In der Philharmonie in Luxemburg spielten Martha Argerich und Renaud Capuçon. Alain Steffen berichtet.

Das, was Argerich und Capuçon an diesem Abend an musikalischer Kunst, interpretatorischer Stimmigkeit und stilistischem Feingefühl boten, war aussergewöhnlich. Es war ein Konzert, bei dem alles stimmte, vor allem das Zusammenspiel zwischen den beiden großartigen Musikern. Es war ein wunderbares Miteineinander. Völlig uneitel, immer dem Kern der Musik verpflichtet waren beide Musiker gleichberechtigte Partner.

Bei einem solchen Abend – es standen die Violinsonate Nr. 10 von Beethoven, die Schumann-Sonate Nr. 2 und die Violinsonate von César Franck auf dem Programm – ist es fast die Regel, dass die Violine die erste Stimme hat. An diesem Abend nicht, denn was Martha Argerich aus den jeweiligen Klavierparts herausholte, das war einfach atemberaubend. Und nicht nur eine Freude für das Publikum, sondern auch für Renaud Capuçon, denn sein Spiel konnte sich einerseits in dem von Argerich spiegeln und trotzdem brachte er die Musik auf einzigartige Weise zum Fliegen.

Bereits der Kopfsatz der Beethoven-Sonate war fast ein interpretatorisches Wunder und ließ uns diese Musik auf eine ganz neue Weise hören und erleben.

Und auf diesem Niveau ging es dann weiter: Farben, Akzente, Modulationen, Dialoge, aller klang frisch und unverbraucht. Die Direktheit des Spiels nahm das Publikum auf Anhieb gefangen, die Virtuosität stand immer im Dienste der Musik. Und dann gab es in diesem Konzert so viele leise, zurückgenommene, quasi gesungene Momente, dass man nur den Atem anhalten konnte.

Ob das jetzt bei Beethoven, Schumann oder dem ebenso fein ziselierten wie dynamischen und rhythmisch akzentuierten Franck war. Alles passte und das in jedem Moment. Und zeigte auf schönste Weise, wie das Duo Argerich / Capuçon auch nach über zwanzig Jahren Zusammenarbeit nichts an Intensität, spiel- und Interpretationsfreude verloren hat. Standing Ovations und lautstarken Jubel gab es dann am Schluss. Martha Argerich und Renaud Capuçon bedankten sich mit dem Finalsatz aus Beethovens Sonate Nr. 8. Schöner als mit diesem musikalischen Hochgenuss konnte das Konzertjahr 2025 nicht ausklingen.

  • Pizzicato

  • Archives