|
Zwischen Weihnachten und Neujahr veranstaltet
die niederländische Violinistin Janine Jansen zusammen
mit ihrem Lebensgefährten Julian Rachlin zum dritten
Mal das 'International Chamber Music Festival Utrecht', zu
dem sie eine Gruppe von musikalischen Freunden eingeladen
hat. Darunter sind Zugpferde wie Mischa Maisky, Itamar Golan
und Charlotte Margiono sowie eine Reihe weniger bekannte Namen,
eine Balance, wie man sie auch in anderen Festivals dieser
Art findet. Derartige Festivals unter dem Motto '…and
friends' schießen nämlich wie Pilze aus dem Boden.
Die 'musikalische Freundschaft' ist offenbar
sehr gesucht in einem Umfeld, in dem es auf allen Ebenen,
auf Bühnen, in Proberäumen und Verwaltungsetagen
viel Neid und Hader gibt sowie mehr Hyänen und Schlangen
als in allen Zoos der Welt. Die Sehnsucht nach Freundschaft
ist groß, und wenn diese auch noch Gagen bringt, ist
sie umso willkommener.
In einigen Fällen hängt sich sogar
noch die Schallplattenindustrie dran, wie das bei Martha Argerichs
Freundesfestival in Lugano oder beim Kammermusikfestival von
Lars Vogt in Heimbach der Fall ist, und das macht die Sache
dann noch reizvoller für die Beteiligten und sehr oft
auch für die, die per CD-Aufnahme dabei sein können,
denn eins ist gewiss: die Freundschaft wirkt sich auf die
Musik aus, und jeder, der bei einem solchen Festival dabei
war, hat die unglaubliche Intensität solcher Darbietungen
feststellen können.
Es gibt daneben unzählige Kammermusikformationen,
die nicht als Institution funktionieren, sondern in denen
sich ein paar Musiker, nicht selten Künstler von höchstem
Rang und Namen, aus Leidenschaft, aus Freundschaft, aus Spaß
an der Freud treffen, um Kammermusik zu machen. Bei allem
Anspruch auf höchste Professionalität sind es in
solchen Ensembles vor allem die Freundschaft und die geteilte
Liebe zur Kammermusik, die die Grundlage der Arbeit und des
Erfolgs bilden.
Es gibt ganze Orchester, die sich aus Freunden
zusammensetzen und dieser Freundschaftsgedanke zumindest im
harten Kern war und ist ein vitales Element der Solistes Européens
Luxembourg. Abbados Festivalorchester in Luzern funktioniert
auf einer ähnlichen Basis von Freundschaft rundum einen
Dirigenten.
Der Cellist Orfeo Mandozzi hat es so formuliert:
"Es ist sicher kein Geheimnis, dass vieles immer von
der künstlerischen Qualität und auch dem menschlichen
Verständnis der Partner abhängt, wie gut ein Konzert
oder eine Produktion wird. Ich bin sehr dankbar, dass ich
oft das Glück hatte, auf großartige Musiker zu
treffen, mit denen mich auch ein freundschaftliches Verhältnis
verbindet." Und dennoch fügt er hinzu: "Auf
dem Podium ist man nur auf sich angewiesen, da hilft keine
Freundschaft oder Protektion: Du musst bestehen oder du gehst
unter." Und das wiederum bestätigt letzten Endes,
unter welchem Druck der Musiker steht, wenn er tatsächlich
etwas leisten will, welcher unwahrscheinlichen Konzentration
es bedarf, um gute Musik zu machen, und welchen physischen
und psychischen Belastungen besonders alle jene ausgesetzt
sind, die auch nur die geringste Solopassage zu spielen haben.
Und so gesehen, versteht man auch, warum eine Atmosphäre
von Freundschaft um sie herum, das Gefühl der Geborgenheit,
der Zusammengehörigkeit für die Musiker so enorm
wichtig ist, sie regelrecht befreien und zu großartigen
Leistungen inspirieren kann. Remy Franck
|