Franz Schubert: Streichquartett Nr. 14, d-moll, op. post., D 810 (Der Tod und das Mädchen); Nörmiger: Toden Tanz aus Tabulaturenbuch auff dem Instrumente; Anonymus / Kopatchinskaja: Byzantinischer Gesang auf den Psalm 140 arrangiert für Streichorchester; Dowland: Seven Tears für Streichquarett; Gesualdo: Madrigal; Kurtag: Ligatura-Message to Frances-Maria, Ruhelos aus Kafka-Fragmente; Patricia Kopatchinskaja, The Saint Paul Chamber Orchestra; 1 CD Alpha Classics 265; Aufnahmen 3/2015, Veröffentlichung 10/2016 (59'04) – Rezension von Uwe Krusch

Vor gut zwei Jahren gab Patricia Kopatchinskaja zusammen mit Freunden ein Konzert in der Luxemburger Philharmonie. Sie bezeichnete es als ‘quartet-lab’, in dem die ‘Battaglia’ von Biber mit Kadenzen zwischen den Sätzen von Kurtags ‘Hommage à John Cage’ für Violine allein, Ligetis ‘Lament für Viola solo’ sowie einem Satz aus einer Britten-Sonate für Violoncello angereichert wurde.

Die Idee, neue Kontexte zu erspielen und das Zuhören anzuregen, ging in diesem Kontext gut auf. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Barockmusik ja eigentlich durch feste Formvorgaben geprägt ist, denen man nur durch die Auswahl des Sujets entgehen konnte. Ein solches Ausweichen kann man auch in den musikalischen Schlachtschilderungen sehen. Diese für das Barock ungewohnte Freiheit der Harmonik und Ausdrucksweisen bietet tatsächlich eine Basis für die Einfügungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Das hat Spaß gemacht und die Gedanken angeregt.

Warum die Vorrede? Weil auf dieser CD das berühmte Schubert-Quartett ‘Der Tod und das Mädchen’ von Einsprengseln volkstümlicher Musik von einem anonymen Komponisten sowie Nörmiger eingeleitet und mit Brillantsplittern von Dowland, Gesualdo und Kurtág unterbrochen wird. Leider bringt diese Kombination hier nicht das zusätzliche Extra, dass die Werke sich gegenseitig befruchten und dadurch ein erweiterter Höreffekt eintritt.

Als weitere Besonderheit ist zu erwähnen, dass das Quartett sowie die einleitenden Werke von Kopatchinskaja für Streichorchester gesetzt worden sind, die anderen Werke sind für Quintett geschrieben. Patricia Kopatchinskaja selber ist für ihre ausgefallenen und technisch ausgefeilten Interpretationen bekannt. Die ausgefallene Seite fällt hier nicht so ins Gewicht. Begleitet wird sie vom ‘Saint Paul Chamber Orchestra’. Dieses ist schon aus der Zusammenarbeit mit Hugh Wolff als hochkarätiges Ensemble hervorgegangen und diese Qualität bestätigt sich auf der CD. Das Spiel ist rund und abgewogen. Die Orchesterfassung bietet den Vorteil, dass manche Schärfen entfallen, ohne dass dadurch die Klarheit und Virtuosität leidet. Die Interpretationen sind hochklassig und bieten einen hörenswerten neuen Ansatz.

Wem das Auseinanderreißen des Quartetts nicht gefällt, kann sich den CD-Spieler so programmieren, dass das Quartett wieder als Einheit zusammenkommt und dann mit Genuss die übrigen Stücke genießen. Alle Aufnahmen sind mit Verve interpretiert.

Schuberts string quartet Death and the Maiden in a version for string orchestra, interrupted by music of Dowland, Gesualdo and Kurtág. The performances are high-class. Fortunately, with the possibility to program tracks, the order of the pieces is not to be taken as given and should not necessarily be followed.

 

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