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Als 'Instrumentalistin des Jahres' wurde
die israelische Flötistin Sharon Bezaly ausgezeichnet,
und sie erhielt bei der MIDEM in Cannes einen Preis als beste
junge Musikerin. Sie hat einen Exklusivvertrag mit dem schwedischen
Label BIS, der ihr die Möglichkeit gibt, die aufregendsten
Werke der Flötenliteratur einzuspielen. Inzwischen hat
sie 17 Alben für BIS aufgenommen, für die sie zahlreiche
Auszeichnungen erhalten hat, darunter mehrfach den Supersonic
von Pizzicato. Ihre vollkommene, bei Aurèle Nicolet
erlernte Beherrschung der Zirkularatmung befreit Sharon Bezaly
von den Beschränkungen, die dem Blasinstrument Flöte
gemeiniglich anhaften, und versetzt sie in die Lage, neue
Regionen der musikalischen Interpretation zu erreichen und
ein erweitertes Spektrum an Farben und Emotionen zu präsentieren.
Die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' hat sie gar mit David
Oistrach und Vladimir Horowitz verglichen.
Als Vollzeit-Soloflötistin konzertiert Sharon Bezaly
weltweit mit bekannten Orchestern und macht Kammermusik mit
renommierten Partnern. In besonderem Maße widmet sie
sich der zeitgenössischen Musik. Zahlreiche bedeutende
Komponisten widmen ihr Konzerte, die sie kreiert und aufnimmt.
Sharon Bezaly spielt eine 24karätige Flöte aus Gold,
die eigens für sie von dem japanischen Muramatsu Team
angefertigt wurde; daneben spielt sie speziell für sie
gebaute Alt- und Bassflöten sowie Pikkoloflöte.
Sharon Bezaly lebt in Schweden. Remy Franck traf sie zu einem
Gespräch.
Sharon, stimmt
es, dass Sie allergisch auf Flöten sind?
Natürlich nicht auf das Instrument an sich, sondern auf
das Metall, ob Gold oder Silber. Das ist halt so gekommen,
so etwa vor 10 Jahren. Nicht, dass es juckt, aber unter der
Lippe wird die Haut sehr trocken, wenn ich spiele. Ich war
beim Dermatologen und benutze jetzt eine Crème.
Also hätten
Sie doch vielleicht Cello spielen sollen... Wie kamen Sie
eigentlich zur Flöte?
Das ist eine sehr gute Frage, aber ich weiß es selber
nicht. Meine Mutter ist Pianistin, mein Vater war Lyzeumsdirektor.
Wir haben bei uns zu Hause immer Musik gehört, aber ich
war eher sportlich aktiv. Klavier wollte ich nie machen, und
irgendwann, als ich elf Jahre alt war, kam der Tag, wo ich
sagte: "Ich will Flöte spielen!" Meine Eltern
haben mich sehr erstaunt angesehen und gefragt, warum ich
eigentlich Flöte spielen wollte. Meine Mutter verstand
das nicht, denn für eine Pianistin ist eine Flöte
doch kein Instrument! Um meine Eltern zu überzeugen,
dass ich es ernst meinte, habe ich eine Blockflöte genommen
und zunächst einmal alleine studiert. Später haben
meine Eltern mir den besten Lehrer gesucht, den sie finden
konnten. Niemand dachte, das könnte einmal professionell
werden mit mir, aber ich sollte dennoch die bestmögliche
Ausbildung bekommen.
Und wann haben
Sie gemerkt, dass es dann professionell wird?
Nun, es fiel mir irgendwie sehr leicht, das Instrument zu
spielen. Es ging alles wie von selbst. Nach drei Jahren habe
ich schon mit dem Israel Philharmonic unter Zubin Mehta gespielt.
Es war ein tolles Konzert und ein wirkliches Erlebnis. Ich
habe dann mit vielen Orchestern gespielt, und als ich siebzehn
war, kam Jean-Pierre Rampal nach Israel. Er riet mir, nach
Paris zu gehen, um dort zu studieren. Ich habe mein Abitur
in Israel gemacht und bin anschließend nach Paris gegangen,
und am 'Conservatoire Supérieur' mit Alain Marion studiert.
Beim Oboisten Maurice Bourgue belegte ich das Fach Kammermusik,
und er hat mich dann nach Prag geholt, weil er der Auffassung
war, dort würde ich kammermusikalisch noch besser ausgebildet
werden.
Aber es war
für Sie schon klar, dass Sie Solistin werden wollten
und nicht Orchestermusikerin?
In Prag habe ich den großen Sandor Vegh kennen gelernt.
Man hatte mir erzählt, dass er die Flöte hasste.
Und nachdem ich diese Geschichte gehört hatte, saß
er dann genau vor mir, und ich musste spielen. Es war unglaublich!
Wir haben gespielt, und er hat alles hervorgehoben, was nicht
stimmte und dann hat er mich gebeten, ich solle mein Studium
abschließen und anschließend nach Salzburg kommen,
um mit seinem Orchester, der 'Camerata', zu spielen. Das war
für mich wie ein Geschenk des Himmels! Ich bin zwei Jahre
in dem Orchester geblieben, bis kurz nach seinem Tod. Es war
phantastisch! Es war genau das, was ich wollte. Ich wollte
nie in einem großen Orchester spielen, das war mir wohl
klar. Daher habe ich ein Angebot von Daniel Barenboim, nach
Chicago zu kommen, abgelehnt. Die 'Camerata' war ideal. Vegh
mochte die Flöte tatsächlich nicht allzu sehr, denn
er hat immer Angst gehabt, die Bläser könnten gegenüber
der geringen Zahl an Streichern dominieren. "Leise, leise!",
das waren seine ständigen Anweisungen, und ich habe wirklich
sehr, sehr leise gespielt. Davon profitiere ich heute noch!
Der Name Sharon
Bezaly wird sehr oft im Zusammenhang mit zeitgenössischer
Musik genannt, und Sie haben ja auch unheimlich viel Musik
hervorgerufen, weil Sie die Komponisten provoziert haben,
für die Flöte zu komponieren...
Dass das so kam, hängt mit einem Auftritt mit Gidon Kremer
in Lockenhaus und mit meinen ersten CDs für BIS zusammen.
Der Chef von BIS, Robert von Bahr, hatte die Idee, eine Solo
CD mit mir zu produzieren und fragte, ob ich einen Titel wüsste.
Ich wollte keine 'klassische' CD mit Werken aus einer Periode
aufnehmen, und so kam ich auf den Titel 'A-Z'. Dann habe ich
in Schweden angerufen und Robert gefragt, ob er einen Komponisten
mit A kennen würde und er sagte: Aho! Es gab dann ein
langes Hin und her, weil er glaubte, das Stück von Kalevi
Aho sei zu schwer und er wollte es trotzdem haben. Ich meinerseits
glaubte, es nicht spielen zu können und wollte es doch
spielen. Kurz, es war schwierig! Für mich war dennoch
klar, dass das kein technisches Stück war, sondern wirkliche
Musik. Durch diese Geschichte hat sich dann auch noch eine
persönliche Beziehung zu Robert aufgebaut, aber das ist
wiederum eine lange Geschichte für sich. (Heute sind
Sharon Bezaly und Robert von Bahr ein Paar (Anm. der Redaktion).
Diese beiden Entwicklungen haben weitere Entwicklungen provoziert,
denn Robert hat allen Komponisten die er kennt, das erste
Edit von eben diesem Aho-Werk geschickt. Sofia Gubaidulina,
die mir immer gesagt hatte, sie sei bis 2008 ausgebucht und
könne nichts für mich schreiben, wollte ganz plötzlich
ein Konzert für Flöte und Orchester komponieren
und Kalevi Aho selber schlug ebenfalls ein Konzert vor. Und
es war genau das, was ich irgendwie wollte. Aus der A-Z-CD
wurde eine A-Z-Serie.
Aber es ja
nicht wegen dieser Opportunität, dass Sie zeitgenössische
Musik spielen?
Selbstverständlich nicht! Ich glaube es ist sehr wichtig
als Künstler moderne Musik zu fördern. Ich sehe
das als Aufgabe an! Aber ich glaube, wenn man wirklich Musik
macht, ist es eigentlich egal, welche Musik man spielt und
welches Instrument, man ist Musiker. Ich will nicht nur Flötistin
sein. Ich spiele eben zufällig Flöte. Das wichtigste
ist die Musik und was man zu sagen hat. Interview: Remy Franck
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