(Remy Franck) – Der etwas grüne, raue Klang der Cappella Aquileia passt sehr gut zu Beethovens Violinkonzert, und wenn Lena Neudauer und Marcus Bosch dann auch noch die dynamischen Gestaltungsmittel zu den wichtigsten ihrer Interpretation küren und etwas Rubato hinzufügen, ist schon alles vorhanden, um eine spannende Aufführung zu garantieren. Die Interpreten erreichen in der Tat durch phantastische dynamische Abstufungen einen extrem hohen Grad an sensibler Musikalität, an Spannung und feinem Innenleben sowie einem letztlich betörenden Lyrismus. Read More →
Der Sänger Farinelli, dessen von Zeitgenossen als göttlich angesehene Beherrschung seiner durch Kastration erhaltenen Sopranstimme ebenso gerühmt wurde wie seine charakterliche Stärke, war, anders als viele seiner Kollegen großzügig und ausgeglichen, was auch seiner Herkunft aus dem niederen Adel geschuldet sein mag. Einzig seine als hölzern bezeichneten schauspielerischen Bewegungen zeigten, dass dieser Carlo Broschi, erst als Künstler Farinelli genannt, auch nur ein Mensch war. Read More →
Blockflöten in Brasilien
Gut, dass es das Internet gibt. So konnte ich mich wenigstens im Net informieren, was es mit dem Quinta Essentia Quartet auf sich hat, denn das Booklet der SACD Caboclo mit eben diesem brasilianischen Blockflöten-Quartett schweigt sich darüber aus. Es liefert allerdings einen guten Einführungstext in die Musik, die auf der Platte erklingt, Arrangements von Werken von Villa-Lobos, Guerra-Peixe, Gnattaléi, Reescala und Wolff. Mit diesen kunstvoll und einfallsreich gemachten und ganz toll gespielten Bearbeitungen verbindet diese Musik sich mit jener der traditionellen Musik des brasilianischen Hinterlandes, die die Komponisten inspiriert hat. Eine interessante Produktion! (Ars 38279) – ♪♪♪♪
Singende Oboe
Trygve Aarvik, ehemaliger Solooboist des Norwegischen Radioorchesters, hat für Lawo drei Werke norwegischer Komponisten aufgenommen. Dazu gehören das expressive und viele Stimmungen durchstreifende Konzert von Kjell Habbestad sowie das neoklassische und ebenfalls sehr ausdrucksvolle Konzert von Johan Kvandal. Als Encore erklingt What a wonderful world von Bob Thiele und G.D. Wiess. Das vielleicht beeindruckendste Werk der CD ist aber Cantus für Oboe und Streichquartett von Egil Hovland (1924-2013), ein sehr lyrisches Stück, in dem sich ständig ein spannender Dialog zwischen den Streichern und der ‘singenden Oboe’ von Trygve Aarvok entwickelt. Das Quartett besteht aus Kolbjørn Holthe und Henrik Hannisdal, Violine, Jon Sønstebø, Viola and Frida Fredrikke Waaler Wærvågen, Cello. Ingar Bergby leitet in den beiden Konzerten das Norwegische Radioorchester. Exzellente Interpretationen und eine gute Tonaufnahme! (Lawo LWC 1186) – ♪♪♪♪
Schnell abgefertigt
Christophe Rousset hat mit den Talens Lyriques Lullys Isis aufgenommen. Und wenn ich schon in der Aufnahme von Gounods Faust das Orchester unzufriedenstellend gefunden hatte, so können mich die Talens Lyriques und Rousset einmal mehr nicht ganz überzeugen. Es fehlt dieser Formation einfach das gewisse Etwas, was mehr bedeuten würde als schnell abgefertigte Begleitung.
Umso positiver ist der Eindruck von den Sängern, die allesamt, und Eve-Maud Hubeaux als Isis und Bénédicte Tauran als Junon an ihrer Spitze, durch einen sehr lebendigen Vortrag und viel Spontaneität und darstellerisches Talent überzeugen. Diese Frische ohne Pathos und ohne dicke Wimperntusche ist ein Genuss. (Aparté 216) – ♪♪♪
Oper ohne Stimmen
Wer Opernarien nicht gesungen vorzieht und dafür ein Fan von Klarinettentönen ist, sollte sich die CD Clarinetti all’opera des Imep Namur Clarinet Choir anhören, circa zwei Dutzenden Klarinettisten, die in exquisiten Arrangements und nicht weniger exquisiten Interpretationen mit Motiven aus Rigoletto, La Traviata, Cavalleria Rusticana und Il Convegno brillieren, zuzüglich auch in Puccinis I Crisantemi und der großen Fantasie Verdiana von Michele Maganani und dem Divertimento per tre clarinetti e coro di clarinetti von Nunzio Ortolano. Kein Tenor der krächzt, kein Sopran, der schrill klingt oder schlecht intoniert…vielleicht ist das die Oper der Zukunft? (Cyprès CYP 2625) – ♪♪♪♪
Naturlaute
Wie Ziseleure in feiner Goldschmiedearbeit spielen Enrico Onofri und das Ensemble Imaginarium ein Programm mit Vivaldis Jahreszeiten und einigen anderen Stücken, in denen sie Natur- und Tierlauten nachspüren. Die feingliedrige, ornamentale Musikbiegetechnik ergibt ein edles, filigranes Musizieren, dem der Hörer mit Vergnügen zuhört. Into nature heißt die CD. (Passacaille 1062) – ♪♪♪♪
In dem sich derzeit in Planung befindlichen Konzerthaus in München könnte ein Saal nach dem unlängst verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons benannt werden. « Ich kann mir gut vorstellen, dass der neue Konzertsaal im Konzerthaus seinen Namen tragen wird und wir so sein Andenken in Ehren halten », sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Read More →
After a three-year-long renovation the State Opera in Prague will re-open on January 5, exactly 132 years after its first inauguration. The historical building, next to the main railway station, first opened its doors to the public in 1888 as Neues Deutsches Theater with a performance of Wagner’s opera Die Meistersinger von Nürnberg. Read More →
Auf der vierten CD, die das Ensemble Les Passions de l’Ame bei Deutsche Harmonia Mundi vorlegt, steht Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber im Mittelpunkt Das Ensemble mit dem Violonisten Meret Lüthi an der Spitze hat sich ernsthaft mit der Musik auseinander gesetzt und legt eine Interpretation vor, die an Musikalität, meditativem Charakter und technischer Präzision die Messlatte sehr hoch legt. Read More →
Neben den beiden Sonaten von Rachmaninovff und Shostakovich haben Christoph Croisé und Alexander Panfilov zwei einsätzige Werke von Shchedrin und Prokofiev sowie als Extra das charmante New York Honk von Thomas Demenga, also einem Cellisten aufgezeichnet. Das Werk von Demenga spiegelt sozusagen eine schlaflose Nacht in der Nacht in der lauten Metropole, die nie ruhig ist und nie stillsteht. Read More →
Jedes Jahr in der zweiten Winterhälfte werden in den Kirchen der malerisch gelegenen Dörfer an der Alzette, einem Fluss in Luxemburg, Konzerte mit alter Musik gegeben. Immer sonntags um 17 Uhr pilgern Musiker und Zuhörer zu einer Kirche, im Jahr 2020 an sechs Terminen. Gründer und spiritus rector Rosch Mirkes gelingt es immer wieder, eine reizvolle und spannende Mischung an Programmen und Interpreten zu organisieren, was vom Publikum regelmäßig stark honoriert wird. Read More →
In Bonn ist das Beethovenjahr mit der Oper Fidelio eröffnet worden. Die Inszenierung von Regisseur Volker Lösch verlegt das Werk, das willkürliche Staatsgewalt thematisiert und ein Plädoyer für Meinungsfreiheit ist, in die Türkei, in eines von Erdogans Staatsgefängnissen und setzt sich unverhohlen für die politischen Gefangenen in der Türkei ein. Read More →
Wenn ein Felix Mendelssohn Bartholdy Lieder ohne Worte schreiben konnte und diese sich auch noch bald 200 Jahre nach ihrem Entstehen großer Beliebtheit erfreuen, scheint dem Verzicht auf die menschliche Stimme ein gewisser Zauber innezuwohnen. Dieser Gedanke könnte auch dem Blockflötisten Simon Borutzki gekommen sein, denn für die CD Extravaganza lässt er sein Instrument gleichsam als Vokalist auftreten. Und der Kunstgriff erweist sich als wunderbare Idee: Borutzkis Flöten singen! Read More →














