Alberto Ginastera: Pampeana Nr. 1 op. 16 Rhapsodie für Violine und Klavier + Pampeana No. 2 op. 21 Rhapsodie für Cello und Klavier + Quintett für Klavier und Streichquartett op. 29 + Sonate für Cello und Klavier op. 49 + 2 Lieder auf Verse von Fernán Silva Valdés + 5 populäre argentinische Volkslieder op. 10; Andrzej Pikul, Klavier, Ewa Menaszek, Mezzosopran, Paweł Czarakcziew, Cello, Messages Quartet (Małgorzata Wasiucionek-Potera, Oriana Masternak, Violine, Maria Shetty, Viola, Beata Urbanek, Cello); # Dux 2183; Aufnahme 01., 03. 07.2025; Veröffentlichung 28.11.2025 (72'46) – Rezension von Uwe Krusch ** (For English please scroll down)

Nach der Einspielung des Klavierwerks hat Pianist Andrzej Pikul zusammen mit Freunden die Kammermusik des von ihm verehrten Alberto Ginastera aufgegriffen. Die Stücke stammen aus verschiedenen Schaffensperioden und zeigen die Entwicklung, von „objektivem und subjektivem Nationalismus” hin zur Anwendung moderner Kompositionstechniken.

Daneben ist die dialektische Spannung zwischen der konservativen Tradition Lateinamerikas und der Avantgarde zu hören. Außerdem hat Ginastera dem Klavier die Rolle des argentinischen Nationalinstruments, der Gitarre, zugedacht.

Die Zwei Lieder sowie Die Fünf Argentinischen Volkslieder zeigen Beispiele des Einflusses der argentinischen Volksmusik.

So basieren Letztere auf argentinischen Volkstänzen. Bei den späteren Werken wie den rhapsodisch angelegten Pampeanas, kommt die Inspiration aus der Pampa. Sie entstanden früh während der nationalistisch geprägten Periode seines Schaffens. Ebenfalls für seinen Stil steht der Rhythmus des Malambo-Tanzes, der Tanz der Gauchos.

Das Klavierquintett ist auf den ersten Blick typisch vierteilig angelegt. Im Detail allerdings setzt Ginastera eigene Duftnoten. Das anfängliche Sonatenallegro etwa wird durch eine improvisierte Einleitung ersetzt. Das Finale in der Form der Toccata basiert größtenteils auf argentinischen Tänzen. Statt der Pampa wird hier die argentinische Wildnis und Geschichte aus präkolumbianischer Zeit zur Quelle, aus der er das Harawi, das Liebeslied der Inkas der Region Cuzco, schöpft. Das Werk endet mit allen Instrumente in einer orgiastischen Coda.

Die Cellosonate bewegt mit kräftigen Rhythmen, lyrischem Gesang und geheimnisvoller Atmosphäre. Im vierten Satz führt ein ungestümer Schluss den Rhythmus Karnavalito ein, der seinen Ursprung in der Inka-Musik aus dem Norden Argentiniens hat.

Die Interpreten tragen die Werke mit unglaublicher Vitalität und Energie vor, so dass dieser Aspekt der Kompositionen bestens bedient wird. Sie kosten außerdem die lebhaften Kontraste aus scharfen und beweglichen Akzenten, synkopierten und tanzartigen Rhythmen sowie orgiastischen Akkordausbrüchen aus. Aber sie bieten auch entspannte Notturni und die Intimität von Kantilenen an. Dabei tauchen sie alles in von gemischten Farben begleitete surreale Atmosphären. Damit bedienen sie alle Aspekte, die diese immer raffinierte, aber auch nicht leicht zu konsumierende Musik auszeichnet. Bei jedem Ton ist zu hören, dass Andrzej Pikul sich vollauf für diesen Komponisten einsetzt. Und seine Kollegen unterstützen ihn.

After recording the piano works, pianist Andrzej Pikul and his friends take up the chamber music of Alberto Ginastera, whom he greatly admires. The pieces come from different creative periods and show the development from “objective and subjective nationalism” to the application of modern compositional techniques. The dialectical tension between Latin America’s conservative tradition and the avant-garde is also evident. Ginastera assigned the piano the role of the guitar, Argentina’s national instrument. Examples of the influence of Argentine folk music can be seen in the Two Songs and the Five Argentine Folk Songs.

The latter are based on Argentine folk dances. In later works such as the rhapsodic Pampeanas, the inspiration comes from the pampas. They were written early in the nationalistic period of his career. The rhythm of the malambo dance, the dance of the gauchos, is also characteristic of his style.

At first glance, the piano quintet appears to be a typical four-part work. However, Ginastera adds his own distinctive touches in the details. The initial sonata allegro, for example, is replaced by an improvised introduction. The finale, in the form of a toccata, is largely based on Argentine dances. Instead of the pampas, the Argentine wilderness and history from pre-Columbian times become the source from which he draws the Harawi, the love song of the Incas of the Cuzco region. The work ends with all instruments in an orgiastic coda.

The cello sonata moves with powerful rhythms, lyrical singing, and a mysterious atmosphere. In the fourth movement, an impetuous conclusion introduces the Karnavalito rhythm, which has its origins in Inca music from northern Argentina.

The performers present the works with incredible vitality and energy, perfectly serving this aspect of the compositions. They also relish the vibrant contrasts of sharp, agile accents; syncopated, dance-like rhythms; and explosive chord bursts. However, they also offer relaxed nocturnes and the intimacy of cantilenas. They immerse everything in surreal atmospheres accompanied by mixed colours. In this way, they encompass all the characteristics of this sophisticated yet challenging music. With every note, it is clear that Andrzej Pikul is fully committed to this composer. His colleagues support him.

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