Antonio Pappano - Complete Santa Cecilia Symphonic, Concertante & Sacred Music Recordings; Werkliste am Ende des Beitrags; Han-Na Chang, Christine Rice, Anja Harteros, Sonia Ganassi, Rolando Villazon, Rene Pape, Anna Netrebko, Joyce DiDonato, Lawrence Brownlee, Ildebrando D'Arcangelo, Mario Brunello, Marina Rebeka, Sara Mingardo, Francesco Meli, Alex Esposito, Ian Bostridge, Thomas Hampson, Beatrice Rana, Daniele Rossi, Martha Argerich, Bertrand Chamayou, Marie-Nicole Lemieux, Nadine Sierra, Alessandro Carbonare, Eleonora Buratto, Michael Spyres, Teresa Iervolino, Alexandre Tharaud, Coro dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Les Frivolités Parisiennes, Les Trilles du Diable, Antonio Pappano; 27 CDs Warner Classics 5054197793073; Aufnahmen 2005-2023,  Veröffentlichung 31.05.2024 - Rezensionen von Remy Franck, Alain Steffen, Uwe Krusch, Norbert Tischer  & Guy Wagner

Warner Classics veröffentlicht eine Box mit den Complete Symphonic, Concertante and Sacred Music Recordings von Antonio Pappano und dem Orchester und Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia. Nachfolgend findet der Leser die Rezensionen, die wir veröffentlichten, als die einzelnen Alben erschienen. Nicht alles wurde besprochen, aber das Meiste davon, und so geben diese Beiträge einen guten Einblick das, was die Pappano-Box enthält.

Keine Glanztat
* – Piotr Tchaikovsky: Overtures; Francesca da Rimini op. 32 (Fantasie für Orchester nach Dante) + Romeo und Julia (Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare) + Eugen Onegin op. 24 (Walzer, Polonaise) + Ouvertüre 1812 op. 49; Accademia Di Santa Cecilia, Antonio; 2006 (71′) – Rezension von Remy Franck
Ich verstehe es nicht! Gab es nichts Vordringlicheres für Antonio Pappano, als Tchaikovsky-Ouvertüren (Romeo et Juliette, 1812, Francesca da Rimini) aufzunehmen? Und dann auch noch mit einem höchst mittelmäßigen italienischen Orchester, das so viel Gespür für diese russische Musik zeigt wie ein Eisbär für das Mittelmeer.

Lyrisch, extrovertiert
*** – Glazunov: Mélodie op. 20 Nr. 1;  Saint-Saëns: Allegro appassionato op. 43; Dvorak: Rondo op. 94; Tchaikovsky: Andante cantabile; Lalo: Concerto en ré mineur; Casals: El cant dels ocells; Han-Na Chang, Violoncello, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; 12/ 05 & 7/ 06 (59’32) – Rezension von Norbert Tischer
Han-Na Chang sorgte für Aufsehen, als sie im Alter von 11 Jahren einen Preis beim Rostropovich-Wettbewerb gewann. Ein gutes Jahrzehnt später hat sich ihre Persönlichkeit als Interpretin mit leidenschaftlichem und intensivem Spiel, großzügigem Vibrato und ansteckendem Schwung herauskristallisiert. Auf dieser schönen CD werden die beliebtesten Stücke des Repertoires unter dem Titel ‘Romance’ vorgestellt, und man erkennt Han-Na Changs lyrischen und extrovertierten Klang. Doch hinter einem vollen Klang und einer auf Brillanz getrimmten Technik fehlen das Stilgefühl und einige geschmackvolle Details, die eine außergewöhnliche Interpretin offenbaren würden.

Urbi et orbi 
***** – Ottorino Respighi: Fontane di Roma + Pini di Roma + Feste Romane + Il Tramonto; Christine Rice, Mezzosopran, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme 2006 (80’41) – Rezension von Remy Franck
Ottorino Respighis Rom-Trilogie ist im Schallplattenkatalog mit guten Aufnahmen vertreten. Hier hat man nun eine neue, die sich ganz oben im Angebot ansiedelt. Antonio Pappano, das zeigt seine Einführung in einem Videofilm (auf der Bonus-DVD) kennt die Werke, er kennt Rom und er liebt beides, die Stadt und ihre Musik. So sind denn seine Interpretation vor allem Stimmungsbilder und enthalten mehr Atmosphärisches als Deskriptives. Debussy ist sozusagen allgegenwärtig. Das Orchester der Accademia spielt ausgezeichnet, sehr vital und scheint auch immens angetan zu sein von Respighis Musik. Zwischen römischen Pinienwäldern und römischen Festen gibt es noch eine Viertelstunde lang Il Tramonto, zu bestaunen, ursprünglich für Mezzosopran und Streichquartett geschrieben, und hier in der Streichorchesterfassung aufgeführt. Christine Rice singt berückend schön! Eine Platte nicht nur für Rom-Fanatiker.

Mit italienischem Blut
**** – Giuseppe Verdi: Messa da Requiem; Anja Harteros, Sonia Ganassi, Rolando Villazon, René Pape, Orchestra e Coro dell Accademia di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Live 01.2009 (84’19) – Rezension von Remy Franck
Jede Aufführung von Verdis Requiem wird wohl die Frage aufwerfen, wie opernhaft diese Komposition denn nun wirklich ist. Auch bei Antonio Pappanos Interpretation kommen wir nicht daran vorbei, dafür ist Pappano zu sehr Operndirigent, dafür interessiert er sich zu sehr fürs Drama. Nun muss ich aber sofort sagen, dass er zwar eine gewisse Portion Theatralik einbringt, die jedoch nicht geschmacklos wirkt. Ohnehin entspricht Verdis Musik mehr seiner Auffassung von italienischer Religiosität als echten religiösen Gefühlen, zu denen er ja, wie man weiß, nicht fähig war. Und ganz sicher wäre es falsch gewesen, die italienischen Musiker der Accademia Santa Cecilia in ihrem italienischen Gespür für diese Musik zu bremsen. Gerade diese Italianità, dieses italienische Blut, ist ein gesundes Merkmal dieser prächtigen Aufnahme.
Auffallend sind gewagte Rubati, eine extreme dynamische  Bandbreite (zwischen dem fast gehauchten Beginn und dem lautstark einbrechenden Dies Irae liegen zig Dezibel!) und  ein ungemein gepflegter Lyrismus. Diese Kantabilität macht vor allem das Agnus Dei zum musikalischen Höhepunkt der Aufnahme.
Die Solisten sind unterschiedlich gut. Anja Harteros ist wegen ihres strahlend leuchtenden, oft fieberhaft intensiven Soprangesangs aber auch wegen wunderschöner Piani an erster Stelle zu nennen. Sonia Ganassi fehlt es hingegen an Farbe und an Emotionalität. Rolando Villazón singt soft und bleibt trotz recht gepflegter Stimmführung etwas blass. René Pape ist mit seiner wohlklingenden, bestens geführten Stimme eine gute Besetzung der Basspartie.
Die Requiem-Diskographie ist somit um eine gute Einspielung reicher, jedoch kann sich Pappanos Interpretation mit den besten im Angebot (Fricsay, Karajan, Abbado) nicht wirklich messen.

Prachtvoll
**** – Gioacchino Rossini: Stabat Mater; Anna Netrebko, Sopran, Joyce Di Donato, Mezzosopran, Lawrence Brownee, Tenor, Ildebrando d’Arcangelo, Bass, Coro e Orchestra dell’ Accademica Nazionale di Santa Cecilia, Roma, Antonio Pappano; Aufnahme 2010 (57’57) – Rezension von Remy Franck
Rossini schrieb sein Stabat Mater über den bekannten und häufig in der Musik verwendeten Text aus dem 13. Jahrhundert in zwei Schritten. Er vertonte zunächst mehrere Teile und überließ den Rest des Werkes einem Kollegen. Zehn Jahre später ersetzte er die Teile, die er nicht selbst geschrieben hatte, durch eigene Kompositionen.
Das Werk ist sehr opernhaft, und es liegt am Dirigenten, ob er dies betont oder abschwächt. In Anlehnung an ein bekanntes soziales Phänomen entschied sich Pappano für die erste Lösung. Er schert sich einen Dreck um den religiösen Kontext und macht aus dem Stabat Mater ein musikalisches Festmahl. Er vergisst sogar Rossini und die Leichtigkeit seines Schreibens, verdichtet das Material und macht es dramatisch, leidenschaftlich und opulent, lässt den Solostimmen – alle vier großartig – Raum zum Glänzen und dem Chor Raum zum Strahlen. Das Orchester ist reich an Klangfarben, und kein Effekt wird ausgelassen. Es ist eine wahre Pracht!

Oberflächlich
*** – Serge Rachmaninov: Symphonie Nr. 2; Anatol Lyadov: Le Lac enchanté; Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme 12.2009 (66’43) – Rezension von Remy Franck
Dies ist eine sehr schöne Wiedergabe von Rachmaninovs zweiter Symphonie, schön im ästhetischen Sinne, wohlproportioniert, herrlich koloriert, aber es fehlt ihr an Dramatik und Leidenschaft. Zu oberflächlich, zu unbekümmert, bleibt diese Interpretation auf Distanz zu den besten Versionen.
Lyadovs ‘Der verzauberte See’ wird mit einem sehr märchenhaften und geheimnisvollen Charakter gespielt, der den Charakter des Stücks gut wiedergibt.

Gruselkabinett
* – Gustav Mahler: Symphonie Nr. 6; Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Secilia, Roma; Antonio Pappano; Veröffentlichung 01.2022 (84′) – Rezension von Remy Franck
« Antonio Pappano und seine Südländer gehen ziemlich konzeptlos Noten spielend an diese Sechste heran. Die charmanten, lieblichen Stellen gelingen ihn noch am besten, aber in den dramatischeren Passagen bleibt die Gestik weich und oft belanglos. » Das waren so meine ersten Gedanken, als ich mir diese römische Liveeinspielung anhörte. Doch es sollte viel schlimmer kommen. Denn das Konzept, das sich mir nicht sofort eröffnete, war schon da, und zwar so abstrus, dass ich es nicht gleich erkannt hatte.
Das erste Thema im ersten Satz wird völlig aufgeweicht und hat mehr von einem Karnevalsumzug als von einem strengen, energischen Marsch. Und nicht nur, wenn Pappano dem Triangel und sonstigen hellen Schlagzeuginstrumenten sowie der Celesta eine prominente Rolle einräumt, wird das so zirzensisch, dass ich beim ersten Durchgang einfach laut lachen musste, beim zweiten diese Geschmacklosigkeit allerdings kaum noch ertragen konnte. Pappano wollte dem Werk seine Tragik austreiben, so wie Chris Walton im Textbuch den Titel ‘Tragische Symphonie’ in Frage stellt. Der Dirigent ist nicht um Effekte verlegen, um billigsten Humor zum Hauptmerkmal der beiden ersten Sätze werden zu lassen, gewiss weil Mahler ja auch ein so vordergründig humorvoller und durch und durch lustiger Mensch war, der nur Amüsement und Lachen im Sinn hatte… Igitt, Herr Pappano, was haben Sie sich da gedacht?
Aber die Zerdehnungstaktik im Andante, die jedem ‘Andare’ zuwiderläuft, die fast karikaturale Überbetonung einzelner Holzinstrumente, all das zeugt weder von gestalterischer Intelligenz noch von Gusto. Auch vor dem letzten Satz machen Pappano und seine römischen Komiker nicht Halt und inszenieren ein Gruselkabinett, das auf jedem Jahrmarkt erfolgreich wäre. Pappano hat damit den ultimativen Beweis erbracht: Als Tragische taugt die Sechste Mahler nicht, man wird jetzt sie jetzt nur noch ‘Komische Symphonie’ nennen.

Brillant
**** – Antonin Dvorak: Symphonie Nr. 9 (Aus der Neuen Welt) + Cellokonzert; Mario Brunello, Cello, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Veröffentlichung 2011/12 (86’35) – Rezension von Remy Franck
Antonio Pappanos Dvorak-Aufnahmen sind brillant: sein Orchester spielt herrlich, mit einem prächtigen Farbenspiel und vielen Nuancen. Der Dirigent inszeniert die Neue Welt-Symphonie ‘audiovisuell’ und ‘handlungsbewusst’. Der erste Satz gewinnt so viel an Frische und Expressivität, das Largo evoziert viel Lagerfeuerstimmung, der 2. Satz gefällt mit quirligen Holzbläsern und einem kernigen Cellosound, das Finale blüht prächtig auf.
Das Cellokonzert ist auch fest in Pappanos Hand, und Brunello, dessen Name auf dem Cover knapp ein Viertel des Platzes bekommt, den Pappanos einnimmt und im Booklet kein Anrecht auf eine Biographie hat, ist hier bestenfalls Akteur einer Symphonie Concertante. Das mag hin und wieder irritieren, es bringt aber auch ganz schöne Dialoge zwischen den gleichgestellten Solo-Holzbläsern und dem Solocello.

Überwältigend schöner Verdi-Gesang aus Santa Cecilia
***** – Giuseppe Verdi: Quattro Pezzi + Ave Maria, Libera me, Domine aus Messa per Rossini; Donika Matajj, Sopran, Maria Agresta, Sopran, Orchestra e Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme  09.2012 + 05.2013 (57′) – Rezension von Remy Franck
Mit der römischen Eliteformation Santa Cecilia Verdis geistliche Werke aufzunehmen, war eine gute Idee. Gleich im ersten der beiden ‘Ave Maria’-Kompositionen, die auf der CD zu hören sind, jenem aus den ‘Quattro Pezzi’, nimmt der Chor den Hörer gefangen mit einem sorgfältigst und filigran geformten, betörend schönen Gesang, so wie er auch in den ‘Laudi alle Vergine Maria’ begeistert. Diese kontemplativen, hier direkt ätherisch klingenden A-capella-Kompositionen  leiten jeweils zwei Chorwerke mit Orchester ein, das Stabat Mater und das majestätische Te Deum, die Pappano gefühlvoll gestaltet, ohne in Operntheatralik zu verfallen.
Das Stabat Mater wird besonders feingliedrig und spannungsvoll aufgeführt, das Drama der Mutter, die den Tod ihres Sohnes beweint, wird eindringlich klangvoll versinnbildlicht. In prächtigen Farben und einem im Tempo zurückhaltenden, feierlich-dramatischen Duktus stellt der Dirigent die preisenden Teile des Te Deum den meditativen Teilen der Komposition gegenüber, daraus eine packende Innenspannung erzielend, die Verdis agnostische Gedanken an die letzten Dinge perfekt unterstreicht.
Es folgt darauf das ‘Ave Maria’ von 1880, das Verdi auf Dantes italienische Übersetzung des kirchlichen Textes für Sopran und Streichorchester komponierte und die eine Art Studie für das ‘Ave Maria aus dem Otello ist. Maria Agresta singt es mit genau so viel Hingabe wie das Libera Me aus der Gemeinschaftskomposition Messa per Rossini, die erst 1988 uraufgeführt wurde. Wegen des zu Lebzeiten Verdis gescheiterten Unternehmens hatte Verdi schließlich dieses Libera me in überarbeiteter Form für seine Messa da Requiem verwendet. Pappano dirigiert hier die Urfassung und erzielt mit seinem Orchester und dem herausragenden Chor einen überwältigenden Eindruck.

‘Italienisches’ War Requiem
***** – Benjamin Britten: War Requiem; Anna Netrebko, Ian Bostridge, Thomas Hampson, Coro e Voci Bianche dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma, Antonio Pappano; Aufnahme 2013 (80’05) – Rezension von Guy Wagner
Die Nazis hatten während ihrer Angriffe auf Großbritannien die ahnungslose Stadt Coventry in den West Midlands am 13. November 1940 so radikal bombardiert, dass Klumpfuß-Goebbels später den Begriff ‘coventrieren’ prägen konnte, um totale Verwüstungen von Städten und Stadtteilen zu bezeichnen. Bei den Luftangriffen auf Coventry kamen 568 Menschen ums Leben, 4.330 Häuser und unersetzliche Kulturgüter, vor allem aber die mittelalterliche ‘St Michael’s Cathedral’, wurden zerstört. Nach dem Krieg beschloss man, eine neue Kathedrale im rechten Winkel zu diesen Ruinen zu erbauen. Für deren Einweihung bat das ‘Coventry Cathedral Festival Committee’ Benjamin Britten, eine größere Komposition zu schreiben. Britten war begeistert. Ihm schwebte seit längerem ein vielschichtiges Chor- und Symphoniewerk vor. Er griff nun auf die traditionelle lateinische Requiem-Messe zurück und verband sie mit Gedichten des 24-jährigen Wilfred Owen, der 1918, eine Woche vor dem Waffenstillstand im ‘Great War’ sein Leben auf dem Schlachtfeld verloren hatte.
Britten schuf ein überaus reiches und komplexes Werk. Ein Teil ist dem großen Orchester, dem gemischten Chor und dem Sopransolo vorbehalten: Sie gestalten den lateinischen Messeteil. Dazu gibt es ein Kammerorchester von zwölf exzellenten Instrumentalisten, die den Tenor und den Bariton in der Gestaltung der Owen-Gedichttexte unterstützen. Zudem gibt es noch – wie so oft bei Britten – einen Knabenchor, der, getrennt vom Rest, mit eigenem Dirigenten und nur begleitet von einer Kammerorgel ‘seine Wege geht’.
Das Ganze macht einen überwältigenden Eindruck, und das ‘War Requiem’ zählt, meiner Meinung nach, zu den ganz großen Musikschöpfungen der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts.
Trotz seiner Komplexität, gibt es eine beachtliche Reihe von Aufnahmen des Werkes auf CD und DVD. Mir ist besonders die DVD mit Andris Nelsons ans Herz gewachsen, die 2012 zum 50. Jahrestag der Wiedereinweihung der Kathedrale von Coventry entstanden ist.
Hier haben wir es nun mit einer italienischen Produktion zu tun, die auch in Salzburg 2013 mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Antonio Pappano leitet Chor und Orchester der ‘Accademia Nazionale di Santa Cecilia’, denen er seit 2005 vorsteht, und man spürt seine  Vertrautheit mit den Musikern und den Chorsängern jederzeit heraus.
So erwächst Gestaltungskunst auf sehr hohem Niveau! Auch die drei Solisten, die, wie bei der Ersteinspielung, aus drei verschiedenen Ländern kommen (nur dass der deutsche durch einen amerikanischen ersetzt wurde) überzeugen. Die Russsin Anna Netrebko glänzt durch die Strahlkraft ihrer Stimme, der Amerikaner Thomas Hampson ist, wie immer, nobel und generös in seiner Gestaltung. Die Palme aber gebührt dem englischen Tenor Ian Bostridge. Er muss heute als der wohl beste Britten-Interpret und als der würdige Nachfolger des legendären Peter Pears angesehen werden. Dieses italienische ‘War Requiem’ braucht keinen Vergleich zu scheuen und gehört zweifellos zur Elite der bestehenden Einspielungen.

Pappanos raffinierter Rossini
***** – Gioacchino Rossini: Ouvertüren (La Scala di Seta, Il Signor Bruschino, Il Barbiere di Siviglia, La Cenerentola, Semiramide, Le Siège de Corinthe, Guillaume Tell, Andante e tema con variazioni); Orchestra dell Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; 2014 (o.A.) – Rezension von Remy Franck
Feinzeichnung, Transparenz, Beweglichkeit, Vitalität und Eleganz sowie eine markante Präsenz der Holzbläser charakterisieren diese hoch attraktiven Aufnahmen von sieben Rossini-Ouvertüren und dem ‘Andante e tema con variazioni’. Soviel Raffinement hört man selten in diesen Kompositionen.
Ein höhenbetontes Klangbild unterstreicht die kunstvolle und musikalisch hinreißende orchestrale Brillanz.

Brillante Beatrice Rana
Supersonic – Sergei Prokofiev: Klavierkonzert Nr. 2; Piotr Tchaikovsky: Klavierkonzert Nr. 1; Beatrice Rana, Klavier, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme 07/2015, Veröffentlichung 11/2015 (67’05) – Rezension von Remy Franck
Die Italienerin Beatrice Rana hat sich mit Antonio Pappano und der ‘Accademia di Santa Cecilia’ zusammengetan, um russisches Repertoire zu erobern. Prokofievs Zweites Klavierkonzert ist in einer martialischen Interpretation zu hören. Pappano lässt seine Truppen aufmarschieren wie einst Cäsar seine Armeen in seinen größten Feldzügen. Und Rana, die Silber-Medaillengewinnerin des Van Cliburn-Wettbewerbs, die uns schon mit Schumann begeistert hatte, zeigt, dass die Musikwelt (und bitte bedenken Sie, dass ich eigentlich solche Vergleiche gar nicht mag) eine Nachfolgerin für Martha Argerich hat, mit all ihrer Kraft, ihrer Gestaltungsphantasie, ihrer Virtuosität und ihrer Musikalität, denn neben der Kraft und Vitalität gibt es auch Platz für Nuancen und subtile Farben und raffinierte Dynamik.
Der Klang der ‘Accademia’ ist phänomenal und genauso atemberaubend wie das Spiel der Pianistin. Wenn das Orchester am Schluss der Kadenz im ersten Satz des Prokofiev-Konzerts ungestüm heroisch und apokalyptisch donnernd einsetzt, bleibt einem fast das Herz stehen. Auch die Aufnahmetechniker Jonathan Allen und Giacomo di Caterina  verdienen höchstes Lob für das mächtige und physisch ergreifende Klangbild sowohl im Prokofiev-Konzert wie auch im Ersten Tchaikovsky, dessen Opulenz kaum zu überbieten ist. Das ist ein 35 Minuten langes, emphatisch rauschendes Klangfest!
Bei allem Sound-Streben bleiben perfektes Zusammenspiel und nuancierte dynamische Entwicklungen nicht auf der Strecke, und Pappanos Stilgefühl bewahrt die Musik vor jeder Schwülstigkeit.
Im Klavier bildet sich unter Ranas musikalischen Fingern ein spannungsvoller Wechsel von zarten, feinsinnigen Figuren und Klangeruptionen von überbordender emotionaler Wucht, alles eingebunden in ein spannungsvolles Rubato von allererster Güte.
Da gibt es keinen Zweifel: Seit Argerich und Abbado (Berlin 12996) hat es keine so elektrisierende Aufnahme des Tchaikovsky-Konzerts mehr gegeben.

Klangpracht für Saint-Saëns
**** – Camille Saint-Saëns: Symphonie Nr. 3 (Orgelsymphonie) + Le Carnaval des Animaux; Daniele Rossi, Orgel, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Martha Argerich, Antonio Pappano, Solisten des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia; Aufnahme 04+11/2016, Veröffentlichung 22/09/2017 (61’26) – Rezension von Remy Franck
In Camille Saint-Saëns’ Orgelsymphonie lässt Antonio Pappano sein ‘Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia’ opulent und in schönsten Farben spielen, geschmeidig und mit hoher Präzision.
Und trotz dieser Klangpracht ist es die langsame Steigerung im 2. Satz, die am meisten beeindruckt (in ihrer edlen Schönheit erinnert sie an die Chung-Aufnahme mit dem Orchester der ‘Opéra Bastille’ von 1991) und die großartige Spannung in einem fulminanten und drängenden 3. Satz auflöst.
Der trotz Inkompatibilität nicht selten mit der Orgelsymphonie gekoppelte ‘Carnaval des animaux’ lebt von der Spielfreude der Musiker und vor allem der beiden Pianisten, die offensichtlich darauf aus waren, sich gegenseitig zu übertreffen. Der Funke ist auf die ‘Santa Cecilia’-Solisten übergesprungen. Gespielt wird absolut brillant, aber auch etwas vorbereitet und berechnet. Der Tontechniker spielt da mit seinen starken rechts-links Effekten mit. Es geht in dieser Interpretation vor allem um das Effektvolle in der Musik, und das lässt den Humor der Komposition etwas steril werden.
Humor ist in der Musik kein dominierendes Ausdrucksmittel – wohl weil er sehr peinlich wirken kann. Umso amüsanter wirken humorvolle Kompositionen, wenn sie wirklich gut, d.h. anspruchsvoll in ihrem Humor, aufgeführt werden.
Beispielsweise hatten uns Julian Reynolds, Peter Lockwood und das ‘Concentus Bestiales’ (auf Globe, 1996) in diesem Stück mehr amüsiert als die Pappano-Truppe das tut, und nicht nur die oberflächliche Komik herausgeholt, sondern die Parodie auf die Spitze getrieben. Hier bleibt es bei technischer Brillanz.
Antonio Pappano and his Santa Cecilia Orchestra have recorded the Organ Symphony live. The performance is really opulent and exciting, yet the most impressive movement is the very beautiful and moving Adagio. The Carnival of the Animals is heard in a technically outstanding version, but despite all its brilliance the show is less humorous than expected.

Glaubenssuche
***** – Leonard Bernstein: Symphonien Nr. 1-3, Prelude, Fugue & Riffs; Nadine Sierra (Sopran), Marie-Nicole Lemieux (Mezzosopran), Josephine Barstow (Sprecherin), Beatrice Rana (Piano), Alessandro Carbonare (Klarinette), Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahmen 02/2018, Veröffentlichung 08/2018 (113′) – Rezension von Uwe Krusch
Wiederholt haben wir hier schon auf das Schicksal der Ein-Werk-Komponisten hingewiesen. Denen kann Leonard Bernstein in gewisser Weise mit seiner ‘West-Side-Story’ hinzugerechnet werden, die seine übrigen Kompositionen in ihrer Bekanntheit deutlich in den Schatten stellt. Dank des Jubiläumsjahres zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein, genannt Lenny, werden in diesem Jahr auch die anderen Werke aufgeführt und eingespielt. Nach seinen eigenen Worten sollten alle seine Werke theatralische Musik sein und insofern besteht eine Brücke zwischen allen.
Seine drei Symphonien sind seine persönlichsten Werke, da sie die Krise, seine Suche nach und die Erkenntnis für den Glauben und damit verbunden das Leiden des Menschen in Töne fassen.
Die Erste Symphonie basiert auf wörtlichen oder intuitiv empfundenen hebräischen Motiven. Die zweite ist eine Auseinandersetzung mit dem Gedicht ‘Das Zeitalter der Angst’ von W. H. Auden und in die dritte fließt über die Widmung an den kurz vor Vollendung ermordeten John F. Kennedy ein Kommentar zum Zeitgeschehen ein.
Musikalisch wählt Bernstein besondere Darstellungsformen, um seine Gedanken zu verdeutlichen. In der Ersten Symphonie übernimmt ein Mezzosopran die Stimme des Jeremias, womit er die Tradition, dass nur Männer in der Synagoge sprechen dürfen, überwindet. In der Zweiten Symphonie übernimmt das Klavier sozusagen die Textrolle mit einem äußerst anspruchsvollen Part. Die dritte Symphonie, das Totengebet Kaddisch, das eigentlich Gottes Werk lobt, wiederum findet Frauen als Sprecherin und Sängerin, um die Nachdenklichkeit und das Menschliche darstellen zu können. Hatte Bernstein diese Besetzung anfangs festgelegt, um das Ewig-Weibliche herauszustellen, so hat er später die Rolle überarbeitet, um sie geschlechtsneutral zu halten. In diesem Werk wird das mit großem Schlagwerk besetzte symphonische Orchester zunächst mit Zwölftonmusik geführt, bevor es zum erlösenden Ende hin wieder tonale Sphären erreicht.
‘Prelude, Fugue and Riffs’ ist eine Hymne an den Jazz, in der Bernstein die wichtigen Stile vorstellt und trotz der ausgeschriebenen Noten, eigentlich ein Unding im Jazz, deren Charaktere wunderbar trifft.
Das ‘Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia’ ist sowohl Leonard Bernstein als auch Antonio Pappano eng verbunden. Bernstein wurde aufgrund seiner intensiven und künstlerisch wertvollen Zusammenarbeit mit dem Ensemble sogar Ehrendirigent dieses Orchesters, dem Pappano seit 2005 als Chef vorsteht. Doch auch die beiden Dirigenten verbindet eine enge Freundschaft, die den jungen Pappano mit dem ewig wissbegierigen, belesenen und energiegeladenen Bernstein zusammenführte und verband.
Insofern war es für Pappano und das Orchester ein Bedürfnis, diesen Werkzyklus zum Jubiläum aufgeführt und eingespielt zu haben. Dass sich hier Berufene zusammen gefunden haben, die sich nicht nur auf gemeinsame Erinnerungen stützen, steht außer Zweifel. Dirigent und Orchester haben sich in den letzten Jahren einen Spitzenplatz erspielt.
Diese Stellung können sie auch in dieser Aufnahme halten. Sowohl die gerade in diesen persönlichen Werken sehr leichten und kammermusikalisch besetzten Passagen als auch die kraftvollen großen Augenblicke werden jeweils atmosphärisch dicht angegangen. Die Aufnahmetechnik hat das Orchester gut durchhörbar eingefangen und trotzdem einen Gesamtklang bevorzugt, so dass das Gehörte nicht in Splitter zerbröselt.
Die Solistinnen tragen erheblich zum Gelingen bei. Marie-Nicole Lemieux gelingt es mit fokussierter, aber nicht auftrumpfender Verkörperung des Jeremias, dessen Appelle an das Volk glaubhaft darzulegen. Ihr Gesang ist klanglich ansprechend und textverständlich. Nadine Sierra als Sängerin und Josephine Barstow als Sprecherin verleihen zusammen mit den Chören, Erwachsenen- und Kinderchor der Accademia, dem Kaddish die nachdenkliche und zugleich auch voller Optimismus in die Zukunft blickende Farbe, die die Hoffnung trotz aller Krisen nicht erlöschen lässt. Josephine Barstow ist mitunter exaltiert, was dieser Rolle eigentlich nicht ganz zugrunde liegt, aber dieses beschränkt sich auf wenige Augenblicke.
Beatrice Rana am Piano, die schon mit Prokofiev überzeugt hatte, gestaltet auch hier den Klavierpart mit Virtuosität und Musikalität, ohne den Platz für Nuancen, blinkende Farben und dynamische Details außer Acht zu lassen.
Was die Interpretation von ‘Prelude, Fuge und Riffs’ angeht, so könnte man denken, dass die Italiener, denen viel Lebensgefühl nachgesagt wird, diesen Ton besonders gut treffen müssten, denn Leben steckt auch im Jazz. Allerdings ist das jazzige Amerika wild und unbändig und weniger ‘dolce far niente’, so dass diesem Werk etwas von der Spritzigkeit und auch Härte, die es ausmacht, abgeht. Alessandro Carbonare verleiht mit seiner Klarinette dem Werk ein solistisch prägendes Gesicht, das einem Spezialisten für diese Stilrichtung in nichts nachsteht.

Schlanker, detailreicher Strauss
**** – Richard Strauss: Ein Heldenleben + Burleske für Klavier & Orchester;
Bertrand Chamayou, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme 2020, Veröffentlichung 14.05.2021 (66′) – Rezension von Remy Franck
Antonio Pappano legt mit dieser CD sehr gute Interpretationen vor. Er zeigt für Strauss das richtige Gespür und schafft einen weiträumigen, schlanken, recht plastischen und ungemein detailreichen Klang. So etwas kann gehörig schief gehen, wenn neben Transparenz nicht auch der richtige Atem die Interpretation bestimmt. Und Pappano hat diesen Atem, er kann zwar insbesondere die Holzbläser zu richtigen Klangkapriolen inspirieren, aber weil Differenziertheit sein Heldenleben bestimmt, mit einem wohl überlegten Spiel mit Dynamik und Farbe, kommen Drama und Gefühlskraft gleichermaßen zur Geltung. Die lyrischen Passagen gelangen durch Wärme zu höchster Expressivität, die dramatischen Teile werden leidenschaftlich und opulent gespielt. Da hilft Pappano sicher auch seine Erfahrung mit der Opernmusik.
Superb ist auch die Klavier-Burleske, in der Bertrand Chamayou sein Talent eindrucksvoll unter Beweis stellt. Blitzsaubere, saftige Streicher, prägnantes Blech und gewandte Holzbläser haben mit den rhythmisch geschärften Darstellungen überhaupt keine Schwierigkeiten und helfen, Pappanos dramaturgische Konzeptionen optimal zu verwirklichen.

Tharaud und die ruhigen Filmmelodien
**** – Cinema; Filmmusik von Michel Legrand, John Williams, Ennio Morricone, Nino Rota, Philip Glass, Yann Tiersen, Ryuichi Sakamoto, Vladimir Cosma, Justin Hurwitz, Georges Delerue, Wojciech Kilar, Gabriel Yared, Marvin Hamlisch, Stephane Grappelli, Philippe Sarde, Claude Bolling, Carlos d’Alessio, Philippe Rombi, Jean Wiener, Francois Lai; Mitwirkende: Alexandre Tharaud, Vanessa Paradis, Sabine Devieilhe, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano;, Aufnahme 1-4.2022, Veröffentlichung 21.10.2022 (143′) –  Rezension von Remy Franck
Die Welt des Films hat schon viele sensationelle Musikstücke hervorgebracht. Und es sind nicht immer die bekanntesten Filme, die die besten Kompositionen erhalten haben. Der Beweis darf ist diese CD mit vielen bekannte und beliebten Melodien, aber auch Kompositionen aus weniger bekannten Filmen.
Alexandre Tharaud hat eine Vorliebe für ruhige, melodische Themen, die mehrheitlich die beiden CDs füllen, die erste mit Orchester, die zweite meistens solo, in einigen Fällen auch mit Begleitung. Tharaud spielt nicht nur im französischen Genre, dem wir hier oft begegnen, mit Eleganz, Leichtigkeit, sehr atmosphärisch und geschmackvoll, mit hörbarer Liebe zu dem, was er uns anzubieten hat.
Eleganz und stilistische Raffinesse kennzeichnen auch die Begleitung durch das Orchestre dell Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Pappano.

Pappano mit Rossinis opernhafter Messa di Gloria
***** – Gioacchino Rossini: Messa di Gloria; Eleonora Buratto, Teresa Iervolino, Lawrence Brownlee, Michael Spyres, Carlo Lepore, Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme 01.2022, Veröffentlichung 07.10.2022 (61’10) – Rezension von Remy Franck
Rossini komponierte seine Messa di Gloria für die Arciconfraternita di San Luigi in Neapel als er Musikdirektor des Teatro di San Carlo war. Sie hat die traditionelle Form einer Gloria-Messe, d.h. ohne Credo, Sanctus und Agnus Dei.
Dennoch hat sie wenig mit den Gloria-Messen anderer Komponisten zu tun, denn sie ist mit einem ungemein einfallsreichen Orchesterpart, virtuosen Arien und Cabalettas sehr opernhaft, und zudem sehr anspruchsvoll. Der Tenor Michael Spyres bezeichnet sie gar als eine « der anspruchsvollsten Vokalpartituren, die Rossini jemals verfasst hat. » Das bereitet ihm aber keine Probleme, denn zusammen mit dem anderen Tenor, seinem Landsmann Lawrence Brownlee, brilliert er in dieser aparten Messe. Der italienische Bass Carlo Lepore vervollständigt das Herrentrio mit guter, flexibler Stimme.
Die Sopranistin Eleonora Buratto und die Mezzosopranistin Teresa Iervolino singen beide mit frischer und geschmeidiger Tongebung.
Unter der Leitung von Antonio Pappano singen und spielen die Ensembles der Accademia Nazionale di Santa Cecilia mit Engagement und jenen vielen Farben, die diese Musik verlangt.

Fokus auf die Handlung statt auf die Musik
** – Nikolai Rimsky-Korsakov: Scheherazade op. 35; Modest Mussorgsky: Eine Nacht auf dem kahlen Berge (in der Orchesterversion und in der Fassung für Chor & Orchester für die Oper ‘Der Jahrmarkt von Sorotschynzi’; Dejan Vatchkov, Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano; Aufnahme 2023, Veröffentlichung 22.03.2024 (69’30) – Rezension von Remy Franck
Auf eine Scheherazade mit Pappano hatte ich mich gefreut. Aber die Erwartung wurde enttäuscht. An dieser Aufnahme klingt vieles falsch. Pappano interessiert sich am meisten für das Personendrama und entsprechend stark wendet er sich diesem zu. Er tut das in intimistischem Rahmen, dynamisch sehr reduziert, mit vielen liebevoll herausgearbeiteten Details und kontrastiert so dieses Intime mit dem Orchesterrausch den Rimsky-Korsakov vorgesehen hat. Aber diese Differenzierung ist für mein Empfinden zu stark, sie wirkt unnatürlich und beeinträchtigt den Fluss der Musik. Vor lauter Details und Einzelszenen sieht man das Ganze nicht mehr, und die Musik wird anekdotisch.
Transparenz im Orchesterklang ist ja etwas was wünschenswert ist, aber hier geht sie auf Kosten des symphonischen Impacts. Das liegt auch an der Aufnahme,  die sehr in die Tiefe angelegt ist und das Orchester nicht mehr wirklich zusammenhält, weil die Distanzen einfach nicht stimmen und die Geigen viel zu dünn klingen in dem Ganzen.
Eine Scheherezade lebt von orientalischem Zauber und klanglicher Opulenz. Das zusammen zu bringen ist Pappano nicht gelungen, nicht zuletzt wegen durchgehend zu breiten Tempi.
Mussorgskys Nacht auf dem Kahlen Berg ist von der Interpretation her viel besser, aber die Aufnahme ist immer noch wegen falscher Distanzen im Klangraum nicht besonders gut. Von Interesse ist der letzte Track mit der Fassung für Chor & Orchester für Mussorgskys Komische Oper ‘Der Jahrmarkt von Sorotschynzi’.

Giuseppe Verdi: Messa da Requiem; Quattro Pezzi sacri; Ave Maria; Libera me (aus Messa per Rossini)
Gioachino Rossini: Stabat Mater; Petite Messe solenelle; Messa di Gloria; La Scala di Seta-Ouvertüre; Il Signor Bruschino-Ouvertüre; Il Barbiere di Siviglia-Ouvertüre; La Cenerentola-Ouvertüre; Semiramide-Ouvertüre; Le Siege de Corinthe-Ouvertüre; Guillaume Tell-Ouvertüre; Andante e tema con variazioni
Serge Prokofiev: Klavierkonzert Nr. 2
Leonard Bernstein: Symphonien Nr. 1 « Jeremiah », Nr. 2 « The Age of Anxiety », Nr. 3 « Kaddish »; Prelude, Fugue and Riffs für Klarinette & Jazz-Ensemble
Benjamin Britten: War Requiem op. 66
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 8 (Haas-Version)
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 6
Piotr Tchaikowvsky: Symphonien Nr. 4-6; Klavierkonzert Nr. 1; Francesca da Rimini op. 32; Romeo & Julia; Walzer aus Eugen Onegin; 1812-Ouvertüre op. 49 (Version mit Chor); Andante cantabile
Serge Rachmaninov: Symphonie Nr. 2
Ottorino Respighi: Fontane di Roma; Pini di Roma; Feste romane; Il Tramonto
Richard Strauss: Ein Heldenleben op. 40; Burleske d-moll für Klavier & Orchester
Edouard Lalo: Cellokonzert d-Moll
Antonin Dvorak: Symphonie Nr. 9 « Aus der neuen Welt »; Cellokonzert op. 104; Rondo g-Moll op. 94 für Cello & Orchester
Camille Saint-Saëns: Symphonie Nr. 3 « Orgelsymphonie »; Allegro appassionato op. 43 für Cello & Orchester; Karneval der Tiere
Alexander Glazunov: Melodie op. 20 Nr. 1 für Cello & Orchester
Pablo Casals: El Cant dels Ocells
Anatoly Liadow: Der Zaubersee op. 62
Nikolai Rimsky-Korssakov: Scheherazade op. 35
Modest Mussorgksy: Eine Nacht auf dem kahlen Berge (in der Orchesterversion & in der Fassung für Chor & Orchester zur Oper Sorocincy Fair)
Cinema – Michel Legrand: Concertino « Summer of ’42 »; The Windmills of your Mind & His Eyes, her eyes aus The Thomas Crown Affair; Main Theme aus La Vie de Chateau; Concerto aus Les Demoiselles de Rochefort; John Williams: Over the Moon aus E. T.; Main Theme aus Sabrina; Philippe Sarde: Main Theme aus Les Choses de la Vie; Main Theme aus Le Chat; Claude Bolling: Main Theme aus Borsalino; Georges Delerue: Camille aus Le Mepris; Wojciech Kilar: Generique aus Le Roi et l’oiseau; Ennio Morricone: Main Theme aus Cinema Paradiso; Il Colore dei suoi occhi aus La Disubbidienza; Francis Lai: Concerto pour la fin d’un amour aus Un Homme qui me plait; Emmanuelle’s Theme aus Emmanuelle II; Vladimir Cosma: Final aus L’As des as; Chere Marylin aus Un Elephant ca trompe enormement; Sirba aus Le Grand Blond avec une chaussure noire; Gabriel Yared: L’Amant; Marvin Hamlish: The Way we were; Ryuichi Sakamoto: Main Theme aus Tacones Lejanos

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