Gyula Beliczay: Symphonie 1 + Serenade d-Moll; Budapest Concert Orchestra MAV, Tamas Gal; 1 CD Sterling CDS 1115-2; Aufnahmen 08/2014, 08/2015,1995, Veröffentlichung 02/2018 (64'56) – Rezension von Uwe Krusch

Obwohl seine musikalische Begabung früh erkannt wurde, hatte Gyula (Julius) Beliczay zunächst einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. 1835 in Bratislava geboren, studierte er Mathematik und Wissenschaften und Ingenieurswesen. Als Ingenieur arbeitet er für eine private Eisenbahngesellschaft, die ihn in Wien anstellte und dann nach Pest in Ungarn versetzte. Auf Dienstreisen kam er durch halb Europa und konnte neben dem Eisenbahnwesen die Musikausbildung studieren. Er konnte sozusagen in Frühpension gehen und sich dann ausschließlich der Musik widmen.

Für seinen musikalischen Stil waren verschiedene Einflüsse wichtig. Carl Czerny gab ihm Klavierunterricht, Anton Rubinstein und Ferenc Liszt zeigten sich beindruckt von seinem Spiel. Kontrapunkt brachte ihm Martin Gustav Nottebohm bei, ein Schüler von Mendelssohn und Schumann und Freund von Brahms. Auch Beethoven und noch mehr Schubert inspirierten ihn ebenso wie die Ungarn Volkmann, Mihalovich, Lizst und Erkel. Diese Linie brachte ihn dem konservativen Musikstil nahe. Sein Geschmack, sein Geist und seine Professionalität ermöglichten es ihm, ein zu seiner Zeit anerkannter ungarischer Komponist im romantischen Stil zu werden, der weltweit aufgeführt wurde.

Die erste von zwei Symphonien und die Serenade für Streicher sind die beiden Werke, die das ungarische MAV-Orchester uns vorstellt. Beide Stücke sind handwerklich sauber gearbeitet wie die Symphonie, die im ersten und vierten Satz eine klassische Sonatensatzform aufweist. Dichte Instrumentation, aber auch feine kammermusikalische Momente mit schönen Bläsersoli kennzeichnen die Musik.

Die Serenade ist nicht nur wegen der reinen Streicherbesetzung leichter, sondern hat auch einen ihrem Werktypus entsprechend charmanteren Charakter. Das erste Thema schafft in allen Sätzen die zyklische Form. Das zweite Thema im ersten Satz sowie das im Trio des zweiten haben ungarischen Charakter und schaffen so ein volkstümliches Kolorit. Trotz der vielen kompositorischen Anhaltspunkte, die ihn begleiteten, hat Belisczay eine eigene Tonsprache gefunden, mit der er die Verbindung von Mossonyi und Volkmann zu Dohnanyi ist.

Das ist hier nicht der Platz für eine ausführliche Würdigung, aber es ist eine schöne Sache, wenn ein Unternehmen wie hier die Eisenbahngesellschaft mit einem eigenen Orchester die Kultur fördert wie auch ein Pharmaunternehmen in Darmstadt oder eine internationale europäische Kanzlei. Das Orchester kann sich in jedem Sinne hören lassen. Alle Stärken eines gepflegten Zusammenspiels werden vom Dirigenten Tamas Gal sehr ansprechend herausgearbeitet. Neben einem warmen und kultivierten Streicherklang bieten die Bläser sowohl als Solisten als auch im Satz klangschöne Episoden.

Leider wurde die Aufnahme technisch etwas zu stark und hallig abgemischt, so dass die lauten Stellen zu massiv wirken, während die kleiner instrumentierten Partien einen guten Effekt erzielen. Insgesamt aber ist die CD eine lohnende Entdeckung.

Hungarian composer Gyula Beliczay tooks his musical ideas from conservative idols. His first Symphony and the String Serenade, classically fine crafted pieces, are presented in good performances. The reverberant recorded sound won’t prevent us from recommending this CD for anyone keen on discovering new repertoire.

 

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