Daniel Müller-Schott

Auch in finanziell nicht einfachen Zeiten geht das Musikfestival in Echternach, Luxemburg, keine Kompromisse ein. « Wir setzen auf Qualität! », sagt Festspielpräsident Julien Alex. Es ist ein abwechslungsreiches Programm von Symphonik über Chorkonzert, Kammermusik, Solo-Recital bis zu Jazz und Jam-Sessions, welches das Festival anbietet. Vom 19. Mai bis zum 15. Juli konzertieren Künstler der Weltelite und Musiker aus der Großregion an verschiedenen Spielstätten in Echternach.

« Wir wollen die einmalige Architektur der barocken Abteistadt in unseren Konzerten valorisieren », sagt Alex weiter. Und man wolle Brücken bauen zwischen verschiedenen Publikumssparten und zwischen Musikern mit ganz verschiedenem Background. Die Musikauswahl erstreckt sich von Werken aus dem Mittelalter bis hinein in unsere Tage, so dass für jeden etwas dabei sein müsste. « Wichtig ist es für uns », so Alex, « dass wir das Festival auf eine breite Basis stellen. » Das Festival müsse innerhalb der lokalen Bevölkerung eine neue Identität finden, und jeder Echternacher solle stolz auf dieses Festival sein, hieß es bei der Pressekonferenz, auf der auch erklärt wurde, warum man nach einem Jahr mit Veranstaltungen im Herbst, wieder in die Sommermonate zurückgekehrt sei: als Festspielstadt fehle es Echternach im Herbst an Stimmung. Und diese sei für das Gelingen unheimlich wichtig.

Um das Festival zusätzlich attraktiver zu machen, wurden, man lese und staune, die Preise für die Eintrittskarten herabgesetzt.

Abteikirche Echternach

Abteikirche Echternach

« Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, als ‘Artist in Residence’ 2016 den deutschen Cellisten Daniel Müller-Schott zu gewinnen, der mehrere Konzerte geben und einen Mueller-schott-rfMeisterkurs leiten wird. Ganz besonders wollen wir dieses Jahr auch die Form des Quartetts pflegen, den Nukleus gesellschaftlichen Musizierens, der heute, mit der Bildung von immer neuen Quartetten, eine aufregende Entwicklung mitmacht », sagt Benedikt Fohr, der das klassische Programm des Festivals verantwortet.

Daniel Müller-Schott, ‘Artist in Residence’, gilt als ein besonders kreativer Cellist, der sein Publikum mit energetischen Auftritten erfreut und technische Brillanz mit großer intellektueller und emotionaler Schärfe kombiniert. Er tritt solo und auch im Trio mit der lettischen Violinistin Baiba Skride und deren Schwester Lauma am Klavier auf, die beide zur Weltelite gehören und von einem bedeutenden Konzertsaal zum anderen reisen.

Auch mit Orchester ist Daniel Müller-Schott zu hören, und zwar mit dem ‘Lithuanian Chamber Orchestra’, dessen künstlerischer Leiter, der Geiger Sergej Krylov, wie sein Mentor Mstislav Rostropovich, auch als Dirigent gefragt ist. 1976 war das Litauische Kammerorchester das erste Ensemble seines Landes, das im Westen debütierte, und zwar beim Festival in Echternach. Seither hat es die ganze Welt bereist.

Drei Streichquartette, zwei der jungen und eines mit einer langen Tradition, bereichern das Programm. Das Modigliani Quartett besteht seit 2003 und hat sich seitdem weltweit zu einem der meistgefragtesten Quartette der jungen Generation entwickelt. Französische Klangkultur mit Feinheit, Klarheit, Wärme und einem harmonisch abgerundeten Ton sind zum Markenzeichen des Quartetts geworden.

Borodin Quartett (c) Martin Hoffmeister

Borodin Quartett
(c) Martin Hoffmeister

Das 2012 gegründete ‘vision string quartet’ präsentiert in seinen Programmen klassische Streichquartett-Literatur, eigene Improvisationen sowie Arrangements aus Jazz, Pop und Rock mit einem « auffallend individuellen Zugriff und einer von allen Musikgenres des 20. und 21. Jahrhunderts beeinflussten Ästhetik ». Bekannt dafür, ein experimentierfreudiges Ensemble zu sein, das offen mit innovativen Konzertformaten umgeht, lädt das ‘vision string quartet’ auch zu einem Kinder- und Familienkonzert ein.

Kaum ein anderes Ensemble hat so sehr die Geschichte des Streichquartetts geprägt wie das ‘Borodin Quartett’. Seit 1945 gilt es aufgrund seiner fundierten Interpretationen und seines unnachahmlichen Klangreichtums als Autorität in seinem Fach.

Ohne Streicher, dafür aber mit vier Marimbas tritt das ‘Wave Quartet’ auf, in dem der Luxemburger Christoph Sietzen mitspielt.

Annette Dasch (c) Peter M. Mayr

Annette Dasch
(c) Peter M. Mayr

Spannende Begegnungen sind angesagt zwischen dem Trompeter Reinhold Friedrich und dem Pianisten Bernd Glemser. Mit dabei sind auch so renommierte Ensembles wie die ‘King’s Singers’, das ‘trio metafora’ (für ein Konzert mit Videoprojektionen zum Thema Natur), ‘German Brass’ und das Europäische Barockorchester EUBO. Das Philharmonische Orchester Luxemburg kommt mit der Sopranistin Annette Dasch nach Echternach, für ein einziges Konzert im Großherzogtum.

In dem von Gast Waltzing zusammengestellten Jazz-Programm sticht u.a. der Name der legendären Saxophonistin Candy Dulfer heraus. Auch der bekannte französisch-afrikanische Drummer Manu Katché sowie der aus Westafrika stammende amerikanische Jazzgitarrist Lionel Loueke, der Fusion-Musik mit stilistischen Anleihen seiner westafrikanischen Tradition vereint, bilden höchst attraktive Programmpunkte. Die von Gitarrist Larry Coryell wiederbelebte legendäre Gruppe ‘The Eleventh House’ ist, ebenso wie Candy Dulfer, open-air in Echternach zu hören.

Um das Festival stärker in der Region zu verankern, wurde in Zusammenarbeit mit der Echternacher Musikschule und anderen lokalen Akteuren ein ‘festival off’ organisiert, das ein buntes und attraktives Beiprogramm mit lokalen und internationalen Künstlern vorsieht.

Zu den atmosphärischen Spielstätten gehören das Trifolion, die Basilika, St. Peter & Paul, der Klostergarten und die Orangerie.

Dass das Festival Echternach mit den Finanzen kämpft, bleibt bei der Pressekonferenz nicht unerwähnt. Zwar habe man keine Schulden, aber brillant sei die Finanzlage nicht. Das Kulturministerium bezuschusse dass Festival zwar nicht unerheblich, aber das Festivalkomitee wäre doch froh, auf lange Sicht mehr Sicherheit zu bekommen. Glücklicherweise stellt sich die Stadt Echternach engagiert hinter das Festival und hat, Bürgermeister Yves Wengler zufolge, eine Ausfallbürgschaft übernommen.

Auch neue Sponsoren müssten dringend gefunden werden, sagte Präsident Julien Alex. Und das sei nicht einfach, aber es sei eine Baustelle, der sich die Verantwortlichen kontinuierlich und hartnäckig widmen. Auch in dieser Hinsicht ist wohl nur mit Qualität etwas zu erreichen, denn Sponsoren wollen ja schließlich für ihr Geld etwas haben.

Weiterführende Informationen und Programm:
http://www.echternachfestival.lu

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