Johann Philipp Kirnberger: Sinfonias Nr. 1-8; Berliner Barock Solisten, Reinhard Goebel; # Hänssler Classic HC25039; Aufnahme 03.2025; Veröffentlichung 05.12.2025 (62'02) – Rezension von Uwe Krusch ** (For English please scroll down)

Der Name Johann Philipp Kirnberger, er lebte im 18. Jahrhundert, ist heute kaum gewärtig, vielleicht ist seine Flötenkammermusik bekannt. Nach Stationen in Polen war er in der Kapelle des Prinzen und Markgrafen Heinrich und danach als Lehrer der Prinzessin Amalie tätig.

Dabei könnte in Kreisen von Musikern die Kirnberger-Stimmung ein Stichwort sein. Das sind von ihm 1766 veröffentlichte wohltemperierte Stimmungssysteme für Tasteninstrumente. Mit diesen wollte er u. a. die Stimmpraxis von Johann Sebastian Bach wiederbeleben.

Der Musiker und Musiktheoretiker Kirnberger verfolgte, insofern sind seine Stimmsysteme auch für seine Kompositionen ein Anknüpfungspunkt, für seine Kompositionen die Idee der Kunst des reinen Satzes, wie er sie bei Bach gefunden hatte. Dies blieb für ihn maßgeblich.

Die jetzt zu hörenden acht Sinfonien, erstmals zusammen eingespielt, stammen vermutlich bereits aus der Zeit beim Prinzen Heinrich. Für vierstimmiges Streicherensemble gesetzt, konnten sie, wie in der Zeit üblich, um Blech- und Holz-Bläser-Stimmen ergänzt werden.

Dabei weisen die Kompositionen eine Stringenz auf, die es ermöglicht, diese zumeist chorisch besetzten Stücke mit geradlinigem Ansatz spielen zu können. Überflüssige Verzierungen wurden ebenso vermieden wie andere Aspekte, so dass der Ausdruck unmittelbar aus dem Spiel der vorgegebenen Noten geschält werden konnte.

Reinhard Goebel führt die Berliner Barock Solisten durch die acht Werke in je drei Sätzen; nur bei der zweiten Sinfonie ist zusätzlich ein einleitendes Largo vorangestellt. Entsprechend der kompositorischen Vorgaben legen Goebel und die Instrumentalisten Wert darauf, klar gezeichnete Linien zu formen, die rhetorisch narrativ die Ideen von Kirnberger zu Gehör bringen. So wird man auf scharfe Akzentuierungen oder andere aufreizende Gestaltungen vergeblich warten. Für diese Sinfonien führt das zu einem stilvollen Klang. Und dem Hörer wird auch deutlich, welche gestalterische Grundrichtung der Komponist verfolgt hat.

The name Johann Philipp Kirnberger, who lived in the 18th century, is hardly known today, except perhaps for his flute chamber music. After spending time in Poland, he worked in the chapel of Prince and Margrave Heinrich and then as a teacher to Princess Amalie.

In musical circles, however, the Kirnberger tuning system could be a familiar term. These are well-tempered tuning systems for keyboard instruments published by him in 1766. With these, he wanted to revive the tuning practices of Johann Sebastian Bach, among others.

The musician and music theorist Kirnberger pursued the idea of the art of pure composition, as he had found it in Bach, and in this respect his tuning systems are also a point of reference for his compositions. This remained decisive for him.

The eight Sinfonias now to be heard, recorded together for the first time, probably date from the period when he was with Prince Heinrich. Set for a four-part string ensemble, they could be supplemented with brass and woodwind parts, as was customary at the time.

The compositions display a stringency that makes it possible to play these mostly choral pieces with a straightforward approach. Superfluous embellishments were avoided, as were other aspects, so that the expression could be drawn directly from the playing of the given notes.

Reinhard Goebel conducts the Berlin Baroque Soloists through the eight works, each in three movements; only the second symphony is preceded by an additional introductory largo. In accordance with the compositional specifications, Goebel and the instrumentalists attach importance to forming clearly defined lines that rhetorically and narratively convey Kirnberger’s ideas. Thus, one will wait in vain for sharp accents or other provocative arrangements. For these symphonies, this results in a stylish sound. And it also becomes clear to the listener what basic creative direction the composer pursued.

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