Eugène Ysaÿe: Sonaten für Solovioline; Bach: Gavotte, Präludium; Enescu: Impressions d’enfance; Kreisler: Rezitativ und Scherzo-Caprice; Tartini-Kreisler: Teufelstriller Kadenz; Sergey Malov, Violine; 1 CD Solo Musica SM 275; Aufnahme: 02/2017, Veröffentlichung 09/2017 (79'38) – Rezension von Uwe Krusch

Schon auf dem Titelbild der CD wird deutlich, wie tief Sergey Malov sich in seine Aufgabe hineingedacht hat. Das Foto in schwarz-weiß zeigt ihn in einer Pose, als ob er selber Eugene Ysaÿe sei, dem diese Aufnahme gewidmet ist. Neben ihm steht ein altes Grammophon… Diese Hinwendung in die Zeit geht soweit, dass an einigen Stellen die Vorspiele mit einem Rauschen wie auf alten Aufnahmen eingeleitet werden.

Bildet auch Ysaÿe den Mittelpunkt dieser Einspielung, so werden seine sechs Solosonaten in der Tat jeweils mit einem Vorspiel eingeführt. Dazu hat Malov Verbindungen geschaffen. Jede Sonate von Ysaÿe ist einem der anderen großen Geiger seiner Zeit gewidmet. Und jeder dieser Geiger hatte natürlich seine Lieblingsstücke, die er gerne und besonders gut spielte, was wir durch frühe Aufnahmen und zeitgenössische Stellungnahmen wissen. Und jeweils dieses Schmankerl stellt Malov der jeweiligen Sonate von Ysaÿe voran. Welch ein Wunder, dass es sich wieder um Werke großer Geigenkomponisten handelt, also Bach, Enescu, Kreisler und Tartini. Dabei kommen dann auch kleine Raritäten wie das einzige Soloviolinwerk von Kreisler, ‘Rezitativ und Scherzo-Caprice’ zu Gehör.

Die gedankliche Zuwendung in die Zeit der Entstehung der Ysaÿe-Sonaten und die Protagonisten der Zeit bewirkt noch mehr. Malov wählt eine Herangehensweise, die zu einer höchst intensiven, aber musikalisch fast schon zurückhaltenden Interpretation führt, wie es eben auch die Widmungsträger pflegten. Technik und Können dienen der Musik und nicht der eigenen Zurschaustellung. Wer also die große Virtuosität erwartet, wird mit dieser Aufnahme unzufrieden sein. Sie wird bei vollem, inbrünstigem Ausdruck nur partiell ausgekostet, etwa bei der dritten Sonate, der Ballade.

Dass Malov dabei auch noch sein Violoncello da spalla, ein Armcello, spielt und so das Intermezzo einer Cellosonate und bei Tartini das Basso continuo ergänzt, erhöht den Reiz, da er auch dieses Instrument ebenso wie die Viola beherrscht. Dieses streichende Multitalent hat bewegendes durch sein Spiel zu sagen, wenn auch manches ungewohnt klingen mag.

Ysaÿe’s violin sonatas of are the core of this recording. But Sergey Malov chose a prelude to each sonata from another composer. His playing focusses not so much on virtuosity but rather on a most passionate expression.

 

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