In der Zeit, in der Anton Webern seinen Langsamen Satz schrieb, warb er um seine spätere Frau Wilhelmine Mört. Beim Quartett waren es dagegen andere Gefühle, da er mit der Musik um seine Mutter trauerte. Wiederum Leidenschaft und wilde Liebe schwang bei der lyrischen Suite von Alban Berg für die Schwester von Franz Werfel, Hanna Fuchs, mit. Bei den fünf Sätzen von Erwin Schulhoff gab es einen anderen Anknüpfungspunkt. In dieser Suite karikierte er barocke Formen und spöttelte über deren Traditionen.
Seinen Namen hat das Leonkoro Quartett aus dem Kinderbuch ‘Die Brüder Löwenherz’ von Astrid Lindgren entnommen und in die Weltsprache Esperanto übersetzt. Damit wollten sie den Mut auf Abenteuer, das Selbstvertrauen und die gegenseitige Fürsorge der Figuren des Buches auf sich beziehen.
Diese Aspekte setzt das Leonkoro Quartet in seinen Interpretationen um. Es bietet für alle vier Werke intensiv ausgeformte Interpretationen an. Dabei schlagen sich sie die Musiker auf die Seite, die trotz der emotionsgebundenen Musik immer einen klar strukturierten Zugang wählt. Mit feinem Gespür für die Details sowie dem gespannten Blick auf die Dramaturgie der Werke nähern sie sich den von ihnen gespielten Stücken nicht nur neugierig, sondern auch mit der notwendigen Portion intelligenter Auseinandersetzung. Mit diesen Zutaten werden ihre Deutungen persönliche Auseinandersetzungen mit jeder Komposition.
Bei Webern treffen sie auf einen Komponisten, der selber Liebhaber des Genres war. Mit den fünf Sätzen für Streichquartett schuf er die Initialzündung für atonal geschriebene Quartette. Die Interpreten loten diese Schreibweise und auch das weite dynamische Spektrum aus. Dabei lassen sie sich auch nicht vom bruchstückhaften Stil der Erörterung beirren.
Im langsamen Satz, auch von Webern, modellieren sie den darin angelegten Übergang von Brahms zur Moderne. Auch Weberns hier noch gezeigtes bedingungsloses Streben nach Ausdruck in der Musik kommt durch sie zum Tragen.
In der Lyrischen Suite, einem Stück über eine explosive Leidenschaft, einem Lied, das nicht ohne Worte auskommt, sondern diese verschweigt, eröffnen die Vier aus einer noch heilen Welt im ersten Satz dann musikalisch die stürmische Romanze. Doch haben sie dabei auch immer im Hinterkopf, dass Berg selber das Werk als genial konstruiert atonal wahrgenommen und nicht mit seinen privaten Befindlichkeiten belastet wissen wollte, so dass sie auch hier den organisierten Ansatz nicht aufgeben.
Schulhoffs Fünf Stücke für Streichquartett atmen die chamäleonhafte stilistische Vielfalt und Leichtigkeit seines Schaffens und offerieren gleichzeitig eine unverwechselbare Originalität. Auch den Musizierenden merkt man an ihrem Spiel an, dass sie die prägnante Kürze der Sätze ebenso genießen wie die aphoristische Behandlung des Materials. Im motorischen und dabei doch delikaten Angang der beiden Sätze im Allegro, ironischem im Seitenhieb auf die Sentimentalität des Wiener Walzers sowie einer verhinderten Serenade formt das Leonkoro Quartet die vier Sätze, bevor sie dann im Finale das volksmusikalisch Inspirierte der Heimat des Komponisten musikantisch herausheben. Diese zeitgeistige Musik ist in so einer Interpretation auch heute noch als frech am Puls der Zeit erlebbar.
At the time Anton Webern wrote his Langsamer Satz (Slow Movement), he was courting his future wife Wilhelmine Mört. In contrast, the quartet was imbued with different emotions, as he mourned his mother through his music. Passion and wild love resonated in Alban Berg’s Lyrical Suite for Franz Werfel’s sister, Hanna Fuchs. Erwin Schulhoff’s Five Movements had a different point of reference. In this suite, he caricatured Baroque forms and mocked their traditions.
The performing quartet took its name from Astrid Lindgren’s children’s book “The Brothers Lionheart” and translated it into the international language Esperanto. In doing so, they wanted to refer to the characters’ courage for adventure, self-confidence, and mutual care in the book.
The Leonkoro Quartet incorporates these aspects into its interpretations. It offers intensely crafted interpretations of all four works. In doing so, the musicians take a stance that, despite the emotionally charged music, always chooses a clearly structured approach. With a keen sense of detail and a keen eye for the dramaturgy of the works, they approach the pieces they play not only with curiosity, but also with the necessary dose of intelligent engagement. With these ingredients, their interpretations become personal engagements with each composition.
In Webern, they encounter a composer who was himself fond of the genre. With his five movements for string quartet, he created the initial spark for atonal quartets. The performers explore this style of writing and also the wide dynamic spectrum. In doing so, they are not deterred by the fragmentary style of the discussion.
In the Langsamer Satz, also by Webern, they model the transition from Brahms to modernism that is inherent in it. Webern’s unconditional pursuit of expression in music, which is still evident here, also comes to the fore through them.
In the Lyric Suite, a piece about explosive passion, a song that cannot do without words but conceals them, the four musicians open the stormy romance musically in the first movement from a world that is still intact. However, they always keep in mind that Berg himself perceived the work as ingeniously constructed atonal and did not want it to be burdened with his private sensitivities, so that they do not abandon the organized approach here either.
Schulhoff’s Five Pieces for String Quartet exude the chameleon-like stylistic diversity and lightness of his work, while at the same time offering unmistakable originality. It is also clear from the musicians’ playing that they enjoy the concise brevity of the movements as much as the aphoristic treatment of the material. With a motoric yet delicate approach to the two movements in Allegro, an ironic dig at the sentimentality of the Viennese waltz, and a thwarted serenade, the Leonkoro Quartet shapes the four movements before musically highlighting the folk music inspiration of the composer’s homeland in the finale. This contemporary music can still be experienced today as cheekily in tune with the spirit of the times in such an interpretation.
















