Eric Lu, Gewinner des 1. Preises beim 19. Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau, hat mit diesem ganzen Schubert-Album ein anspruchsvolles Programm aufgenommen, in dem er auf unheimlich viel Konkurrenz trifft.
Von dieser will er sich mit neuen Ideen abgrenzen. Im ersten Impromptu des Opus 90 tut er des Guten ein bisschen viel. Ich empfinde sein Spiel als recherchiert, manieriert und nicht natürlich, wo doch gerade ein der Natürlichkeit verpflichtetes Spiel die Musik voll zum Ausdruck bringen könnte. Diese findet sich glücklicherweise im zweiten Impromptu, und im dritten kommt die Poesie der Musik voll zum Tragen. In diesem Stück zeigt Lu sich endlich als der Poet am Klavier, als den er schon bezeichnet wurde. Auch das vierte Impromptu gelingt ihm recht gut, aber andere (Zimerman etwa) haben den Lyrismus des Stücks unbeschwerter zum Ausdruck gebracht. Diese Kantabilität vermisse ich etwas bei Lu.
Auch im ersten Impromptu der zweiten Reihe spielt Zimerman im Vergleich zu Lu viel kantabler, leichter, charmanter. Wie einst bei Pires hat man bei Lu das Gefühl, er lese beim Servieren des Gerichts das Rezept vor, von dem er sich nicht befreien kann.
Im zweiten Impromptu verhindert ein sehr langsames Tempo den natürlichen Fluss. Er braucht in diesem Stuck fast neun Minuten und damit eine Minute mehr als Zimerman. Auch im dritten Impromptu und seinen Variationen gelingt Lu es nur selten, sich in einer natürlichen Sprache auszudrücken.
Im vierten Impromptu hat Zimerman den Scherzando-Charakter in knappen sechs Minuten beschwingt und echt getroffen, während Lu mit rhythmischen Spielereien und einer guten Minute mehr Zeit holperig wirkt.
Unter dem Strich kann ich also an diesem Schubert Album nicht viel Positives finden.
Wer diese Impromptus in guten Aufnahmen hören will wird bei Zimerman fündig werden oder auch bei Javier Perianes, dessen Verinnerlichung im Spiel und seine blühende Sinnlichkeit für ein schönes Erlebnis sorgen.
Eric Lu, winner of first prize at the 19th International Chopin Competition in Warsaw, has recorded a challenging program with this Schubert album, in which he faces fierce competition.
He aims to set himself apart with new ideas. In the first Impromptu of Opus 90, he goes a little overboard. I find his playing to be studied, mannered, and unnatural, when it is precisely a natural style of playing that could fully express the music. Fortunately, this is happening in the second Impromptu, while the third sees the poetry of the music truly come into its own. In this piece, Lu finally proves himself to be the poetic pianist he has been described as. He also performs the fourth Impromptu well, but others (Zimerman, for example) have conveyed the piece’s lyricism more lightheartedly. I find Lu’s cantabile somewhat lacking.
In the first Impromptu of the second series, too, Zimerman plays much more cantabile, lighter, and more charming than Lu. As with Pires, one has the feeling that Lu is reading the recipe aloud while serving the dish, unable to free himself from it.
In the second Impromptu, a very slow tempo prevents the natural flow. He takes almost nine minutes to play this piece, one minute longer than Zimerman. Even in the third Impromptu and its variations, Lu rarely succeeds in expressing himself in a natural language.
In the fourth Impromptu, Zimerman has captured the scherzando character in just under six minutes in a lively and authentic manner, while Lu seems clumsy with his rhythmic gimmicks and a good minute more time.
All in all, I can’t find much positive to say about this Schubert album.
Those who want to hear these Impromptus in good recordings will find what they are looking for in Zimerman or Javier Perianes, whose interiorization in his playing and his blossoming sensuality make for a beautiful experience.

















