-- Editorial 12/2006 --
Von Baustellen, einem Hirschen und einem Geburtstag
In Paris beobachtete ich unlängst einen fleißigen französischen Bautrupp bei der Erneuerung von Gas- und Wasserleitungen. Auf einer Länge von vielleicht 50 Metern hob eine erste Gruppe das Erdreich aus Graben in bereit stehende Big Bags. Etwas weiter war eine zweite Abteilung mit dem Herausholen der alten und dem Verlegen der neuen Rohre beschäftigt, während noch etwas weiter eine dritte Mannschaft die Erde aus den Big Bags wieder in den Graben schüttete. Am Abend war die Arbeit getan, es blieb nur noch der letzte Belag aufzutragen, was zwei Tage später geschah. In Luxemburg fahre ich auf dem Weg ins Büro durch eine Strasse, in der seit Monaten ein Bautrupp neue Leitungen verlegt und seit Monaten den Verkehr behindert. Die Bürger lassen es mit sich gewähren und die Politiker bekommen nicht mit, was passiert. Aber dafür haben wir ja nun das berühmte Kulturjahr mit dem blauen Hirschen, der darauf wartet, dass die Wildschweine aus den Ardennen, dem Hunsrück und der Eifel ihm einen Besuch abstatten. Dass die Wildschweine nicht in Konzerte gehen, hatten wir ja bereits erörtert, ob sie sich mit hochbfürstlichen Eintrittskarten rotunde Ausstellungen ansehen werden, wird man ja dann noch sehen. Über dieses Kulturjahr wird Pizzicato minimal berichten, denn wir gehören, wie uns bescheinigt wurde, nicht zu der Publikumspresse und bekommen daher auch nicht mal Krümel vom Werbekuchen für 2007. Da unsere Zeitschrift nun aber einmal auch auf Einnahmen aus der Werbung angewiesen ist, müssen wir im redaktionellen Teil entsprechend reagieren. Was es in der Vergangenheit an kultureller Kooperation in der Großregion gab, teilt Ihnen ein ausführlicher Beitrag in diesem Heft mit. Was die Zukunft bringt lesen Sie, verehrter Leser, dann bitte in der 'Publikumspresse'.

Es werfe Sie mir nun niemand vor, eine Zeitung nach kommerziellen Kriterien zu machen. Wäre dem so, würde es Pizzicato nämlich gar nicht geben. Und dennoch ist unser Magazin 15 Jahre alt geworden. Wir haben es ein Jahr lang auf der Titelseite vermerkt. Eine Feierlichkeit zu veranstalten, um den Geburtstag zu begehen, war aus finanziellen Gründen nicht möglich. Und so bleibt mir nur noch dieser Weg, um all denen meinen Dank aus zu drücken, die zu dieser Zeitschrift stehen: Den Mitbegründern bei den Jeunesses Musicales für ihre Ermutigung und Unterstützung in den ersten Jahren, den heutigen Teilhabern des Verlags für ihr Vertrauen, unseren Lesern, die mit ihrem Abonnement eine wesentliche finanzielle Stütze sind, sowie unseren Anzeigenkunden, die ihrerseits die Attraktivität der Information erhöhen und uns helfen, die Produktionskosten zu begleichen. Auch die Unterstützung des Kulturministeriums und des Fonds Culturel National sind für uns Geldquellen, ohne die Pizzicato nicht überleben würde.

Wir können also nur hoffen, dass diese Parameter auch in den kommenden Jahren in dieser Form stimmen werden, damit das Land Luxemburg auch weiterhin eine international anerkannte Musikzeitschrift als weithin sichtbare Fahne unseres reichhaltigen Musiklebens haben wird. Vielleicht ist ja bis zum 20. Geburtstag die oben angesprochene, langwierige Baustelle auch beendet. Remy Franck

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