Lauter Einser
Die deutsche Pianistin Uta Hielscher, bekannt geworden als Klavierbegleiterin ihres Mannes Thomas E. Bauer, hat für ihre erste Solo-CD ein Bach-Chopin-Programm zusammengestellt (1. Partita, 1. Französische Suite, 1. Ballade, 1. Walzer, 1. Impromptu und 1. Scherzo). Kein Wunder, dass bei so vielen Einsern die CD ‘Project Number One’ heißt. Aufgenommen wurde sie in einem der mittlerweile attraktivsten Kammermusiksäle Bayerns, in Blaibach, den Uta Hielscher selbst leitet. Flüssiger Bach und ein farblich sowie agogisch sehr differenzierter Chopin zeichnen diese CD aus, von der mir vor allem eine emotional tief ausgelotete, sehr spannende 1. Ballade in Erinnerung bleiben wird (Oehms Classics OC 1835).

Klangmalerisch
CD-virtuoso_violinmusikDie Dresdner Kapellsolisten und die Geigerin Susanne Branny spielen unter der Leitung von Helmut Branny ‘Virtuose Violinmusik’, wie das CD-Cover besagt. Neben einer etwas ‘vorbereitet’ wirkenden, durchaus aber nicht einfallslosen Aufnahme der ‘Quattro Staggioni’ von Vivaldi interessiert vor allem eine sehr klangmalerische Interpretation der ‘Don Quichotte Suite’ von Georg Philipp Telemann, die durch die herzige Darstellung des Ritters und seines Sancho Pansa überaus reizvoll wird (Ars Produktion 38 190).

Dünn und manieriert
cd-rach-pari-jaerPaavo Järvi hat für Erato (#08256646195794) ein ganzes Rachmaninov-Programm mit dem ‘Orchestre de Paris’ aufgenommen, mit als Hauptwerken der 3. Symphonie und den ‘Symphonischen Tänzen’. Unglücklicherweise (für Warner) erscheint die CD fast zeitgleich mit der Oehms-Classics-Produktion, auf welcher Dmitrij Kitajenko dieselben Werke dirigiert. Der Vergleich ist fatal nicht nur für das ‘Orchestre de Paris’, dessen ‘dünnes’ Spiel nicht einmal entfernt die Qualität des Gürzenich Orchesters erreicht, das Kitajenko zu einem wunderbar farbigen Spiel inspiriert, er fällt auch zu Ungunsten Järvis aus, der mit viel Detailarbeit den Überblick und den Atem verliert und letzten Endes durch sein ständiges ‘Getue’ manieriert wirkt. Wer also die beiden Werke in zuverlässigen, perfekt geatmeten Interpretationen hören will, soll zur Oehms-CD greifen.

Klavier mit und ohne Glöckchen
CD-Tish-Stav-BisDer russische Komponist Boris Tishenko (1939-2010) hat 11 Klaviersonaten komponiert. Zwei davon spielt der französische Pianist Nicolas Stavy auf einer SACD von BIS, die Siebte zusammen mit Jean-Claude Gengembre, der die Glocken bedient, welche in dieser formal ungewöhnlichen Sonate neben dem Klavier zu hören sind und für interessante Klangtexturen sorgen. Aber auch die übrige Musik hat kommunikative Kraft, einerseits wegen des phänomenalen Ideenreichtums von Tishenko, andererseits wegen des kompromisslosen Engagements, mit dem Nicolas Stavy die Musik eindringlich macht, sei es in hoch virtuosen, manchmal explosiven Passagen oder in den eher kontemplativen langsamen Teilen der beiden Sonaten (BIS 2189).

Flötenmusik von Johann Adolph Hasse
cd-hasse-es-durJohann Adolph Hasse war ein Meister der Oper, komponierte aber auch Konzerte sowie Sonaten und bediente dabei vor allem die Flöte. Davon zeugt die CD mit Imme-Jeanne Klett und dem ‘Elbipolis Barockorchester Hamburg’, auf der neben Sonaten und Konzerten auch zwei Duette des Briten Robert Valentine (1674-1735) erklingen, die Klett mit Nele Lamersdorf spielt. Neben dem agilen und fein nuancierten Spiel von Imme-Jeanne Klett gefällt auch das Spiel des klein besetzten ‘Elbipolis Barockorchesters’, das bei aller kammermusikalischen Transparenz, dem Flötenklang doch einen kohärenten und runden, wunderbar bassfundierten Ensembleklang gegenüber stellt. Lob verdient auch der Tonmeister (Es-Dur ES 2062)!

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