Ein wichtiges Element im Schaffen von György Kurtag ist das Spiel, das Spiel mit Klängen, das Spiel mit Regeln, das Spiel als Rückbesinnung auf das Kindliche und das Menschliche. Der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard setzte in seinem Konzert in der Luxemburger Philharmonie Kurtags Játékok-Miniaturen in einen herausfordernden musikalischen Dialog mit dem strengen Regelwerk des Wohltemperierten Klaviers Buch 1 von Johann Sebastian Bach und den Tänzen von Franz Schubert. Alain Steffen berichtet.
Wenn Pierre-Laurent Aimard ein Konzert gibt, dann muss man sich immer auf etwas Außergewöhnliches einstellen. Diesmal waren es einerseits der Dialog Kurtag-Bach, andererseits der Dialog Kurtag-Schubert, die dem Publikum ein ungewöhnliches Hörerlebnis boten.

György Kurtag
Kurtags Játékok (Spiele) ist eine Sammlung von kleinen Klavierstücken, die zwischen einigen Sekunden und drei Minuten dauern Zwischen 1973 bis 2017 wurden insgesamt 9 Bände veröffentlicht, wobei zwei Bände Stücke für vierhändiges Klavier resp. 2 Klaviere enthalten. Dabei orientiert sich Kurtag an dem grenzenlos freien Klavierspiel der Kinder, die einfach die Musik ausprobieren. Diese Freiheit, Grenzen zu überschreiten, überlässt er auch dem Interpreten. Richtig? Falsch? Hier geht es ums Spielen und nur ums Spielen.

Johann Sebastian Bach
Erstaunlicherweise passten diese Stücke sehr gut zu Bachs Wohltemperierten Klavier, von dem Aimard eine Präludien und Fugen dazwischensetzte und so einen eigenen Klangkosmos schuf.
Warum Aimard allerdings viel Pedal bei Bachs Musik einsetzte, bleibt offen. Wahrscheinlich wollte er so den Klang direkt und nahtlos in die Kurtag-Stücke überfließen lassen. Nach der Pause war es dann Franz Schubert, der in den Dialog mit dem ungarischen Komponisten trat.
Aimard hatte hierfür Auszüge aus den 38 Walzer, Ländler und Ecosaisen op. 18 D 145, sowie den 16 Deutschen Tänzen und zwei Ecossaisen op. 33 D 783 und den Wiener Damen-Ländler und Ecossaisen op. 67 D 734 gewählt, die durch ihre Unbekümmertheit sehr gut zum Gedanken des Spiels passten.

Franz Schubert
Die Schubert-Interpretation waren für meinen Geschmack zu nüchtern und zu akademisch, denn ich vermisste den romantischen Impuls und auch die typischen Schubert-Farben.
Aber insgesamt ging Aimards Rechnung auf; für den Zuhörer relativierten sich plötzlich die Stile, und Bach rückte sehr nahe an Kurtag heran, ebenso Franz Schubert.
Die Erfahrung, dass das Empfinden von Musik sich sehr stark auf die Zusammensetzung der jeweiligen Werke auswirken kann und verschiedene Stile ähnlich interagieren können wie verschiedenen Farbkompositionen, war es wert, dieses Konzert besucht und aufmerksam verfolgt zu haben.
Leider war diese Herausforderung nicht nach jedermanns Geschmack, denn nach der Pause hatten sich die Reihen im Kammermusiksaal deutlich gelichtet. Doch für die, die bis zum Schluss blieben, war es eine wunderbare Konzerterfahrung.


















