***** - Felix Nowowiejski: Quo Vadis (Oratorium für Soli, Chor, Orgel & Orchester); Wioletta Chodowicz, Sopran, Wojtek Gierlach, Bariton, Robert Gierlach, Bass, Podlasie Opera and Philharmonic Choir, Poznan Philharmonic Orchestra, Lukasz Borowicz: 2 CDs cpo 555089-2; Aufnahme 05/2016, Veröffentlichung 29.05.2017 (95'15)
♪♪♪♪ - Felix Nowowiejski: Quo Vadis; Aleksandra Kurzak, Sopran, Artur Rucinski, Bariton, Rafal Siwek, Bass, Sebastian Szumski, Baritone, Arkadiusz Bialic, Orgel, Gorecki Chamber Choir & Feliks Nowowiejski Warmia and Mazury Philharmonic, Piotr Sulkowski; 2 CDs Dux 1327-28; Aufnahme 08+11/2016, Veröffentlichung 04/2017 (95'50) – Rezension von Remy Franck

Vor 100 Jahren war das Oratorium ‘Quo Vadis’ ein viel aufgeführtes Werk. Zwischen 1909 und dem Ausbruch des 2. Weltkriegs stand es mehr als 200 Mal in Europa und in Amerika auf den Spielplänen.

Der polnische Komponist, Organist und Dirigent Feliks Nowowiejski (1877-1946) komponierte schon mit 10 Jahren sein erstes Klavierstück. Nachdem er eine Kantate an die Königliche Akademie der Künste in Berlin eingesandt hatte, wurde er im Jahre 1900 in die Meisterklasse für klassische Komposition unter Max Bruch aufgenommen. Während einer

Studienreise durch Europa traf er Komponisten wie Antonin Dvorak, Gustav Mahler, Camille Saint-Saëns, Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo. Er wurde danach Kompositionslehrer, gleichzeitig Organist und Chorleiter an der St.-Hedwigs-Kathedrale und später an der Dominikanerkirche St. Paulus in Berlin.

1907 komponierte der mittlerweile mit vielen Preisen dekorierte Komponist das große Oratorium ‘Quo Vadis’, das seinen Weltruf begründete.

Ab 1909 wirkte Nowowiejski in Krakau, ging aber nach Kriegsausbruch aufgrund zunehmender Anfeindungen in Polen nach Deutschland zurück. 1918 ließ er sich in Poznan nieder und war dort als Dozent am Musikkonservatorium, sowie als Komponist, Dirigent und Chorleiter tätig. Er wurde ein Exponent des polnischen Patriotismus, was zum Streit mit seinem einflussreichen Lehrer Max Bruch führte, der erreichte, dass Nowowiejskis Musik in Deutschland von den Spielplänen verschwand.

1941 beendete ein Schlaganfall Nowowiejskis Laufbahn. Der Musiker starb 1946 in Poznan.

‘Quo Vadis’ op. 30 basiert auf dem gleichnamigen Roman von Henryk Sienkiewicz. Das deutsche Libretto von Antonie Jüngst wurde später in mehrere Sprachen übertragen.

Doch das Oratorium wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr im Ausland aufgeführt, und es war Lukasz Borowicz, der es 2016 nach Berlin brachte. Diese Produktion liegt auch der vorliegenden CD-Aufnahme von cpo zugrunde, die ungefähr zeitgleich mit jener von Dux auf den Markt kam.

Der Unterschied zwischen beiden ist, dass Borowicz eine Fassung mit polnischem Text dirigiert, « so wie es sich der Komponist gewünscht hätte’, sagte uns der Dirigent, während die von Dux den originalen deutschen Text benutzt.

Lukasz Borowicz gelingt es, die oft ins Pompöse tendierende Musik geschmeidig und flexibel klingen zu lassen. Der Klang des Philharmonischen Orchesters aus Poznan und des Podlachischen Chors bleibt transparent und blüht in kräftigen Farben auf. Bei aller Dramatik, die der Dirigent effektvoll schürt, geht es Borowicz vor allem darum, die Musik stimmungsvoll werden zu lassen und ihre Botschaft in den Mittelpunkt zu stellen. Das wird besonders in der sehr inspiriert gestalteten Dritten Szene sowie in der ergreifenden Vierten Szene deutlich, wenn Petrus und die Christen auf der Via Appia hinter sich das von Nero in Schutt und Asche gelegte Rom sehen und der Apostel sein Glaubensbekenntnis ablegt.

Den Petrus singt der Bariton Robert Gierlach, der mit seinem metallischen Timbre und viel schlanker Kraft den Gesang absolut hinreißend werden lässt. Demgegenüber ist sein Bruder Wojtek Gierlach als Prätorianer etwas überfordert, und seine Stimme irritiert mit einem zu starken Vibrato. Sehr gut hingegen singt die Sopranistin Wioletta Chodowicz mit ihrer warmen Stimme. Orchester und Chor beeindrucken durch eine hohe Qualität

Dieses Niveau erreichen die Kräfte aus Olsztyn nicht ganz, wenn auch der Unterschied nicht sehr groß ist. Vor allem aber gelingt es dem Dirigenten Piotr Sulkowski nicht, der Musik jene vibrierend schlanke Dramatik zu geben, die Borowicz’s Aufnahme auszeichnet. Hinzu kommt, dass Borowicz die etwas patchworkartig wirkende Musik deutlich besser im Griff hat und stilistisch einheitlicher werden lässt als Sulkowski. Bei Borowicz strebt die Musik zielgerichtet einem Höhepunkt entgegen, während sie bei Sulkowski letztlich etwas anekdotischer bleibt.

Die Solisten der Dux-Aufnahme sind sehr gut. Aleksandra Kurzak gefällt mit einer reinen und leuchtkräftigen Sopranstimme. Artur Rucinski hat ein etwas wärmeres Timbre als Gierlach, kann aber den Petrus nicht so zwingend darstellen wie sein Konkurrent in der Borowicz-Einspielung, dessen souveräne Leistung im Vergleich noch viel stärker auffällt. Während Rucinski älter und reifer, manchmal sogar sentimental klingt, zeichnet Gerlach einen forsch entschlossenen Petrus voller Tatendrang.

Der Bass Rafal Siwek ist dem Prätorianer von Robert Gierlach deutlich überlegen.

Aufnahmetechnisch klingt die cpo-Einspielung eindeutig ausgeglichener als die von Dux, in der etwas viel mit den Reglern gearbeitet wurde. Die cpo-Einspielung ist zwar genau wie die Dux-Einspielung deutlich in die Tiefe angelegt, erlangt aber im Hintergrund nicht jene prägnante Klarheit, die die Aufnahme aus Poznan auszeichnet. Das größte Handicap der Dux-Aufnahme ist wohl die deutsche Sprache, die von den Sängern nicht wirklich idiomatisch behandelt wird. Da wären dann wohl ein deutscher Chor und deutschsprachige Solisten besser mit dem Text zuwege gekommen.

Wer sich nicht beide Einspielungen kaufen will, sollte sich daher wohl eher für die Borowicz-Aufnahme bei cpo entschließen. Sie ist musikalisch besser und wird dem großartigen Werk von Nowowiejski mit viel Spannkraft vollauf gerecht.

Quo vadis, a major and once very popular vocal work by Polish composer Felix Nowowiejski, is rediscovered in two recordings, the one from Dux using the original German version, while the one from cpo, made in Poznan, is sung in Polish. We have a preference for the cpo release, which has a great presence and body, with plenty of well-balanced details. Lukasz Borowicz’s account of this appealing work avoids any excessive pomp, it is dramatic and fiery, with beautiful lyrical moments, and creates a homogeneous whole from a music which is stylistically rather mixed.

 

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