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Ein chinesischer Pianist,
Chuan Qin, 28 Jahre, hat Ende November in Paris den Großen
Preis des zweiten 'Concours Olivier Messiaen' gewonnen. Zuvor
hatte er bereits den Ersten Preis im 'Maria Canals Wettbewerb'
in Barcelona erhalten. Xiang Zou, ein 23 Jahre alter Pianist
aus Hunan, wurde Anfang November zum Ersten Preisträger
der 'Esther Honens International Piano Competition' in Calgary
gekürt. Zwei Nachrichten, die die Redaktion erreichten,
nachdem ich von der Asien-Reise mit dem Philharmonischen Orchester
Luxemburg zurück war und dort bereits das hier gewählte
Thema in den Mittelpunkt dieses Beitrags hatte stellen wollen.
Immerhin zählen
zu den heute interessantesten der weltbesten jungen Pianisten
auch zwei Chinesen, Lang Lang und Yundi Li. Und nicht ohne
Grund kannte die Begeisterung der Musiker des Philharmonischen
Orchesters und ihres Chefdirigenten über das Spiel des
Geigers Mengla Huang, den sie bei ihrem Konzert in einem der
prunkvollsten Konzertsäle der Welt, dem Shanghai 'Grand
Theatre', begleiteten, keine Grenzen. Der phänomenale
Musiker musste jeden, der auch nur halbwegs bei Sinnen war
und sich nicht nur vorrangig dafür interessierte, wer
denn nun bei der Tournee wie viele Eiertörtchen gegessen
hatte, mit seinem Spiel restlos überzeugen.
Nach den Japanern und
Koreanern sind also nun die Chinesen dran, um ihre Talente
in die Welt zu schicken. Denn eines ist gewiss: China ist,
was westliche klassische Musik anbelangt, noch nicht auf demselben
Stand wie seine asiatischen Nachbarländer. Aber in dem
rasanten Maß, wie sich das Reich der Mitte heute verändert
und sich westlichen Standards annähert, kann es nicht
ausbleiben, dass die Chinesen in Zukunft wichtige Akteure
in eben diesem Musikleben sein werden. Und nicht zuletzt das
so romantisch-beseelte Paganini-Spiel des Konzertmeisters
im Philharmonischen Orchester Luxemburg, Haoxing Liang, bei
Konzerten in Kanton und Ettelbruck zeigte, dass die Chinesen
tatsächlich, wie es ja auch Yundi Li im Gespräch
mit Pizzicato sagte, zu Gefühlsäußerungen
fähig sind, die Japaner beispielsweise in dem Maße
nicht einbringen können.
Dass dies der Welt
nicht offenbart wurde und westliche Musik während vielen
Jahrhunderten nicht zu den Prioritäten des chinesischen
Musiklebens gehörte, ist nicht auf einen Mangel an Talenten
zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass die
einst kosmopolitische Kultur Chinas ab dem 10. Jahrhundert
zunächst durch den Konservatismus der Konfuzianer, dann
durch jenen der Kommunisten in eine nationalistische Kultur
verwandelt wurde. Fakt ist aber auch, dass die chinesischen
Musiker schon im ersten Jahrtausend vor Christus ihre Musikinstrumente
nach den klassischen 'pa yin', den acht Klangkategorien einteilten
und sie somit den acht Trigrammen des Buches der Wandlungen
('I Ging') zuordneten, ihnen mithin präzise Attribute
wie 'stark', 'hingebend', 'leuchtend', 'fröhlich' usw.
gaben, die Musik also durchaus in dieser Frühzeit schon
mit dem Seelischen in Verbindung brachten.
Die Chinesen kommen!
Sie werden unser Musikleben in ungeahnter Weise bereichern.
Nicht ohne Grund ist im 'I Ging' das Zeichen 'Schong' (das
Empordringen) ein äußerst positives Zeichen. Das
'I Ging' misst aber auch der Begeisterung, dem 'Yü',
eine wichtige Rolle zu, jener Begeisterung, wie sie das Philharmonische
Orchester Luxemburg auf seiner Asien-Tournee so überwältigend
zu spüren bekam. Und gerade bezüglich der Musik
steht im 'I Ging': "Die Musik besitzt die Macht, die
Spannung im Herzen, der dunklen Gefühle Gewalt zu lösen."
Das mag, so knapp zitiert plakativ wirken, aber das Weisheitsbuch
im 'I Ging' vermag solche Sätze ja in spannendster Weise
zu nuancieren... Remy Franck
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