Renaud Capuçon
(c) Darmigny

Es gibt Konzerte, wo es weder ein Wenn noch ein Aber gibt und die einfach nur zur Extraklasse gehören. Ein solches konnte Pizzicato-Mitarbeiter Alain Steffen am vergangenen Freitag in der Philharmonie erleben, wo sich das Luxembourg Philharmonic Werke dreier romantischer Komponisten angenommen hatte.

Die Tragische Ouvertüre von Brahms, das Cellokonzert von Robert Schumann und die 8. Symphonie von Antonin Dvorak bildeten somit ein rundes Programm, das durch innere Geschlossenheit und musikalische Kraft überzeugte. Der Erfolg lag in erster Linie am Dirigenten Renaud Capuçon, der das Orchester wahrlich entfesselte. Bereits die Tragische Ouvertüre von Brahms  wurde zu einem Aha-Erlebnis, obwohl Capuçon dieses Werk zum allerersten Mal dirigierte. Dass die Ouvertüre dabei mehr dramatisch als tragisch klang, leistete der Hörfreude keinen Abbruch. Capuçon ging ab den ersten Takten aufs Ganze, ließ die Musiker dabei lustvoll aufspielen und entführte das Publikum  in eine klangprächtige Brahmswelt, wie sie besser und schöner nicht sein könnte. Gekonnt vermischte der Dirigent  romantischen Pathos mit geschärften Akzenten, schnellen Tempi und einem ebenso kompakten wie transparenten Klangbild.

In Schumanns Cellokonzert gelang es Capuçon auf Anhieb, einen direkt Kontakt mit der Solistin Julia Hagen herzustellen und das Orchester dem Spiel der Cellistin anzupassen. Schnell wurde aus der Begleitung eine musikalische Partnerschaft, so das Schumanns immer noch etwas sperrig wirkende Konzert seinen ganzen Charme zeigen konnte.

Dem als optimistisch und leuchtend beschriebenem Werk wussten die Interpreten trotzdem dunkele und z.T. tragische Momente abzugewinnen.

Julia Hagens Cellospiel war überragend und traf genau den Nerv der Musik. Dass sie mit Kammermusik groß geworden ist (Anm.: Ihr Vater Clemens Hagen ist der Cellist des berühmten Hagen Quartetts), konnte man an jeder Stelle merken. Immer wieder suchte sie den Dialog mit den Orchesterkollegen, der von dem hellhörigen und sehr auf Kommunikation bedachten Capuçon unterstützt wurde.

Als Zugabe spielte Julia Hagen zusammen mit dem 1. Cellisten des Luxembourg Philharmonic, Georgi Anichenko, einen Satz für zwei Celli aus einer Sonate von Jean -Baptiste Barrière.

Renaud Capuçon
(c) Darmigny

Mit dem gleichen Engagement ging es dann auch nach der Pause weiter, wo dann Dvoraks 8. Symphonie zur Aufführung gelangte. Auch diese wurde zu einem Fest für die Ohren, da Renaud Capuçon sich auch hier ganz in seinem Element spürte. Die Beziehung zum Orchester schien optimal, so dass der Dirigent eigentlich alles machen konnte und die Musiker mit bester Spiellaune  diese Symphonie dann in ein musikalisches Fest verwandelten.

Die Blechbläser befanden sich in Höchstform und geizten nicht mit einem durchgehend sehr runden und wohlausbalancierten Klang. Hervorragende Holzbläser und ein wunderbar homogener Streicherapparat (mit dem schönen Solo der Konzertmeisterin Seohee Min) rundeten die exzellente Orchesterleistung auf höchstem Niveau ab. Renaud Capuçon aber blieb für mich die Entdeckung des Abends. Er ist nicht nur ein begnadeter Violinist, sondern auch ein toller Dirigent.

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