Es ist gigantisch. In 65 Metern langen Regalreihen lagern fünf Millionen CDs, SACDs, DVDs und Bu-ray Discs, und das einzige, was man hört, ist der Klang der Klimaanlage. In Poing bei München befindet sich ‘Naxos Global Logistics’, das weltweit größte Klassik-Musiklager der Welt, von wo aus die Platten von ca. 200 Labels in alle Welt verschickt werden.

Eine fast gespenstische Ruhe herrscht in dem Lager mit den in Ton- und Bildträger gepressten Klängen von Tausenden von Kompositionen, gespielt von abertausenden Künstlern. Insgesamt 90.000 verschiedene Produktionen verwaltet zurzeit das doppelt abgesicherte Computersystem.

NGL wurde im Jahr 2008 als Dienstleister für Musiklabels gegründet. Seit 2013 befindet es sich in einer 10.000 Quadratmeter großen Halle in Poing. Jedes Produkt wird am Wareneingang gescannt und an einem computermäßig erfassten Lagerpunkt abgelegt. Wenn eine Bestellung hereinkommt, sei es von einem der Naxos-Direkthändler, einem lokalen Geschäftspartner oder auch von Privatkunden, wird auf dem mit einem Barcode versehenen Bestellzettel jedes Produkt wiederum mit einem Barcode gekennzeichnet, und dann huschen Angestellte der Firma durch die Regalreihen und finden in null Komma nix den Lagerort, scannen das Produkt, um die Übereinstimmung zu gewährleisten und geben es zur Bestellung des Kunden. Fehler sind so gut wie ausgeschlossen, die Bestellung kann in kürzester Zeit abgewickelt und an eine Lieferfirma weitergegeben werden. Jeden Tag verlassen Hunderte von Paketen das Verteilzentrum.NGL1

Rund 50 Personen beschäftigt NGL mittlerweile, in Spitzenzeiten, wie kurz vor Weihnachten etwa, können es auch schon mal 70 sein.

Die Pakete mit dem blauen NGL-Klebeband kenne ich gut, werden doch Woche für Woche in der Pizzicato-Redaktion CDs und Videos angeliefert, die der Pressereferent von Naxos für uns bei NGL angefordert hat.

Mohamed El Wakil, CEO von NGL - Naxos Global Logistics mit Pizzicato-Chefredakteur Remy Franck

Mohamed El Wakil, CEO von NGL – Naxos Global Logistics mit Pizzicato-Chefredakteur Remy Franck

Eine Stärke der Fima ist natürlich, dass sie weltweit viele Kunden hat, die bei ihr ein umfassendes Service-Paket bestellt haben, das ggf. von der Herstellung bis zum Vertrieb auch Produktmanagement, gezieltes Marketing oder sogar Lizensierung umfassen kann. « Wir gestalten mit unseren Kunden einen individuellen Service-Plan, der auf die Wünsche und Anforderungen der sich ständig verändernden Marksituation zugeschnitten ist », sagt NGL-Direktor Mohamed El Wakil, der auch auf die Wahrung des Betriebsgeheimnisses gegenüber der ‘Naxos Music Group’ hinweist. Niemand von den hier vertriebenen Labels soll Zahlen der Konkurrenz erfahren. Diese Vertrauensbasis macht letztlich den Erfolg von NGL aus, denn in Poing werden mittlerweile sogar Aufträge anderer Vertriebe ausgeführt und entsprechend ohne das blaue NGL-Klebeband verschickt.

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« Wir wissen, wie wichtig die vielen Standbeine für unser Geschäftsergebnis sind », sagt Wakil und betont, seine Firma sei zukunftsorientiert und auch für neue logistische Aufgaben nicht unbedingt im Tonträgerbereich gerüstet: « Mit unserem Knowhow finden wie eine optimale Lösung für jeden Kunden. »

Während andere Vertriebe im Ausland schließen mussten und die Labels dadurch nicht nur finanziell geschädigt, sondern auch vor große Vertriebsprobleme gestellt wurden, ist NGL ein wegen seiner weltweiten Verbindungen und der Quantität der Abwicklungen ‘sicherer’ Betrieb, wo sich die Labels, wie etliche Manager uns bestätigten, bestens aufgehoben fühlen. « Der Markt ist viel zu fragil, um heute noch in Sachen Vertrieb irgendein Risiko einzugehen », sagte der Chef eines Labels, das mit NGL zusammenarbeitet. Und Wakil fügt hinzu: « Je mehr Labels wir haben, desto kostengünstiger können wir arbeiten. Davon profitiert jeder Kunde. »

 

 

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