Der gebürtige Westpreusse Adolf Reichel lebte knapp 40 Jahre im Emmental, unweit von Bern, wo er über Jahre eine der prägenden musikalischen Persönlichkeiten war. Als Sohn eines Gutsbesitzers hatte er sich mit den revolutionären Ideen und deren Protagonisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angefreundet.
Sein musikalisches Vermächtnis, allerdings, wurde erst 2012 entdeckt und seither systematisch aufgearbeitet. Dazu gehört nun auch die vorliegende Ersteinspielung von zwei Sonaten für Klarinette und einigen Miniaturen für Klavier.
Die erste Klarinettensonate gibt uns sofort einen nachdrücklichen Höreindruck von Reichels Schaffen: Er führt die klassische Form des späten 18. Jahrhunderts in eigener Sprache fort. Die Musik besticht durch ihre formale Ausgewogenheit, ihre klare, phantasievolle und harmonisch reiche Sprache.
In diesem Geist gehen auch die beiden Interpreten, Bernhard Röthlisberger (Klarinette) und Benjamin Engeli (Klavier), dieses Werk an. Ihr fein abgestimmtes Spiel strahlt Eleganz, Noblesse und klangliche Leichtigkeit aus.
In den kurzen Klavierwerken kommt noch der Aspekt der spielerischen Geselligkeit hinzu. Es sind durchweg Kompositionen, die von ihrer frischen Munterkeit leben, von zurückhaltender Heiterkeit, die Benjamin Engeli mit viel Spielfreude in Klang umsetzt.
Das Album schließt mit der späten, allein schon durch ihre viersätzige Struktur etwas gewichtigeren zweiten Klarinettensonate. Hier bestätigt sich noch einmal der erfreuliche Gesamteindruck dieser Interpretationen, die durch ihre unprätentiösen, vitalen, spritzigen und geistreichen Ausführungen ein schönes Plädoyer für diesen Schweizer Komponisten sind.
Adolf Reichel, a native of West Prussia, lived for almost 40 years in the Emmental region, not far from Bern, where he was one of the most influential musical personalities for many years. As the son of a landowner, he had become acquainted with revolutionary ideas and their protagonists in the second half of the 19th century.
However, his musical legacy was only discovered in 2012 and has since been systematically cataloged. This now includes the present first recording of two sonatas for clarinet and several miniatures for piano.
The first clarinet sonata immediately gives us a powerful impression of Reichel’s work: He continues the classical form of the late 18th century in his own language. The music captivates with its formal balance and its clear, imaginative, and harmonically rich language.
The two performers, Bernhard Röthlisberger (clarinet) and Benjamin Engeli (piano), approach this work in the same spirit. Their finely tuned playing radiates elegance, nobility, and tonal lightness.
The short piano pieces bring an element of playful conviviality. These compositions thrive on their fresh liveliness and restrained cheerfulness, qualities that Benjamin Engeli brings to life with great enthusiasm.
The album concludes with the Second Clarinet Sonata, a piece that is somewhat weightier due to its four-movement structure. Once again, these interpretations leave a pleasing overall impression. Their unpretentious, lively, sparkling and witty performances are a beautiful tribute to this Swiss composer.
















