Winter Nights / Orange Blossoms; Franz Schuberts: Sonate Nr. 21 in B-Dur D. 960 - Isaac Albeniz: Granada, Sevilla, Cádiz aus Suite española op. 47 - Manuzel de Falla: Fantasia Bética; Chen Manchun, Klavier; # BGAVP 100053; Aufnahme 2025, Veröffentlichung  12.2025 (69'13) - Rezension von Remy Franck ** (For English please scroll down)

Franz Schuberts im Jahre 1828, also nach Beethovens Tod entstandene Sonaten sind gewissermaßen Sonaten der Befreiung. Der Meister war verblichen, das Terrain gehörte nun ihm. Und er zeigte das mit einer zum Teil erstaunlichen Entschlossenheit. Zwar bleibt das Zögern ebenso wenig aus wie die Trauer, das Grübeln auch, aber die herrischen Akzente und einiges Grollen sind nicht zu überhören.

Chen Manchun führt uns mit einem weiblichen und lyrischen Touch durch des Komponisten Gedankenwelt, mit abwechslungsreich geregelten Tempi zwischen  Drängen und Halt machen, einer bestechenden Farbenvielfalt und einer Nuancierungskraft, die immer im Rahmen der Musik bleibt.

Etliches was andere grollender, schwärzer zum Ausdruck gebracht haben wird hier melodischer, leicht aufgehellt,. Es gibt im ersten Satz tief bewegende Momente, aber im Andante erreicht die Pianistin eine noch größere Verinnerlichung und bringt den Schmerz des Satzes ergreifend zum Ausdruck. Auch in den schnelleren Sätzen ist ihr Anschlag wundervoll nuancenreich, die Phrasierung spiegelt den inneren Atem der Musik und scheint bei allem konsequenten Fortschreiten und Gestalten immer auch dem Gespielten nachzuhorchen. Das wird besonders deutlich im Allegro ma non troppo, dem letzten Satz, mit seinem Stolpern und Pausieren.

Nach dieser wirklich hervorragenden Interpretation folgen, in totalem Kontrast, spanische Stücke, in denen Chen Manchun sehr stimmungsvoll und quasi visualisierend spielt, mit viel Charme, tänzerischem Elan und, in de Fallas Fantasia Bética, mit fein gesteuerter rhythmischer Virtuosität. Und in allen Stücken fallen die passenden Farben auf, die die Pianistin mit ihrer Färbungskunst einbringen kann. Das Klavier und seine Möglichkeiten haben definitiv für sie keine Geheimnisse!

Franz Schubert’s sonatas, composed in 1828 after Beethoven’s death, are, in a sense, sonatas of liberation. The master had passed away, leaving the field to him. He demonstrated this with astonishing determination. Although hesitation, grief and brooding remain, his imperious manner and occasional outbursts cannot be overlooked.

Chen Manchun guides us through the composer’s world of ideas with a feminine and lyrical touch, with varied tempos between urgency and pause, a captivating variety of colors, and a power of nuance that always remains within the framework of the music.

Much of what others have expressed in a more rumbling, darker way is presented here in a more melodic, slightly lighter manner. There are deeply moving moments in the first movement, but in the Andante the pianist achieves an even greater degree of internalization and movingly expresses the pain of the movement. Even in the faster movements, her touch is wonderfully nuanced, the phrasing reflects the inner breath of the music and, despite the consistent progression and shaping, always seems to listen to what is being played. This is particularly evident in the Allegro ma non troppo, the last movement, with its stumbling and pausing.

This truly outstanding interpretation is followed, in total contrast, by Spanish pieces in which Chen Manchun plays very atmospherically and almost visually, with great charm, dance-like verve and, in Falla’s Fantasia Bética, with finely controlled rhythmic virtuosity. And in all the pieces, the appropriate colors that the pianist is able to bring in with her artistry are striking. The piano and its possibilities definitely hold no secrets for her!

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