Philharmonie Luxembourg
(c) Wade Zimmermann

Für ihr Konzert mit dem Pianisten Mario Häring hatte die österreichische Cellistin Valerie Fritz ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Alain Steffen berichtet von dem durchaus außergewöhnlichen Konzert im Kammermusiksaal der Luxemburger Philharmonie.

Den Anfang machte Melencolia 1 des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino, es folgten zwei Werke der Komponistinnen Rebecca Clarke und Jennifer Walshe sowie, als Abschluss, César Francks Violinsonate (in der Bearbeitung für Cello von Jules Delsart).

Das Konzert mit Sciarrinos Melencolia 1 zu beginnen, war ein Sprung ins kalte Wasser. Der Hörer wurde mit einer unglaublich intensiven, komplexen und modernen Musik konfrontiert, die sich als Drama für Cello und Klavier mit der Vergänglichkeit und Vergeblichkeit, dem Traum und der Wirklichkeit  auseinandersetzt. « Alles was ist, endet » heißt es in Wagners Ring des Nibelungen. Sciarrino bezieht sich in seiner Komposition einerseits auf Dürers gleichnamigen Stich und auf seine eigene Komposition Vanitas, die sich mit den gleichen Themen auseinandersetzt. Die Musik dreht sich scheinbar immer nur im Kreise dreht, ohne wirkliches Weiterkommen, und löst sich am Schluss einfach auf. Ein sehr gewagter Einstand also, der beiden Künstlern durch ein sehr eindringliches Spiel gelang.

Rebecca Clarke

Rebecca Clarkes Viola-Sonate, hier in der Bearbeitung für Cello, stimmte versöhnlicher und offenbarte zugleich die große Gestaltungskraft und Musikalität der beiden Musiker, die dieses Werk sehr partnerschaftlich und gleichberechtigt angingen.

Überhaupt ist diese Sonate ein phantastisches Werk, das eigentlich zum Repertoire jedes Cellisten und Pianisten gehören müsste. Die Musik ist originell und hervorragend auskomponiert. Sie überrascht den Hörer immer wieder mit neuen Wendungen, und man weiß eigentlich nie genau, worauf die Komponistin zusteuert.

Valerie Fritz verzückte mit ihrem wunderbaren, warmen Klang, während Mario Häring die vielschichtigen Stimmungen sehr gut auf dem Klavier wiederzugeben verstand.

Die zweite Konzerthälfte begann mit Jennifer Walshes The Sheer Task of Beeing Alive und wurde für Valerie Fritz komponiert. Walshes Werk hat mit Musik leider wenig zu tun; Cellogekratze, gesprochener resp. gespielter Text und ein bisschen Aktionskunst untermalen den belanglosen Monolog eines Astronauten bei seinem Spaziergang im All. Am Ende fragt man sich: Ist das Kunst oder kann das weg? Auf eine Konzertbühne gehört The Sheer Task of Beeing Alive nicht unbedingt.

César Franck

Den Abschluss machte César Francks Violinsonate, wie schon gesagt, in der Bearbeitung für Cello von Jules Delsart aus dem Jahre 1887, mit der wir nach dem Ausflug ins All wieder musikalischen Boden betraten. Das Cello passt hervorragend zu dem musikalischen Gehalt des Werkes und zu den Farben, die Francks Musik auszeichnen. Grandios auch hier die Interpretation von Valerie Fritz, die insbesondere in den Sätzen 2 bis 4 wahre Wunder vollbrachte.

Das dynamische Klavierspiel von Mario Häring war ein großer Gewinn, denn das partnerschaftliche und dialogfreudige Zusammenspiel zeigte dem Publikum in jedem Moment, dass zwei außergewöhnlich talentierte Musiker auf der Bühne waren.

Für den herzlichen Applaus bedankten sich beide Musiker mit einer ungewöhnlichen Zugabe, nämlich dem dritten der Trois Pièces für Cello und Klavier von Nadia Boulanger.

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