-- Editorial 012/2004 --
Kein besserer Botschafter!

In der November-Ausgabe des österreichischen Theatermagazins 'Bühne' nahm Franz Welser-Möst, Musikchef in Cleveland und Dirigent des neuen Wiener Staatsopern-'Ringes' (Premiere: 2007), Stellung zu dem auch weiterhin vom österreichischen Finanzminister eingefrorenen Bundestheaterbudget. Dass der Magna-Konzern den neuen 'Ring des Nibelungen' sponsert, findet Welser-Möst beachtlich: Es sei "wirklich bemerkenswert, wenn ein Konzern nicht nur Verantwortung für sein Konto, sondern auch für die Gesellschaft übernimmt. Zum anderen muss man aber auch sagen", so Welser-Möst, "wir leben nicht in Amerika. Und bei uns kann der Staat nicht sagen: 'Nö, das sollen jetzt alles die Privaten zahlen'. Der Staat darf nicht aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung entlassen werden."

François Biltgen, der neue Luxemburger Kulturminister, lässt offenbar keinen Zweifel daran, dass der Staat diese Verantwortung tragen muss. Er weiß um die Wichtigkeit der Kultur nicht nur für die Menschen in unserem Land, die in den Genuss der kulturellen Aktivitäten kommen, sondern auch für das Image des Großherzogtums im Ausland. Nach dem Konzert des Philharmonischen Orchesters Luxemburg in 'Avery Fisher Hall, Lincoln Center' unterstrich Biltgen bei einem Empfang im 'Luxembourg House' in New York, dass der gerade erlebte Erfolg des Orchesters in einem der renommiertesten Konzertsäle der Welt es ihm leicht mache, die Subventionierung des Orchesters durch den Staat gegenüber jedem zu verteidigen, der diese in Frage stelle.

Mehr noch: Biltgen sagte, das Orchester sei der beste Botschafter, den er sich für Luxemburg vorstellen könne. Das ist ein hohes Lob für die Musiker und ebenfalls für das Management unseres nationalen Orchesters. Es unterstreicht, wie bedeutungsvoll es ist, dass Intendant Benedikt Fohr kompromisslos die großen internationalen Tourneen als eminent wichtiges Standbein des Orchesters aufbaut. Und das ist ein hartes Geschäft! Es gelingt immer weniger Orchestern, überhaupt noch Tourneen auf die Beine zu stellen, und gerade in diesem Jahr sind eine ganze Reihe an Projekten, die bereits ganz konkret geworden waren, aus finanziellen Gründen abgesagt worden. Man glaube also ja nicht, es genüge, ein Mail durch die Welt zu schicken: "Wir kommen!", und dann stürze jeder Veranstalter sich auf dieses Angebot. Da bedarf es jeder Menge an Kommunikation, Information und vor allem auch Überzeugungskraft. Da Fohr darüber hinaus ein gewinnendes Charisma einsetzen kann, gelingt ihm, was manchem anderen Intendanten verwehrt bleibt!

Doch zurück zum Statement des Ministers, zum "besten Botschafter". Die Aussage François Biltgens ist nämlich nicht nur Lob. Sie ist auch eine Verpflichtung und bedeutet Verantwortung. Biltgen wollte gewiss nicht die Bedeutung anderer Kulturakteure minimieren. Gerade die Vielzahl derer, die national wie auch international tätig sind, gibt Luxemburg eine kulturelle Schubkraft, die binnen weniger Jahre den lange vorhandenen Rückstand auf diesem Gebiet wettgemacht hat. Aber die Aussage bezüglich des Philharmonischen Orchesters exponiert dieses nun doch als offenbar wichtigsten Kulturakteur, macht es zum Flagschiff der Luxemburger Kulturpolitik und festigt somit die erfolgreichen Bestrebungen der vormaligen Ministerin Erna Hennicot-Schoepges, die 'contre vents et marées' dieses Orchester aus dem Kultur-Abrissgeschäft von RTL rettete. Während die Herren in der Chefetage des Senders die Meinung vertraten, man müsse vor allem mit oberflächlichen Verheißungen und raschen Genüssen die Lebensverhältnisse der normalen Menschen verbessern, glaubte Erna Hennicot-Schoepges felsenfest an die Macht der Kultur. Recht hatte sie!
Pier Paolo Pasolini hat gesagt, ein Leben im Überfluss sei ein überflüssiges Leben. Wie wäre es denn, wenn Eltern oder Großeltern in diesem Geschenke-Monat statt den Kleinen das vierhundertsiebenundneunzigste Spielzeug zu kaufen, ihnen eine Eintrittskarte für ein Opern-, eine Theater oder eine Konzertveranstaltung schenken würden? Damit der 'Botschafter' auch künftig zuhause die Botschaft vermitteln kann, Musik habe eine großartige Macht, uns zu verzaubern, zu begeistern oder zu erschüttern. Remy Franck

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