Konzerthaus Wien,
(c) Victoria Coeln

Die Interpreten, Dorothee Oberlinger, die mit ihrer Sammlung von Blockflöten angereist war sowie Nils Mönkemeyer mit seiner Bratsche im Gepäck, hatten für den Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses ein Programm mitgebracht, das es vorher noch gar nicht gab. Denn, so erfuhren die Zuhörer und damit auch Uwe Krusch für Pizzicato, für diese Besetzung gab es bis dahin keine Originalwerke.

So hatten die beiden eine Werkfolge zusammengestellt, die sie selber arrangiert hatten. Nur drei Werke wurden für die Besetzung neu geschaffen, zwei von der befreundeten griechischen Komponisten Konstantia Gourzi sowie eines vom ehemaligen Schüler von Oberlinger, dem Taiwanesen Wen Cheng Wei.

Das Duo spielte Werke von Hildegard von Bingen über Johann Sebastian Bach sowie Werke aus dem 20. Jahrhundert bis zu Gourzi. Eingestreut waren Volkstänze von der britischen Insel und aus Ungarn.

Nils Mönkemeyer
(c) Irene Zandel

Nils Mönkemeyer, auf Darmsaiten spielend, trat mit zwei Fantasien von Nicola Matteis solistisch auf, so wie Dorothee ihre Version des Preludes aus der zweiten Suite für Cello von Bach allein darbot. Ansonsten spielten sie gemeinsam, wobei der Konzertbeginn mit dem Antiphon von Hildegard von Bingen vom Bratscher allein vom Hintergrund des Saals aus erfolgte, bevor sich Oberlinger auf der Bühne dazugesellte und beide ab dann von da aus agierten.

Das Panorama der Auswahl zeigte auch die Bereitschaft, sich mit Askese und Ekstase des Klangs zu beschäftigen. So durfte das Auditorium im teilweise licht besetzten Saal ein Konzert der besonderen, vielleicht sogar einmaligen Art erleben.

Die Unterschiedlichkeit der Instrumente erwies sich als Glücksfall, da dadurch sich ergänzende Farben zusammen kamen.

Dass die beiden Interpreten sich auf ihren Instrumenten als herausragende Künstler zeigten, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Auf allen Flöten, ob Kontrabass, Tenor, Alt, Sopran oder Sopranino, wusste Dorothee Oberlinger mit der ihr eigenen Präsenz und Qualität zu reüssieren. Mönkemeyer setzte dagegen seinen samtenen Bratschenton. In den tänzerischen Stücken riefen die beiden Musiker dann zum Tanz, da sie lustig wie auf einem Volksfest aufspielten.

Dorothee Oberlinger
(c) Stefan Gloede

Die Stücke von Bach wurden, abgesehen von der Besetzung und Ausformung, mehr oder weniger klassisch vorgetragen. Nur das von Wen Cheng Wei auf der Basis der Partita für Flöte von Johann Sebastian Bach Werk komponierte Paratita schuf eine neue Sicht, da es mit gegeneinander verschobenen Originalnoten fast rockartige Klänge evozierte. Die beiden kleinen Kompositionen Only von Morton Feldman und Dream von John Cage führten noch einmal in eine andere Ecke.

The Reel of Tulloch von James Oswald und die anonyme Komposition Black Joke sowie zwei Tänze aus den 24 Duos von Béla Bartók erzeugten neben dem Dance for two von Gourzi fröhliche Stimmungen, die vom Publikum wohlwollend und auch mit stehenden Ovationen honoriert wurden. Eine weitere Invention von Bach und die Wiederholung des Reels wurden als Zugaben zur Belohnung gereicht.

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