Serge Prokofiev: Klaviersonate Nr. 4 + Klavierstücke op. 12 + Toccata op. 11; Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin; Nathalia Milstein, Klavier; 1 CD Mirare MIR 350; Aufnahme 09/2016, Veröffentlichung 03/2018 (74') – Rezension von Remy Franck

Und wenn Prokofievs Vierte Klaviersonate doch nicht unbedingt so düster klingen muss, wie es uns vor allem männliche Interpreten ‘verkaufen’ wollten? Wo Donohoe oder Bronfman z.B. mit viel Strenge vorgehen, sehr kontrastreich auch (vor allem Bronfman), nimmt sich die 23-jährige Nathalia Milstein Zeit, um nach mehr Farben und Nuancen zu suchen. Sie betont das Reflektive, ergründet das mysteriöse Innere der Musik und erweitert so das emotionale Spektrum der Sonate. Auch das Finale bleibt insgesamt weicher. Eine wirklich bereichernde Interpretation!

Auch die 10 Stücke für Klavier op. 12 differenziert die Pianistin sehr fein und im Großen und Ganzen viel inspirierter und sicher auch charmanter als Prokofiev in seiner eigenen Einspielung dieser Komposition.

Milsteins Färbungen in Ravels ‘Tombeau de Couperin’ sind ebenfalls sehr interessant, genau wie ihre rhythmische Flexibilität, und ihr Spiel wird Ravels Aussage, die Stücke, die er für im Krieg gefallene Freunde schrieb, sei eher eine Hommage an das Leben als Ausdruck von Trauer, sehr gut gerecht.

Mit einer fulminanten Darbietung von Prokofievs Toccata op. 11 beschließt Nathalia Milstein ihr Programm hoch virtuos.

With a very fine, colourful and well nuanced interpretation of Prokofiev’s Fourth Sonata Nathalia Milstein adds a rich and truly inspired performance to the discography of this work. No less brilliant are the 10 Pieces op. 12 and the Toccata.

 

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