BRITISCHES LIEDGUT ZUM ENTDECKEN
Der britische Bariton Simon Wallfisch hat eine ganze CD mit Liedern des britischen Komponisten Geoffrey Bush (1920-1998) aufgenommen (Four Songs from Herrick’s Hesperides, 7 Greek Love Songs, 5 Spring Songs, Stevie Smith Songs, 3 Songs of Ben Jonson, The End of Love, 5 Medieval Lyrics). Am Klavier begleitet von Edward Rushton gelingt es Wallfisch mit seiner wendigen und extrem hellen, fast tenoralen Baritonstimme, die oft süße Melodik der Lieder von Geoffrey Bush sehr klangdarstellerisch herauszuarbeiten. Die Textverständlichkeit ist ebenso beeindruckend, was Wallfisch zu einem für das Liedrepertoire prädestinierten Sänger macht (Lyrita SRCD343).

BACH, TIEF, SCHNELL, RHYTHMISCH UND KLEIN BESETZT
CD-AAQM-Orchestral suitesRichard Egarr hat mit der ‘Academy of Ancient Music’ Johann Sebastian Bachs ‘Vier Orchestersuiten’ aufgenommen. Die aufführungstechnischen Charakteristiken sind die ‘one-to-a-part’-Besetzung und die tiefe Stimmung A=392. Dadurch wird einerseits Klangopulenz, andererseits Klangbrillanz vermieden. Die Orchestersuite erlangen hier den Charakter von Kammermusik. Das unterscheidet diese Neuaufnahme erheblich von Freiburger, Berliner und Kölner Klängen, zumal Egarr schnelle Tempi wählt und die Musik auch rhythmisch schärft. Ob man Bach so mag, muss letztlich jeder für sich entscheiden (AAM 003).

OPERA OMNIA, SCHADE, LEIDER NICHT MEHR ALS DREI
CD-siewinski-andrzej_duxVom polnischen Komponisten Andrzej Siewiński ist nicht sehr viel bekannt. Er lebte am Anfang des 18. Jahrhunderts, und von seinen Kompositionen sind nur die drei bekannt, die jetzt auf einer CD von Dux zu hören sind. In diesen drei Werken zeigt sich freilich eine derart große Kunstfertigkeit, dass man nur bedauern kann, nicht mehr von diesem Komponisten hören zu können als ein ‘Ave Regina caelorum a 8’, ein ‘Officium parvum Immaculatae Conceptionis BVM’ und ein nicht einmal halbstündiges ‘Requiem’, die ‘Missa pro defunctis a 9’. Die Musik bietet der ‘Schola Gregoriana Sancti Casimiri’ und dem ‘Ensemble Diletto’ unter Anna Moniuszko die Möglichkeit, ihre hohe artistische Qualität unter Beweis zu stellen. Der Klang der ‘Schola Gregoriana’ ist federleicht wie eine Daunendecke, sehr flexibel und auch intonationssicher. Es ist genau diese Poesie der Einfachheit, die Andrzej Siewińskis Musik braucht, um aufzublühen (Dux 1132).

MOZART UND CHOPIN IN GLEICHSCHALTUNG
CD-Dialogue eudoraDie Musik erlaubt dem talentierten Interpreten vieles. Und wenn einer Chopin und Mozart auf einen Nenner bringen will, ist das irgendwie auch möglich. Das geschieht auf einer Eudora-SACD unter den Fingern des heute 67-jährigen spanischen Pianisten Joseph Colom. Nun wird Mozart nicht einfach ‘chopiniert’ und Chopin nicht ‘mozartiert’. Colom versucht vielmehr, die Grenzen zwischen Klassik und Romantik zu verwischen und eine gemeinsame Ausdrucksweise für beide Komponisten zu finden. Die Mittel dazu sind extrem flexible Tempi und eine reduzierte dynamische Bandbreite. Auch mit Verzierungen spart Colom nicht. Bei ihm wird ferner die Nachdenklichkeit die Meditation als wichtiges Ausdrucksmittel sehr betont. Das alles mag Puristen stören: die Wirkung ist aber zweifellos gross, denn die Musik beider Komponisten bekommt eine tiefe Ausdruckskraft. Eine nicht nur interessante, sondern eine sehr persönliche Schallplatte, die jedem aufgeschlossenen Hörer eine schöne und bereichernde Erfahrung garantiert (Eudora 1402).

FÜR ADEPTEN MYSTISCH VERBRÄMTER MUSIK
CD-Magnificat2LDie ‘Trondheim Solistene’ und der ‘Niderosdomens jentekor’ haben unter Anita Brevik ein Programm mystisch verbrämter zeitgenössischer Musik aufgenommen. Hauptwerk ist das rund 40 Minuten lange ‘Magnificat’ des 1980 geborenen norwegischen Komponisten Kim André Anesen. Dazu gibt es von Aaron Kay Kernis die ‘Musica Celistis’ und zwei kleine Stücke von Ola Gjeilo, ‘Tunra’ und ‘Song of the Universal’. Samt und sonders ist das Musik, die, bei einfacher Melodik, ganz auf die Ausbreitung eines schillernden Gesamtklangs sowie auf daraus resultierende Klangmystik angelegt ist und oft bis an die Grenze des Seichten und Trivialen herabsinkt. Morten Lindberg gibt dieser Musik in seiner Surround-Aufnahme Raum, Fülle und Klarheit, und vielleicht ist es vor allem ihm zu verdanken, dass diese Schallplatte (im Set gibt es eine Blu-ray und eine SACD) eine gewisse Wirkung erlangt (2 L 106).

 

  • Pizzicato

  • Archives