Die Jüngste im Bunde hat 16 Jahre, dennoch tritt Nina Gringolts mit dem Selbstverständnis einer erfahrenen Violinistin auf, die sich mit ihrer Musik mitteilen will. Und so erlebten wir auch die weiteren Interpreten beim Konzert der Stipendiaten – die Ältesten sind Jahrgang 2000 –  von Ana Chumachenco in Eschen. Ihr gewissenhafter und einfühlsamer Partner am Klavier war Mamikon Nakhapetov. Guy Engels berichtet.

Mit einem Feuerwerk aus Spielwitz, blühender Fantasie und stupender Fingerfertigkeit setzte Kevin Zhu den Schlusspunkt an diesem vollauf gelungenen Konzertabend. Seine Carmen-Fantasie von Franz Waxman war mehr als die blosse Aneinanderreihung beliebter Melodien, mehr als nur Saiten-Akrobatik – es war die beeindruckende Symbiose von Opernreminiszenzen und höchster Spieltechnik zu einer farbenreichen, stimmungsvollen Verneigung vor Bizet.

Eine ganz besondere Atmosphäre schuf auch Uros Adamovic gleich zu Beginn des Abends mit einer ähnlich angelegten Komposition: Tzigane von Maurice Ravel. Er zog die Zuhörer mit seinem warmen, leicht melancholischen Klang  – ein slawischer Unterton war nicht zu überhören – in den Bann. Daraus entwickelte sich über die Dauer des Werkes eine Energie geladene, fein tänzerische und ausdrucksstarke Interpretation.

Anastasia Dziadevych zeigte ebenfalls ein Faible für das Tänzerische, hier in seiner ausgeprägten klassischen Leichtigkeit und Transparenz. Ihr Rondeau brillant D 895 von Franz Schubert liess uns das Leuchten in den Augen des Komponisten erahnen. Der feine, zarte, helle Klang belebte das Geschehen immer aufs Neue, dies auch dank der erfreulichen kommunikativen Art der Violinistin.

Schwere, Gefühlsduselei verbat sich auch Eva Lesage in den Sätzen eins und zwei von Beethovens dritter Sonate. Mit einem geradezu schwebenden Klang liess sie ihr Instrument singen, die Musik atmen und suchte immer wieder den Dialog mit dem Klavier. Vor allem im Adagio gelangen der Geigerin einige wunderbar traumhafte Momente.

Nina Gringolts hatte sich ebenfalls für ein Werk der Wiener Klassik entschieden: das Eingangsallegro aus Mozarts drittem Konzert. Auch hier erlebten wir Authentizität, persönliches Musizieren in zarter Klarheit. Nina Gringolts hielt die Musik ständig unter leichter Spannung, immer im Fluss, als wäre sie ein unendlich sprudelnder Quell aus Klängen.

Franz Schubert gab es dann noch einmal mit João Marinho, der zwei Sätze aus der Sonate D 574 spielte. Einmal mehr erlebten wir Musik als ganz persönliche Überzeugung, die Marinho mit seinem Publikum teilen möchte. Sein Schubert war ebenso einfühlsam wie lebhaft, ohne romantische Plattitüden, ganz einfach echt und intuitiv.

So kennen wir inzwischen auch Leonhard Baumgartner, Discovery Award der International Classical Music Awards 2023: ein Musiker, der aus innerer Kraft heraus  zu gestalten weiss . In Eschen war es Robert Schumanns C-Dur-Fantasie, die Baumgartner in allen möglichen Schattierungen interpretierte. Engagiert, zupackend und sehr persönlich ermöglichte er uns Einblicke in die oft aufgewühlte Seele Robert Schumanns.

 

 

 

Das Konzert sowie die Interviews mit den Studenten können Sie online unter www.kulmag.live kostenlos und jederzeit anschauen.

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