Konzerthaus Wien,
(c) Victoria Coeln

Im Wiener Konzerthaus waren der Countertenor Jakub Józef Orlinski und das Ensemble Il Pomo d’Oro mit Musik aus dem 16. Jahrhundert zu Gast. Uwe Krusch, Pizzicato, hat die Veranstaltung verfolgte, die neben großer Sanges- und Instrumentalkunst auch eine Portion Unterhaltungselemente darstellerischer und tänzerischer Natur bot.

Unter dem Titel Beyond stand nicht nur der Abend, sondern die Beteiligten hatten vor zwei Jahren unter diesem Oberbegriff ein Album veröffentlicht, das in Teilen die jetzt auf der Bühne präsentierten Werke enthielt. Auf der Bühne boten sie aber auch andere Stücke an, blieben aber dem Kontext treu.

Auch bei diesem Auftritt standen neben bekannten Komponistennamen wie Cavalli, Marini und Monteverdi auch weniger geläufige wie Caccini, Moratelli und Barbara Strozzi. Den Schwerpunkt legten sie auch heuer mit Werken von Giovanni Cesare Netti. Dessen Rolle in Neapel war auch insofern bedeutsam, als seine beiden Melodramen »L’Adamiro« und »La Filli«, aus denen die Beiträge des Abends erklangen, als Vorläufer der Werke von Alessandro Scarlatti gelten können, der kurz danach aus Rom kommend nach Neapel wechselte.

Die 17 Stücke und drei Zugaben des Abendprogramms zeichneten ein abwechslungsreiches und intensives Bild der Epoche, bei dem Werke für den Gesang von Jakub Józef Orlinski in Begleitung des Kammerensembles gemischt mit reiner Instrumentalmusik zu hören waren. Blieb es in der ersten Hälfte des Konzertes beim rein konzertanten Auftritt, bot ein solistischer Auftritt von Miguel Rincon vom Ensemble Il Pomo d’Oro mit der Gitarre, der auch die Erzlaute und die Theorbe spielte, Gelegenheit, das Publikum zum Applaus zu animieren. Ansonsten aber wurde das Konzert ohne Pause und auch Unterbrechungen durch Applaus dargereicht, was sehr angenehm war und die Konzentration förderte. Daneben wurde vor allem Orlinski selber als Mime auf der Bühne und im Parkett sowie als Breakdancer, der er auch ist, aktiv. Damit gelang es ihm, dem Auftritt eine weitere charmante Komponente zu verleihen, ohne deswegen eine platte Show abzuziehen. Sicher, für einen Puristen mochte das etwas zu viel sein, aber für den Kritiker bot es eine ansprechende Seite, um ein klassisches Konzertformat unangestrengt  anzureichern.

Auch als Sänger wusste Orlinski einmal mehr zu überzeugen. Das gemischte Programm bot ihm nicht nur hinsichtlich der diversen Komponisten und damit Ausformungen der Musik, sondern auch thematisch mehrere Anknüpfungspunkte. Von der einfachen Linie in „Amarilli, mia bella“ von Giulio Caccini bis hin zur virtuosen Zugabe „Che m’ami ti prega“ aus Nerone von Giuseppe Maria Orlandini bot er mit jeweils angemessener Gestaltung sowohl bewebgte wie auch besinnliche Sichtweisen. Dass dabei auch die simple Schönheit seines Gesangs nicht zu kurz kam, um dann wieder in Intensität umzuschlagen, gehörte zu den Rezepten seines Wirkens. Mit seinem charakteristische Timbre ist ihm darüber hinaus etwas gegeben, was ihn unverkennbar heraushebt. Dabei überzeugte er zusätzlich mit natürlich und menschlich wirkender Gestik und Mimik.

Die Instrumentalisten von Il Pomo d’Oro in kammermusikalischer Besetzung trugen ihren guten Teil zum Gelingen bei. Mit dieser Besetzung beachteten sie die Umstände im Neapel der Zeit. Während sie in rein instrumentalen Titeln ihre Fähigkeiten auch virtuos aufblitzen ließen, fokussierten sie in der Begleitung, insbesondere in der Continuo Gruppe, auf den Sänger tragende Strukturierungen, so dass sie immer auch akustisch präsent und formend dabei waren, aber die hervorstechende Rolle beim Solisten beließen. Artikulationsreiche und gestisch formulierte Linien boten immer wieder Ansatzpunkte zum Zuhören.

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