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Statt einer Kritik zum diesjährigen
Konzert des Saar-Lor-Lux-Orchesters, das unter keinem guten
Stern stand, möchte ich an dieser Stelle einige grundsätzliche
Überlegungen führen. Es wäre nun wirklich falsch,
die jungen Musiker zu kritisieren, nicht das Niveau früherer
Formationen gleichen Namens erreicht zu haben, dazu haben
sie offensichtlich zu wenig Freude, oder eher noch, zu viel
Angst beim Spielen gehabt. Dabei sollte die Freude am Musizieren
doch ein wesentliches Element dieses Jugendorchesters sein.
Die Schwierigkeiten, dieses Jahr überhaupt 50 Musiker
für das Saar-Lor-Lux-Orchester zusammen zu bekommen,
waren zu groß, der damit verbundene Stress für
die Luxemburger Organisatoren zu hoch, als dass man nicht
das Konzept fundamental überdenken müsste. Der Gedanke
Saar-Lor-Lux-Orchester riskiert nämlich, sich tot zu
laufen, wenn nicht das Steuer herum gerissen wird. Es genügt
halt nicht der politische Willen, ein derartiges Unternehmen
zu initiieren, es bedarf auch einer Struktur, in der es sich
aufgehoben fühlt, in der es sich entwickeln kann, in
der es entwickelt werden kann. Es bedarf mithin auch einer
Leitfigur, eines Mannes oder einer Frau, die - ähnlich
wie Joy Bryer für das EU-Jugendorchester - für das
Saar-Lor-Lux-Ensemble durch's Feuer geht, damit nicht die
jährliche Organisation abwechselnd einer der teilnehmenden
Schulen überlassen wird, die dann zusätzlich zu
ihrem normalen Pensum quasi nebenbei ein Orchester auf die
Beine stellen muss, wobei es zudem vorkommt, dass die übrigen
partizipierenden Schulen, die gerade nicht mit dem Organisieren
befasst sind, sich herzlich wenig für das gemeinsame
Unternehmen interessieren. Nicht von ungefähr kam dieses
Jahr das Gefühl auf, die Schulen empfänden das Orchester
fast schon als lästiges Beiwerk ihrer Arbeit. Das führte
dann zu dem krampfhaften Suchen nach Musikern, schließlich
zur Reduzierung der Musikerzahl und zu einer Programmänderung,
die zwar die Größe des Orchesters respektierte,
nicht aber sein musikalisches Können. Völlig unverständlich
war dabei, wie man Stravinskys sehr schwieriges 'Dumbarton
Oaks'-Konzert aufs Programm setzen konnte, das nur mit den
allerbesten Solisten eines herausragend guten Orchesters zu
bewältigen ist. Solche konzeptuellen Fehler tragen nicht
dazu bei, die Motivation der jungen Musiker zu stärken.
Gewiss ist auch der Zeitpunkt der Orchesterarbeitsphase am
Anfang des Schuljahres nicht der beste. Es stellt sich sogar
die Frage, ob das Orchester nicht mehrere Arbeitsphasen haben
müsste, um zum Ende des Jahres gut vorbereitet und mit
viele Freude und Enthusiasmus eine Reihe von Konzerten geben
zu können. Die Festivals hier in Luxemburg und in der
Großregion wären gewiss dankbare Abnehmer eines
solchen Angebots. Die Musiker könnten sich bei einem
solchen Konzept auf längere Zeit mit diesem Orchester
identifizieren und müssten natürlich von sonstigen
Aufgaben in Ensembles bezw. Meisterkursen und anderen Betätigungen
weitgehend befreit werden. Das bedeutete natürlich, dass
ein entsprechend hohes Niveau der Ausbildung im Orchester
erzielt werden müsste, damit die jungen Musiker auch
wirklich einen Nutzen aus ihrer Teilnahme am Saar-Lor-Lux-Orchester
ziehen und darauf stolz sein könnten.
Nicht unbeachtet bleiben sollte der Name des Orchesters,
der nun wirklich unmusikalisch klingt und keinerlei inspirierende
Wirkung hat. Der Robert-Schumann-Chor hat positiv gezeigt,
wie man ein solches grenzüberschreitendes Ensemble benennen
kann. Im übrigen möchte ich an dieser Stelle den
Chorleitern ausdrücklich meine Anerkennung für ihre
Leistungen zum Ausdruck bringen. Ihr Beitrag zum Konzert des
SLL-Konzerts war großartig!
Unter dem Vorsitz von Jacques Santer arbeitet zur Zeit eine
politische Kommission der Großregion an neuen Vorhaben
und am Projekt 'Europäische Kulturhauptstadt 2007'. Die
Kommission sollte sich auch des Schicksals des zur Zeit krisengeschüttelten
Jugendorchesters annehmen. Mit diesem Objekt hat sie die Chance,
den Worten Taten folgen zu lassen. RéF
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