h-Moll-Sonaten von Chopin und Liszt anvertraut. Das Ergebnis ist erstaunlich und beachtenswert. Read More →

Franz Schubert: Symphonie Nr. 3 D. 200 + Symphonie Nr. 7 D. 729 (Fassung Brian Newbould); Münchner Symphoniker, Kevin John Edusei; 1 CD Solo Musica SM339; Aufnahme 06/2019, Veröffentlichung 03/07/2020 (UK, int.), 10/07/2020 (D) - (66'02) - Rezension von Remy Franck

Kevin John Edusei und die Münchner Symphoniker setzen ihren äußerst beachtenswerten Schubert-Zyklus mit den Symphonien Nr. 3 und 7 fort. Read More →

Klangfarben und Orchesterpedal
Innerhalb der Riege der modernen Komponisten gehört Morton Feldman mit einigen anderen US-amerikanischen Kollegen zu der Gruppe derjenigen, die ihren eigenen unabhängigen Weg gefunden haben. Mit Coptic Light wurde sein letztes vollendetes Werk für Orchester neben einem Auftragswerk aus Buffalo, ‘String Quartet and Orchestra’, eingespielt, die beide, vor allem Letzteres, große Besetzungen vorsehen, vor. Immerhin vom Umfang her mit je knapp 30 Minuten halten sie den üblichen Rahmen ein. Das Radio Symphonie Orchester des ORF aus Wien hat sich der Unterstützung von zwei Dirigenten, nämlich Michael Boder bei Coptic Light und Emilio Pomarico beim anderen Werk versichert. Die Soli hat das auf solche Musik fokussierte Arditti Quartet übernommen, das mit gewohnter Hingabe und technischer Brillanz die Interpretation steuert. Wenn auch die Musik in kleinsten Dosierungen mäandert und dabei einen eher flächigen Eindruck vermittelt, so hätte man sich eine mehr entwicklungsbetonte und musikalische Bögen betonende Interpretation gewünscht, die weniger wie Patchwork denn eher wie ein zusammenhängendes wallendes Gewebe klingt. (Capriccio C5378) – ♪♪♪♪

Die Noten sind Schwalben
Die viele Jahre als Solistin des Orchesters in Den Haag agierende Oboistin Pauline Ostenrijk, die im Studium auch das Klavierspielen pflegte, legt eine Sammlung ihrer Lieblingsstücke unter dem Titel The Notes are Swallows vor. Miniaturen oder besser kleine Charakterstücke der auch in Den Haag tätig gewesenen Komponisten Bernard van den Siegtenhorst Meyer und Alexander Voormolen werden alternierend vorgestellt. Diese atmosphärisch dichten, geradezu meditativen, fein komponierten Landschafts- und Stimmungsbeschreibungen mit Bildern aus den Niederlanden werden begleitet von 13 im Beiheft abgedruckten Gedichten von Johan Andreas dèr Moew, die neben ihrer Urfassung in Niederländisch auch in der dichten Übersetzung von Jon Irons ins Englische nachvollzogen werden können und inhaltlich die Sujets der Kompositionen aufgreifen und um ihre Sicht erweitern. Der Solisten Pauline Osterijk merkt man sozusagen bei jedem Ton ihre große Verbundenheit mit diesen Stücken an. Und dank der Beherrschung ihres Instruments, der Oboe, aber auch des Klaviers, entsteht so eine narrative Stunde Musik, mit der man wirklich träumen und in den angedeuteten Bildern schwelgen kann. Das gipfelt in der Sonate für Oboe und Klavier, deren Stimmen sie nacheinander eingespielt hat. (Cobra 0072) -♪♪♪♪

Der vermischte Geschmack in französischer Machart
Obwohl das Ensemble Diderot um Johannes Pramsohler schon seit seiner Gründung mit diesen Triosonaten op. 4 von Leclair in Kontakt ist, hat es diese erst jetzt, nachdem sein Ensemblespiel gereift ist, eingespielt. Italienisch zeigen sich leichte Airs und der formale Aufbau dieser Kompositionen. Französisch sind die sparsamen Verzierungen und die Tempi geprägt. Kombiniert ergeben sie den als ‘réunion des goûts’ bezeichneten Zusammenfluss der Stile, der mit partiell aufhorchen lassendem Kontrapunkt auch noch deutsch klingende Einflüsse heraushören lässt. Dass diese Werke frei von geigerischer Selbstdarstellung sind und trotzdem versierte Musiker voraussetzen, kann man in der genauso eloquenten wie handwerklich ausgefeilten Darstellung des Ensembles Didierot miterleben und so diese so kunstfertigen wie noch wenig beachteten Werke erleben. (Audax Records ADX 13724) – ♪♪♪♪♪

Bezwingbare Lukas Passion aus Schweden
Der schwedische Komponist Rolf Martinsson ist über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt, seine St. Lukas Passion aber wird bisher vor allem in Schweden aufgeführt, was sicher auch mit dem schwedischen Text, zeitgenössisch von Göran Greider, zu tun hat. Eine in Auftrag gegebene deutsche Übersetzung, die im Beiheft schon abgedruckt ist, soll die Verbreitung dieses Werkes fördern. Da es nur an die beiden Gesangssolisten, ein Sopran als Evangelist, und ein Bariton für Jesus, hohe professionelle Anforderungen stellt, ist dieses reizvolle Werk von 90 Minuten Dauer auch für engagierte Laienchöre und ein kleines Instrumentalensemblemit mit Flöte, Oboe, Cello, Kontrabass, Trommel und Orgel und noch einem Erzähler ebenso machbar wie es mit gemäßigt modernen Klängen auch klangvolle Passagen hat, die es als Bereicherung erscheinen lassen. Chor und Instrumentalensemble der Kathedrale von Växjö haben eine unmittelbar ansprechende Konzerteinspielung aufgezeichnet, die dem Werk in allen Punkten gerecht wird. Sten-Inge Petersson lenkt die Beteiligten, Lisa Larsson als Evangelist und Peter Boman als Jesus entfalten ihre Qualitäten ebenso gekonnt wie Mark Levengood den Erzählpart rezitiert. (Daphne 1066) – ♪♪♪♪

Der Wunsch, Verwunderung auszudrücken
Bis zu ihrer Perfektion bei Corelli hat die Violinsonate im 16. Jahrhundert eine interessante Entwicklung im Italien durchlaufen. Von ersten Violinschulen am Anfang der Periode haben zahlreiche Komponisten, die oft auch Violinisten waren, für die Geige in Nachahmung der menschlichen Stimme komponiert. Dass die damit gleichfalls dem modernen Stil, wie es damals schon hieß, huldigten, ist ein weiteres Puzzleteil an dieser Zusammenstellung. Der Geiger Enrico Onofri hat mit seinem Imaginarium Ensemble, also einer Basso continuo Gruppe, ein Dutzend Beispiele eingespielt. Sie spiegeln die ganze Palette der möglichen Gedanken und Entwicklungen wider. Onofri gelingt es mit leicht gestaltender Hand, diesen weniger bekannten Kleinodien Odem einzuhauchen. Während Fontana, Kapsberger, Marini und Uccellini zu den bekannten Komponisten gehören, sind Aurelio Virgiliano, Bartolomeo de Selma e Salaverde und Francesco Rognoni Taegio weniger präsent. Schade, denn ihre Musik zeigt eigenes Flair und bietet einen guten Einblick in die verschiedenen Blickrichtungen. (passacaille 1070) – ♪♪♪♪♪

Kroatisches Schwergewicht mit seiner Nationaloper erlebbar
Das Label cpo legt eine Aufnahme der musikalischen Tragödie Nikola Šubić Zrinjski von Ivan Zajc aus der Oper Rijeka vor, die sich in die Zeit von Rijeka als Kulturhauptstadt 2020 fügt. Die Bedeutung von Zajc für Kroatien ist enorm; eine Periode der Musikgeschichte trägt seinen Namen. In der Handlung geht es um die Verteidigung der Burg Szigetvár durch den namensgebenden kroatischen General gegen Sultan Suleiman auf seinem Weg nach Wien. Die Musik steht in der Tradition der italienischen Oper. Die Vokalpartien sind auf die geringeren Fähigkeiten der verfügbaren Sänger abgestimmt. Zajc nutzt große Massentableaus. Die dominieren Männerchöre erinnern mit ihren kämpferischen Auftritten an den frühen Verdi. Im Gegensatz zu dieser kriegerischen Atmosphäre stehen die Auftritte Jelenas; nur hier ist südslawisches Volksmelos erkennbar. Einige formale Mängel sind nicht zu verneinen. Die Ensembles der Oper Rijeka und die Gesangssolisten liefern eine stimmige und hörenswerte Interpretation des Werkes, das sozusagen durch diesen großen Einsatz geadelt wird. So besteht mit dieser Aufnahme die Möglichkeit, dieses über die Grenzen Kroatiens hinaus kaum bekannte Werk in der Landessprache kennenzulernen. Das Libretto ist auch auf Englisch im Beiheft abgedruckt. (cpo 555 335-2) – ♪♪♪

Richard Mico: Fantasien und Pavanen; Concerto di Viole (Brian Franklin, Rebeka Rusó, Brigitte Gasser, Tore Eketorp, Arno Jochem, Viola da Gambas, Matthias Spaeter, Erzlaute, Johannes Strobl, Truhenorgel); 1 SACD Ars Production ARS 38570; Aufnahme 07/2019, Veröffentlichung 03/07/2020 (61'12) – Rezension von Uwe Krusch

Die Musikszene in England im ausgehenden 16. und 17. Jahrhundert war reich und für ihre Gambenkompositionen berühmt. William Byrd, Orlando Gibbons und John Dowland sind auch heute noch bekannte und gerühmte Vertreter. Wohl meist kaum geläufig wird Richard Mico (1590-1661) sein. Dieser wurde in Taunton, Somerset, in die Familie ursprünglich französischer Abstammung mit Namen Micault geboren, eine Familie von Kaufleuten. Als erste feste Anstellung wurde Mico 1608 zum Dienstmusiker an der Thorndon Hall, Essex, ernannt. Read More →

Claude Debussy: Images (Gigues, Ibéria, Rondes de Printemps) + Et la lune descend dur le temple (Orch. Colin Matthews) + La plus que lente + Prélude à l'après-midi d'un faune; The Hallé, Mark Elder; 1 CD Hallé HLL7554; Aufnahme 208/2019, Veröffentlichung 03/07/2020 (60'44) - Rezension von Remy Franck

Mark Elder und das Hallé Orchestra legen mit diesen Debussy-Aufnahmen Interpretationen von beispielhafter Klarheit vor. Der Dirigent durchleuchtet die Partituren mit kühler Hand, eher sachlich als sinnlich. Bei allem Reichtum der Textur, Differenzierung der Dynamik und der Farbwerte sowie Transparenz des Orchesterklangs spürt man nicht viel von den Geheimnissen, die in den Debussy-Kompositionen enthalten sind. Read More →

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