Giuseppe Verdi: I Due Foscari; Placido Domingo (Francesco Foscari), Francesco Meli (Jacopo Foscari), Maria Agresta (Lucrezia Contarini), Maurizio Muraro (Jacopo Loredano), Samuel Sakker (Barbarigo), Rachel Kelly (Pisana), Lee Hickenbottom (Fante); Regie: Thaddeus Strassberger; Royal Opera Chorus, Orchestra of the Royal Opera House, Antonio Pappano; 1 Blu-ray Opus Arte OA BD7197 D; Bild 16:9; Stereo & Surround; Aufnahme 10/2014, Veröffentlichung 05/2016 (122') – Rezension von Manuel Ribeiro

‘I due Foscari’ ist ein Werk des jungen Giuseppe Verdi, das man zu Unrecht eher selten auf der Bühne erleben kann. Mit 34 Jahren war Verdi an der Spitze der italienischen Opernwelt angekommen und 1848 schrieb er an seinem Librettisten Francesco Maria Piave: « Wenn die Thematik von Natur aus traurig ist, kann es leicht passieren, dass durchweg Grabesstimmung herrscht – wie beispielsweise bei Foscari. Die Oper ist ihrem ‘Anstrich’ von vorne bis hinten zu einförmig.“ Eine verwirrende Aussage über diese düstere Handlung, die sich hauptsächlich auf drei Rollen konzentriert, den Dogen Francesco Foscari, seinen letztlebenden Sohn Jacopo Foscari sowie dessen Frau Lucrezia.

‘I due Foscari’ erzählt die Tragödie eines einzelnen Mannes, des Dogen, der trotz seiner Macht, trotz Insistenz seiner Schwiegertochter seinen eigenen Sohn nicht retten kann. Jacopo Foscari wurde nämlich wegen Mordes angeklagt, und muss nach Kreta ins Exil. Man versteht also den inneren Konflikt des Vaters, zwischen der Liebe zu seinem Sohn, und seiner Aufgabe als Doge.

Thaddeus Strassberger feierte mit dieser Regieführung sein Debüt im ‘Royal Opera House’. Das Bühnenbild bleibt minimalistisch und zeitlos. So kann sich der Zuhörer aufs Wesentliche konzentrieren. Die schönen Kostüme und das Lichtspiel zwischen begrenzter Helligkeit und Dunkelheit sind wichtige Symbole von Hoffnung und Grausamkeit. Die Bildästhetik erinnert bewusst an Bilder von Caravaggio.

Die Stimme des Tenors Francesco Meli klingt frisch und passt in den vielen Duetten wunderbar zu jener von Maria Agresta. Diese hat eine vollklingende Stimme, lange Bögen bewältigt sie problemlos und singen tut sie im Übrigen auch mit Herz.

Placido Domingo, hier wieder einmal als Bariton zu hören, kann immer noch überzeugen. Auch wenn seine Stimme nicht mehr die Frische, Brillanz und Klarheit der Vergangenheit besitzt, ist sein Charisma als Doge so groß, dass die kleinen Mängel im Vokalen gut aufgewogen werden.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Maurizio Muraro in der Rolle des Loredano.

Chor und Orchester des ROH, sind wie erwartet, unter Antonio Pappanos Leitung absolut tadellos und starke Partner für das Sängerensemble.

In a minimalistic staging the audience can focus the essential drama of this opera. Francesco Meli and Maria Agresta form a superb and vocally homogeneous couple, while Placido Domingo, here again as baritone, is so charismatic that the missing freshness of his voice is more than compensated. 

 

 

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