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Leopold Hager, in Salzburg geboren, studierte
an der Hochschule Mozarteum Dirigieren, Orgel, Klavier, Cembalo
und Komposition. Nach ersten Engagements in Mainz, Linz und
Köln war er Generalmusikdirektor in Freiburg/Breisgau,
dann Chefdirigent des Mozarteum Orchesters Salzburg und anschließend
bis 1996 Musikalischer Direktor des RTL-Symphonieorchesters
in Luxemburg.
Von 2005 bis 2008 war er Chefdirigent an der Wiener Volksoper
Er ist ein gern gesehener Gastdirigent vieler großer
Opernhäuser und steht am Pult von renommierten Orchestern.
Am 4. und 5. Februar dirigiert er beim Philharmonischen Orchester
Luxemburg die 40. Symphonie von Wolfgang Amadeus Mozart sowie
Gustav Mahlers Fünfte.
Herr Hager, Sie dirigieren in
Ihrem Konzert mit dem OPL zwei Symphonien von Mozart und Mahler.
Wie kam es zu dieser Verbindung?
Mozarts g-moll-Symphonie steht am Beginn der romantischen
Entwicklung und passt daher sehr gut zu einer Symphonie, die
der Spät-Romantik angehört. So zeigt sich ganz spannend
der ungeheure Weg, den die Symphonie von Mozart bis zu Mahler
zurückgelegt hat.
Nun zeigt sich
Mozarts KV 550 ja auch in recht unterschiedlichem Gewand.
Einige Dirigenten betonen das Tragische in ihr, die Zerrissenheit
der Musik, andere überspielen diese Charakteristiken
und produzieren eine Musik, die sich sehr elegant gibt.
Für Mozart gibt es heute sehr viele Interpretationsmodelle,
von Versionen auf historischen Instrumenten bis hin zum großen
Symphonieorchester. Dabei bieten sich auch diverse stilistische
Varianten an, was die Möglichkeiten multipliziert. Und
dann kann es schon vorkommen, dass einzelnes auch überbetont
wird. In unserer Zeit werden sehr gerne die Extreme angewandt:
sehr schnell, sehr laut oder im Gegenzug so leise, dass man
es schon fast gar nicht mehr hört. Die Effekte werden
oft überbetont und das ist dann auch das, was scheinbar
das Neue in der Musik sein soll...
Wir stehen
schon in einem Mahler-Jahr, das des 150. Geburtstag des Komponisten,
und nächstes Jahr feiert man den 100. Todestag. Gewissermaßen
ist die Fünfte Symphonie, die Sie nun dirigieren, der
Auftakt der Mahler-Feierlichkeiten in Luxemburg. Was bedeutet
Gustav Mahler für Sie?
Im Gegensatz zu Bruckner ist Mahler ein Kosmopolit. Bei ihm
hat man oft das Gefühl, seine Musik bereits von woanders
zu kennen. Aber das Geniale bei ihm ist, dass er die gesammelten
Elemente verschmilzt und als wirkliche Mahler-Musik präsentiert,
weil er die wunderbare Gabe hatte, die Einflüsse, die
ihn selbst prägten, sich völlig zu eigen zu machen.
Er war ja, zeitlich gesehen, eher Dirigent als Komponist.
Den ganzen Winter über hat er dirigiert, stand fast an
jedem Abend im Orchestergraben der Oper, und im Sommer zog
er sich dann zurück, um zu komponieren. Dass da in seinem
Kopf eine Unmenge Partikel herumschwirrten, das ist ganz selbstverständlich,
und das Tolle ist, dass er das dann alles so wunderbar verarbeitet
hat.
Und was sagt
Ihnen ganz speziell die Fünfte Symphonie?
Die Fünfte ist der Beginn einer neuen Phase. Nach drei
Symphonien, in denen das Vokale eine wichtige Rolle spielt,
sind die Symphonien 5, 6 und 7 die ganz großen, reinen
Instrumentalblöcke, wobei der musikalische Einfall wie
auch die instrumentale Verarbeitung Mahler auf dem Höhepunkt
seines Könnens zeigen. Was da alles an Kontrapunktik
passiert, was im Scherzo der Fünfte an Ausdrucksmöglichkeiten
gegeben ist, das ist genial! Nach diesem großen Mittelbau
kommt die Achte als Übersteigerung der Vokalsymphonien,
und die Neunte ist dann der Abgesang. Die Fünfte ist
also der Anfang einer großartigen Trias.
Nun ist die
Fünfte in weiten Bevölkerungskreisen vor allem durch
das Adagietto bekannt geworden, das Visconti für seinen
Film 'Tod in Venedig' benutzt hat. Es gibt Leute, die dies
als Missbrauch bezeichnet haben. Wie sehen sie das?
Damit habe ich kein Problem! Es ist doch schön, dass
es Stücke gibt, die eine solche Atmosphäre haben,
dass sie von jemand anderem erkannt und dann im besten Sinne
benutzt werden, um eine große Brücke zu bauen.
Sie kommen
jetzt schon zum 3. Mal wieder zum Philharmonischen Orchester
Luxemburg, das Sie ja unter der Bezeichnung RTL-Symphonieorchester
als Chefdirigent lange geleitet haben. Was ist bei diesem
Orchester anders als früher?
Da gibt es mehrere Aspekte. Zunächst ist der Generationswechsel
ganz deutlich spürbar. Ich kenne von den Leuten, die
im Orchester spielen, nicht einmal mehr die Hälfte. Die
jungen Musiker, die in der Zwischenzeit zum Orchester gestoßen
sind, sind technisch besser ausgebildet als das früher
der Fall war. Dadurch wird natürlich vieles leichter.
Auf der anderen Seite stelle ich immer wieder fest - hier
wie bei anderen Orchestern - , dass im Gegensatz zum technischen
Know how, das musikalische Wissen abgenommen hat. Doch jeder
Dirigent, der die Musiker zu motivieren versteht, kann damit
sehr gut zurecht kommen. Ich habe hier wirklich nur die besten
Erfahrungen gemacht.
Das heißt,
Sie fühlen sich wohl hier, wenn Sie für Konzerte
nach Luxemburg kommen!
O ja! Es hat sich ja nicht nur das Orchester verbessert, auch
die ganzen Rahmenbedingungen sind besser geworden, nicht zuletzt
durch die Philharmonie. Ich darf gar nicht daran zurückdenken,
wie wir im akustisch ja nicht sehr vorteilhaften Theater Konzerte
geben mussten. Gott sei Dank ist dann der Konservatoriumssaal
bekommen, wo man schon sehr gut musizieren konnte. Ich finde
es immer noch bedauernswert, dass dieser Saal damals in seinen
Ausmaßen so sehr reduziert wurde und eigentlich zu klein
geraten ist. Aber ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt.
Aber es ist doch nicht zu vergleichen mit der Philharmonie!
Sie sind ja
nicht nur Konzertdirigent, sondern auch Operndirigent. Wie
stellen Sie da die Balance her?
Bei mir hat es immer Phasen gegeben, wo die Oper überwogen
hat, und solche, wo ich mehr Orchesterkonzerte dirigiert habe.
Heute, ich muss das ganz ehrlich sagen, habe ich nicht mehr
so viel Freude an der Oper. Ich habe in der letzten Zeit einige
sehr schlimme Erlebnisse mit dem deutschen Regietheater gehabt.
Die Musik wird in der Oper immer unwichtiger und die Regie
nimmt Überhand. Das artet dann schon in einen regelrechten
Kulturkampf aus, wenn man als Dirigent sagt: "Hört
mal, das geht so nicht, das passt so nicht zusammen, das steht
nicht so geschrieben.", und damit wirklich abseits zu
stehen scheint und als Dirigent letztlich den kürzeren
zieht. Daher mache ich nur noch Oper, wenn ich ganz genau
weiß, mit wem ich Oper machen kann, und zwar so, dass
das Stück noch das Stück bleibt, das den Intentionen
des Komponisten entspricht.
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