José Carreras, in diesem Jahr begeht Ihre José Carreras Leukämie-Stiftung das 30-jährige Jubiläum. Wenn wir zurückblicken, was war bislang der schönste Moment Ihres Lebens?
Der schönste Moment meines Lebens? Als mein Arzt mir mitteilte, dass ich komplett von Leukämie geheilt bin. Seitdem hat mein Leben einen tieferen Sinn – weitaus mehr als meine Arbeit als Künstler ist es der Kampf gegen Leukämie.
Wie wichtig ist Musik für Sie – als Privatmensch und als Sänger?
Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Musik ist meine Berufung. Ich summe oft vor mich hin, sogar beim Spazierengehen. Und jedes Mal, wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich sehr bewegt. Nichts im Leben gibt mir die gleiche Befriedigung wie mein Beruf.
Am 5. Dezember feierten Sie Geburtstag. Das ist ein Tag, an dem man gerne auch mal zurückblickt. Wie war Ihre Kindheit?
Ich habe außerordentliches Glück gehabt. Ich wurde in eine Familie mit starken moralischen Werten hineingeboren. Mein Vater war überzeugter Republikaner und durfte nach dem Spanischen Bürgerkrieg unter Diktator Francisco Franco nicht mehr als Gymnasiallehrer arbeiten. Das hat mich geprägt. Heute kann ich sagen: Ich konnte in meinem Leben das tun, was mir am besten gefällt. Die Musik ermöglicht mir bis heute eine innere und tiefe Zufriedenheit.

José Carreras
(c) Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung
Aber eigentlich wollten Sie Fußballer werden und hatten dann aber angefangen, Chemie zu studieren?
Ja, ich habe mit Leidenschaft Fußball gespielt und davon geträumt, Profi beim FC Barcelona zu werden. Immerhin bin ich bis heute ein sehr engagierter Fan des FC Barcelona und singe im Stadion auch mit den Fans mit. Bis heute ist Barça eine Herzensangelegenheit für mich. Es ist viel mehr als ein Sportverein, eher eine Religion. Und für einen Chemiker bin ich zu emotional. Wissenschaftler dürfen nicht emotional sein, zumindest nicht nach außen hin.
Als Sänger sind Sie für viele ein Vorbild. Was raten Sie jungen Menschen, die ihren eigenen Lebenstraum verwirklichen wollen?
Disziplin, Disziplin, Disziplin. Große Ziele erreicht man nur mit einem nachhaltigen persönlichen Einsatz. Talent zu haben ist ein Geschenk, aber vollkommen wertlos, wenn man nicht jeden Tag aufsteht, an sich arbeitet und versucht, seinem Ziel näher zu kommen.
Wie halten Sie sich fit?
Auch hier bin ich diszipliniert. Ich treibe regelmäßig Sport, und ich achte darauf, was ich esse, was ich trinke, und wie viele Stunden ich schlafe.
Was macht Sie heute glücklich?
Die Zeit mit meiner Familie. Es gibt nichts Schöneres, als die Enkelkinder zu verwöhnen. Man muss aufpassen und darf es nicht übertreiben. Aber es ist wunderschön, wenn sie einen um etwas bitten und man Ja sagen kann. Ein fantastisches Gefühl.
Am 10. Dezember präsentieren Sie zum 31. Mal die José Carreras Gala. Was bedeutet die Gala für Sie? Und was verbinden Sie mit Leipzig?
Leipzig ist die Heimat der José Carreras Gala. Hier haben wir am 22. Dezember 1995 mit unserer großen Mission ‘Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem’ begonnen. Die Bürgerinnen und Bürger in Leipzig, aber auch in den anderen Regionen Deutschlands, unterstützen uns seit drei Jahrzehnten mit großem Engagement. Dass es uns gemeinsam gelungen ist, mittlerweile circa 250 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie zu sammeln und viele dadurch Menschenleben zu retten, hätte ich damals nicht zu träumen gewagt. Dank der medizinischen Forschung gelingt es den Wissenschaftlern immer besser, wirksamere Therapien gegen Leukämien zu entwickeln. Diese Erfolge sind großartig. Und es ist wunderbar, wie Millionen Menschen ein Herz für Leukämie-Patienten und deren Familien zeigen. Gemeinsam geben wir Leukämie-Patienten dadurch wieder Hoffnung. Ich kann allen unseren treuen Spenderinnen und Spendern nur sagen: Danke, Danke, Danke.
José Carreras Gala, 10.12.25, 20.15 Uhr live im MDR
Alle Informationen zur 31. José Carreras Gala am 10. Dezember: www.josecarrerasgala.de
Weitere Informationen: www.carreras-stiftung.de

















