Paul Hindemith: Complete Chamber Music for Clarinet; Klarinettenquartett + Klarinettensonate + Musikalisches Blumengärtlein und Leyptziger Allerley für Klarinette & Kontrabass + 2 Duette für Klarinette & Violine + Variationen für Klarinette & Streicher + Ludus minor für Klarinette & Cello + Klarinettenquintett op. 30; Davide Bandieri, Klarinette, Duccio Ceccanti, Violine, Vittorio Ceccanti, Cello, Matteo Fossi, Klavier, Marc-Antoine Bonanomi, Kontrabass, Joel Marosi, Cello, Quartetto Savinio, Joel Marosi, Cello; 2 CDs Brilliant Classics 95295BR; Aufnahmen 2016, Veröffentlichung 07/2017 (92') – Rezension von Remy Franck

Paul Hindemith spielte selber Klarinette und komponierte sein ganzes Leben hindurch für dieses Instrument. Der italienische Klarinettist Davide Bandieri präsentiert die gesamten Werke für Klarinette von den ersten Kompositionen aus den Zwanzigerjahren bis zu denen, die Mitte der Fünfziger entstanden. Die mithin stilistisch sehr unterschiedlichen Werke sind zum Teil für den Konzertsaal oder bloß als Hausmusik gedacht und dann entsprechend intimistisch.

Davide Bandieri und seine Kollegen musizieren durch die gesamte Literatur hindurch lebendig pointiert und mit größter Intensität. Die Brillanz der für Hindemith typischen Expressivität und das Herausmeißeln der motivischen Zusammenhänge mit glasklarem Zugriff beeindrucken genauso wie die rhythmische Prägnanz und eine große dynamische Spannweite.

Die beiden CDs zeigen aber gleichzeitig, dass Hindemiths Kammermusik durchaus nicht kalt und unpersönlich klingen muss. Die Werke werden also nicht als Schaustücke für Klangkultur präsentiert, denn Bandieri bringt in die ‘Neue Sachlichkeit’ des Komponisten durchaus auch Gefühle und Stimmungen ein. So gibt es im Quartett und auch im Quintett neben aller energischen Akzentfreudigkeit, neben dem Rhythmischen, das immer fesselt, zartesten, seelenhaftesten Ausdrucks.

Keine pure Virtuosität herrscht also hier vor, nichts Konstruiertes, kein rein auf den Intellekt bezogenes Musizieren, das nur dem Experimentellen in Hindemiths Musik Rechnung tragen würde, sondern ein Musizieren, das unser Ohr für die künstlerische Seite Hindemiths schärft.

Davide Bandieri and his colleagues have the right feeling for Hindemith’s music. They care for clarity, structure and generally the more formal aspects as well as for all kinds of expression, from rhythmic playfulness to the most delicate soulfulness.

 

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