Der Kursaal im Grand Resort Bad Ragaz

Unter dem Titel ‘Entdeckungen’ präsentierte das ‘VP Bank Classic Festival’ im ‘Grand Resort’ in Bad Ragaz drei junge Pianisten. Remy Franck hat sie gehört.

Mit Mazurken aus dem Opus 68 leitete die 2003 geborene Russin Alexandra Stychkina das Programm ein. Ein sicheres Gespür für Rhythmik und Farben kennzeichnete ihr Spiel. Die Zweite Sonate von Alexander Scriabin ist kein Stück, das man mit 15 spielen sollte. Technisch beeindruckend blieb die Interpretation doch weitgehend flach.

Mit Scarlatti begann der 1997 in Ankara geborene türkische Pianist Can Cakmur sein Programm. Er spielte die Sonaten K 454 und K 455 und bewies damit seine große Kunst, weil er nicht nur technisch spielte, sondern der Gefühlswelt des Komponisten Rechnung trug. Er musizierte klangvoll, lebendig, nuancenreich, mit vielen Farben, vielen Abstufungen zwischen Schärfe und Milde! Nur herausragende Pianisten spielen mit so viel Fantasie, Inspiration, Spontaneität und tiefer Empfindung für Scarlattis Melancholie wie auch für seine Lebensfreude! Dabei bekam die K 455 eine Antriebskraft, wie sie in so mitreißender Art nicht einmal Yuja Wang zu bieten hat.

Can Cakmur
(c) Andreas Domjanic

Doch das wirklich Magische an diesem kurzen Recital war Felix Mendelssohns Fantasie op. 28, die Cakmur im wahrsten Sinne des Wortes fantasievoll gestaltete. Er phrasierte einerseits mit großer Freiheit, ungemein souverän, mit kleinen feinen Rubatos, raffinierten Akzenten hier und dort, mit einer schönen Ausgewogenheit beider Hände, ohne dass irgendwann die Flüssigkeit des Musizierens abgenommen hätte. Es ist dieses Gefühl von Flexibilität und Ausdrucksfülle, welches das Spiel des jungen Türken so faszinierend werden ließ, und das alles mit einer Geschmackssicherheit, die bei einem 21-jährigen erstaunt.

Die dritte im Bunde war die russische Pianistin Eva Gevorgyan, gerade mal 14 Jahre alt und in diesem Jahr Gewinnerin des ‘Discovery Award’ der ‘International Classical Music Awards’ (ICMA)

Eva Gevorgyan
(c) Andreas Domjanic

Eva Gevorgyan ist eine Pianistin mit einer phänomenalen Technik, die ihr interpretatorisch keine Grenzen setzt. Das wurde gleich in Franz Liszts ‘Rhapsodie espagnole’ deutlich, wo sie den Klang des Klaviers voll ausreizte und mit einem vorzüglichen Gestaltungssinn sehr rhapsodisch, sehr farbig spielte und das spanische Kolorit ohne Übertreibung zum Ausdruck brachte.

Danach spielte sie ein richtiges Showstück, die ‘Etude en forme de valse’ von Camille Saint-Saëns, die sie mit einzigartiger Bravour absolut brillant darbot.

Eva Gevorgyan ist zwar erst 14 Jahre alt, aber sie ist eine richtige Klavierlöwin, eine souverän auftretende Pianistin, die, wie wir wissen, nicht nur virtuose Musik, sondern auch Beethoven und Haydn zuverlässig interpretieren kann, immer mit dem inneren Feuer einer Vollblutmusikerin.

 

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