J. S. Bach / S. L. Weiss: Suite für violine and Obbligato-Laute BWV 1025; Silvius Leopold Weiss: Suite für Sololaute; Johann Sebastian Bach: Partita II für Solovioline BWV 1004; Johannes Pramsohler, Violine, Jadran Duncumb, Laute; 1 CD Audax ADX 13706; Aufnahme 2015/2016, Veröffentlichung 10/2017 (77'32) – Rezension von Uwe Krusch

Leopold Weiss, der letzte große Lautenspieler, hat wohl eine Vielzahl von Werken, vor allem für die Laute solo, hinterlassen. Allerdings ist die Zuschreibung nicht immer gesichert, da es mehrere Personen unter dem Familiennamen gab, die komponierten. Und es gibt auch Werke, die anderen Komponisten zugeschrieben werden, aber zumindest teilweise von Weiss stammen. Zu der letztgenannten Gruppe gehört die die Aufnahme eröffnende Suite in A-Dur für Violine und Laute, die unter der Nummer 1025 im Bach Werkverzeichnis erscheint.

Bach und Weiss haben sich über den Sohn Wilhelm Friedemann Bach kennengelernt und sich mehrfach 1639 und wohl auch im Folgejahr getroffen. Dabei haben sie, so ist überliefert, Hausmusik gemacht und jeder auf seinem Instrument, meisterhaft improvisiert. Aus dieser gemeinsamen Erfahrung ist wohl die Suite entstanden. Zu der Lautenstimme von Weiss hat Bach, so wird angenommen, eine für die Violine hinzugefügt, so dass man von einem Gemeinschaftswerk sprechen kann. Dabei ist eine Herausforderung, die im Verhältnis zueinander leise Laute und die laute Violine so zu kombinieren, dass eine Homogenität erreicht wird.

Daneben werden jeweils Solstücke für die beteiligten Instrumente gestellt. Von Weiss stammt die Suite in a-Moll für Laute, die ebenfalls eine Folge von Tanzsätzen bietet. Die zweite Partita für Violine allein bildet den Abschluss der Einspielungen.

Jadran Duncumb begann seine musikalische Laufbahn zunächst als Gitarrist und kam erst zur Laute, als er das reiche Repertoire für Theorbe und die Feinheiten des Continuospiels in London kennenlernte. Seine Ausbildung hat er dann bei Rolf Lislevand vervollkommnet. Sein Spiel zeichnet sich ebenso durch technische Brillanz wie durch musikalischen reichen Ausdruck aus. Er verschafft damit der leisen Laute Gehör.

Auf die Barockgeige spezialisiert hat sich Johannes Pramsohler, der sonst mit seinem ‘Ensemble Diderot’ zusammen spielt. Er hat sich als sensibler Musiker etabliert, der den langsamen Sätzen innigen Atem einhaucht und die schnellen Sätze tanzen lässt, ohne oberflächlich virtuos zu sein. Sein Spiel zeichnet sich durch Klarheit und einen mitunter auch harschen, etwas spitzen Klang aus.

Im gemeinsamen Werk gelingt den beiden eine wunderbare Verschmelzung der beiden Instrumente auf gleicher Ohrhöhe, die durch die geschickt kammermusikalisch ausgefeilte Technik gestützt wird.

The composers Silvius Leopold Weiss and Johann Sebastian Bach knew each other and met a couple of times. Together they played private concerts, improvising both on their favored instrument. In the A-Major Suite for lute and violin, Bach added a violin part to a lute composition from Weiss. The two soloists also present a piece for their own instrument only. The entire program is exquisitely played.

 

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