Helmut Lachenmann: Harmonica. Musik für großes Orchester mit Solo-Tuba + Klangschatten – mein Saitenspiel für 48 Streicher und drei Klaviere; Yukiko Sugawara, Tomoko Hemmi, Alexander Waite, Klavier, Stefan Tischler, Tuba, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Matthias Hermann, Simon Rattle; # BR Klassik 900651; Aufnahme 03. + 05.2025, Veröffentlichung 16.01.2026 (57'52) – Rezension von Uwe Krusch ** (For English please scroll down)

Kurz nach dem 90. Geburtstag des Komponisten Helmut Lachenmann veröffentlicht BR Klassik Konzerteinspielungen von zwei der wesentlichen Werke des Jubilars.

In Harmonica, einem Tubakonzert, lotet er Grenzbereiche des Klangs aus, indem er die Musik mal eruptiv und mal verstummend einsetzt. Mit dieser *Verweigerung » (Lachenmann) entzieht er das Werk einer vertrauten Hörerwartung. Der Solotubist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Stefan Tischler, übernimmt den Solopart.

Für Tischler bietet dieses Werk eine spannende und lohnende Herausforderung. Nicht nur die Komplexität aller anzuwendenden Spieltechniken sowie die Bandbreite von zu erzeugenden Klängen sind dabei zu beachten. Obendrein hat ein Solist viele verschiedene Luftgeräusche zu erzeugen und eine breite Dynamik zu beherrschen. Auch die Phrasierung der musikalischen Abläufe im Detail und Ganzen bedürfen einer guten Auffassung. Bei gut einer halben Stunde Dauer bedarf es eines Solisten, der immer präsent ist und bleibt. Neben seinen technischen Möglichkeiten erfüllt Tischler alle gestalterischen Voraussetzungen.

In Klangschatten – mein Saitenspiel geht es um die „Rückseite“ des Klangs. Damit sind die unterdrückten und „unwillkommenen“ Anteile gemeint. Vom tonlosen oder erstickten Klang über verschiedenartiges Rauschen reicht die Palette bis hin zum physikalisch klaren Ton.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks entfaltet in den Werken, bei Harmonica mit Simon Rattle als Dirigent, bei Klangschatten mit Matthias Hermann, unterstützt und geleitet von den Dirigenten, seine ganze Fülle an Erfahrung und gestalterischer Qualität, die es in vielen Aufführungen in der Reihe musica viva gewonnen hat. Es läuft wieder einmal zu Höchstform auf. Auch hier unbeeindruckt von den ungewohnten Spieltechniken fördern sie über die reine technische Ausführung hinaus den Geist der Musik zutage.

Das wie immer in dieser Reihe umfangreiche und sehr informative, um nicht zu sagen bei der Lektüre auch fordernde Begleitheft, mit detaillierten Werkbeschreibungen und Interviews vertieft das Verständnis für diese Stücke ungemein.

Shortly after composer Helmut Lachenmann’s 90th birthday, BR Klassik is releasing concert recordings of two of his most important works.

In Harmonica, a tuba concerto, he explores the boundaries of sound by employing the music sometimes eruptively and sometimes silently. With this « refusal » (Lachenmann), he deprives the work of any familiar listening expectations. Stefan Tischler, principal tuba of the Bavarian Radio Symphony Orchestra, performs the solo part.

For Tischler, this work presents an exciting and rewarding challenge. The complexity of the playing techniques employed and the range of sounds produced must be considered, and a soloist must also be able to generate a variety of breath sounds and master a wide dynamic range. The phrasing of the musical passages, both in detail and as a whole, also requires a good understanding. With a duration of just over half an hour, a soloist who is and remains consistently present is essential. In addition to his technical abilities, Tischler fulfills all the necessary artistic requirements.

In « Sound Shadows – My String Playing, » the focus is on the « backside » of sound. This refers to the suppressed and « unwelcome » aspects. The spectrum ranges from toneless or stifled sounds to various types of noise, all the way to a physically clear tone.

The Bavarian Radio Symphony Orchestra, in these works—Harmonica with Simon Rattle conducting, and Klangschatten with Matthias Hermann, supported and guided by the conductors—unfolds its wealth of experience and artistic quality, honed through numerous performances in the musica viva series. It is once again at its peak. Here, too, unfazed by the unfamiliar playing techniques, they bring forth the spirit of the music, transcending mere technical execution.

The accompanying booklet, as always in this series, is comprehensive and highly informative—not to mention demanding—with its detailed descriptions of the works and interviews, greatly deepening the understanding of these pieces.

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