Joseph Haydn: Symphonie Nr. 99 Es-Dur + Symphonie Nr. 104 D-Dur; Orchestre national Auvergne-Rhône-Alpes, Thomas Zehetmair; # ONA/2025/1/1; Aufnahme 02.2024; Veröffentlichung 19.12.2025 (52'17) – Rezension von Uwe Krusch ** (For English please scroll down)

Das Orchestre national Auvergne-Rhône-Alpes interpretiert zwei für London geschriebene Symphonien von Joseph Haydn. Als Dirigent vermittelt Thomas Zehetmair seine Ideen dem Ensemble.

Obwohl das Orchester nicht als Spezialist für historische Aufführungspraxis bekannt ist, wirft es sich mit Elan in diese Aufgabe und erzielt ein mitreißendes Ergebnis. Kammermusikalische Finesse und Sensibilität sowie packender beredter Zugriff frischen ihre Spiel- und unsere Hörgewohnheiten auf. Darin wird man auch zu einem wesentlichen Anteil die Handschrift von Zehetmair hören mögen, der seine Vorstellungen wohl fordernd, aber auch inspirierend vorgetragen haben wird. Die Musiker aus dem südlichen Frankreich haben dies begierig aufgegriffen.

Die beiden Werke, das erste und letzte für den zweiten Aufenthalt in London geschrieben, hatte er in Wien vorbereitet und vollendete sie in der englischen Hauptstadt. So konnte er das Es-Dur Werk bereits sechs Tage nach seinem Eintreffen dem begeisterten Publikum vorstellen. Das Adagio mag mit seinem hymnenartigen Charakter besonders gefallen haben.

Ebenfalls stärkste Resonanz beim Publikum und Haydn selbst löste die Uraufführung der Symphonie Nr. 104 aus. Mit ihrem bedrohlichen Fanfarenbeginn, dem unbeschwerten Allegro, einem gelassenen langsamen Satz mit aufgewühlten und überraschenden Episoden, dem ausgelassenen Menuett und dem Finale mit markantem motivischem Material bot sie alles, was den Erfolg begünstigte.

In der Interpretation von Orchestre national Auvergne-Rhône-Alpes und Thomas Zehetmair wird diese übersprudelnde Energie und auch die wie bei Haydn üblich augenzwinkernde Seite mit Können und solch fokussierter Spielfreude bedient, dass man die damalige Begeisterung sofort nachvollzieht.

The Orchestre national Auvergne-Rhône-Alpes performs two symphonies by Joseph Haydn written for London. Conductor Thomas Zehetmair conveys his ideas to the ensemble.

Although the orchestra is not known as a specialist in historically informed performance practice, it throws itself into this task with enthusiasm and achieves a captivating result. Chamber music finesse and sensitivity, as well as a compelling and eloquent approach, refresh both their playing and our listening habits. One can also clearly hear the influence of Zehetmair, who likely presented his vision in a demanding yet inspiring manner. The musicians from France eagerly embraced this.

He had prepared the two works, the first and last written for his second stay in London, in Vienna and completed them in the English capital. Thus, he was able to present the E-flat major work to an enthusiastic audience just six days after his arrival. The Adagio, with its hymn-like character, may have been particularly well-received.

The premiere of Symphony No. 104 also elicited the strongest response from the audience and Haydn himself. With its menacing fanfare opening, the carefree Allegro, a serene slow movement with agitated and surprising episodes, the exuberant minuet, and the finale with its striking motivic material, it offered everything that contributed to its success.

In the interpretation by the Orchestre national Auvergne-Rhône-Alpes and Thomas Zehetmair, this effervescent energy, as well as the characteristically playful side of Haydn’s music, is skilfully and with such focused joy in playing that one immediately understands the enthusiasm of the time.

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