So eine Besetzung ist nicht alle Tage zu erleben, weder im Wiener Konzerthaus noch an einem anderem Ort. Uwe Krusch besuchte für Pizzicato ein Kammerkonzert, in dem nur zwei Geiger auftraten und das Programm dementsprechend nur aus Duowerken bestand. Dass dieser Abend kein langweiliger wurde, dafür sorgten die beiden herausragenden Interpreten, Renaud Capucon und Daniel Lozakovich. Sie hatten sich auf Stücke fokussiert, die diese Besetzung besonders positiv ins Licht setzten. Störend war an diesem Abend lediglich ein Zuhörer, der wie im Fiebertraum vor allem bei intensiven Passagen die Musik mit Stimmgeräuschen zerstöhnte.
Die Interpreten starteten mit der Sonate e-Moll op. 3/5 von Jean-Marie Leclair. Dieser verschmolz als Komponist französische und italienische Stilelemente auch in den Sonaten für zwei Violinen ohne die übliche Bassstimme. Die fünfte Sonate des Zyklus begann mit einem lebhaften, rhythmisch abwechslungsreichen Satz, der vom imitatorischem Wechselspiel der beiden Interpreten geprägt wurde. Im zweiten Teil des Satzes sie mit ihrem Doppelgriffspiel ein reiches Klangbild. Die zentrale Gavotte gestalteten sie anmutig, wobei der französische Charakter am deutlichsten hervortrat. Im Finale stürzten sich die beiden Geiger in einen rasanten, temperamentvollen Galopp, womit sie die pure Freude an musikalischer Virtuosität zelebrierten. Dass sie dabei kein historisch prägnantes Bild malten, war verschmerzbar, da ihre Musizierlust solches nebensächlich werden ließ.
Im Laufe des Abends lösten sich Capucon und Lozakovich als erster bzw. zweiter Geiger ab. Da die Stücke so geschrieben wurden, dass beide Stimmen gleich stark waren, nur jeweils auf andere Weise gefordert, brachte das beiderseits keine Vor- oder Nachteile mit sich.

Capuçon & Lozakovich (PR Capuçon, X)
An zweiter Stelle folgte die Sonate von Sergej Prokofiew. Capucon und Lazakovich wussten die Einfälle des Komponisten so zu gestalten, dass dessen Ziel, trotz der beengten Besetzung Musik zu schaffen, die ohne Überdruss gehört werden kann, hörbar zu machen. Nach dem einleitenden strengen Rezitativ, gleichwohl mit großer Ausdrucksstärke angeboten, teilten sie im Cantabile ihre Anteile brüderlich. Im folgenden Allegro nutzten sie die Darstellung des Volkstanzes zur Darstellung robusten Humors und zelebrierten danach das lyrische Seitenthema. Bei so exquisiten Könnern ihres Instruments führte der musikalische Streit zu einer Jagd einander verfolgender Figuren von ansteckender Vitalität. Im Intermezzo ließen sie großes klangliches Raffinement wirken. Im Finale tanzten erneut ebenso brillant wie buffonesk die Bögen und Finger, um in der Coda ein rauschendes Presto zu kredenzen.
Aus den acht Etudes-caprices op. 18 für zwei Violinen von Henri Wieniawski hatten die Protagonisten die Nummern 1, 3 und 4 ausgewählt. Bei diesen hoch virtuosen Geigensoli des polnischen Virtuosen der Romantik handelte es sich um Konzertetüden, die sich jeweils besonderen Vortragsarten und technischen Schwierigkeiten widmen. In der ersten Etüde fokussierten sie demgemäß auf ein Legato mit gleichmäßig starkem, vollem Ton, gefolgt von Trillern im Wechsel mit Martellato. In der vierten Etüde, einem Saltarello, ließen die beiden mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten ausgestatteten Solisten die mit Staccato- und Flageolett-Kunststücken gespickten Töne zur eigenen Freude und der des Auditoriums tanzen.
Das Programm wurde mit der großen Sonate a-Moll für zwei Violinen von Eugene Ysaye abgeschlossen. Hier ließen es sich Capucon und Lozakovich nicht nehmen, die Musik mit ihren ausgereizten harmonische Tricksereien genussvoll auszukosten. Nochmals durften sie sich in dem dreisätzigen Werk absolut gleichwertig mit ihren Violinen unterhalten. So abwechslungsreich die Partitur mit Doppelgriffen und Akkordpassagen, Staccati und Ricochet-Arpeggien gespickt ist, so sehr wussten die beiden Geiger diese Herausforderungen zu meistern und in geschmackvoller Manier ans Publikums zu bringen. Dabei genossen auch sie selber die schwärmerische Klangekstase. Ihr Augenmerk lag dabei auf der gestalterischen Zubereitung und nicht auf dem brillanten Virtuosentum, dass sie nur en passant beisteuerten.
Mit jedem Werk applaudierten die Zuhörer mehr und ließen auch viele Bravorufe hören. Als nachgereichte Amuse bouches brachten sie von Béla Bartók noch aus den 44 Duos für zwei Violinen die beiden Sätze Rutén kolomejka und Szól a duda. Mit unveränderter Konzentration und einem zwinkernden Auge in ihrer unnachahmlichen Kürze und Würze reichten sie diese Häppchen den Zuhörern zum kleinen, aber feinen Genuss danach.

















