-- Editorial 12/2002 --
Saar-Lor-Lux-Orchester in Not
Arbeit für die Kommission von Jacques Santer?

Statt einer Kritik zum diesjährigen Konzert des Saar-Lor-Lux-Orchesters, das unter keinem guten Stern stand, möchte ich an dieser Stelle einige grundsätzliche Überlegungen führen. Es wäre nun wirklich falsch, die jungen Musiker zu kritisieren, nicht das Niveau früherer Formationen gleichen Namens erreicht zu haben, dazu haben sie offensichtlich zu wenig Freude, oder eher noch, zu viel Angst beim Spielen gehabt. Dabei sollte die Freude am Musizieren doch ein wesentliches Element dieses Jugendorchesters sein.

Die Schwierigkeiten, dieses Jahr überhaupt 50 Musiker für das Saar-Lor-Lux-Orchester zusammen zu bekommen, waren zu groß, der damit verbundene Stress für die Luxemburger Organisatoren zu hoch, als dass man nicht das Konzept fundamental überdenken müsste. Der Gedanke Saar-Lor-Lux-Orchester riskiert nämlich, sich tot zu laufen, wenn nicht das Steuer herum gerissen wird. Es genügt halt nicht der politische Willen, ein derartiges Unternehmen zu initiieren, es bedarf auch einer Struktur, in der es sich aufgehoben fühlt, in der es sich entwickeln kann, in der es entwickelt werden kann. Es bedarf mithin auch einer Leitfigur, eines Mannes oder einer Frau, die - ähnlich wie Joy Bryer für das EU-Jugendorchester - für das Saar-Lor-Lux-Ensemble durch's Feuer geht, damit nicht die jährliche Organisation abwechselnd einer der teilnehmenden Schulen überlassen wird, die dann zusätzlich zu ihrem normalen Pensum quasi nebenbei ein Orchester auf die Beine stellen muss, wobei es zudem vorkommt, dass die übrigen partizipierenden Schulen, die gerade nicht mit dem Organisieren befasst sind, sich herzlich wenig für das gemeinsame Unternehmen interessieren. Nicht von ungefähr kam dieses Jahr das Gefühl auf, die Schulen empfänden das Orchester fast schon als lästiges Beiwerk ihrer Arbeit. Das führte dann zu dem krampfhaften Suchen nach Musikern, schließlich zur Reduzierung der Musikerzahl und zu einer Programmänderung, die zwar die Größe des Orchesters respektierte, nicht aber sein musikalisches Können. Völlig unverständlich war dabei, wie man Stravinskys sehr schwieriges 'Dumbarton Oaks'-Konzert aufs Programm setzen konnte, das nur mit den allerbesten Solisten eines herausragend guten Orchesters zu bewältigen ist. Solche konzeptuellen Fehler tragen nicht dazu bei, die Motivation der jungen Musiker zu stärken.

Gewiss ist auch der Zeitpunkt der Orchesterarbeitsphase am Anfang des Schuljahres nicht der beste. Es stellt sich sogar die Frage, ob das Orchester nicht mehrere Arbeitsphasen haben müsste, um zum Ende des Jahres gut vorbereitet und mit viele Freude und Enthusiasmus eine Reihe von Konzerten geben zu können. Die Festivals hier in Luxemburg und in der Großregion wären gewiss dankbare Abnehmer eines solchen Angebots. Die Musiker könnten sich bei einem solchen Konzept auf längere Zeit mit diesem Orchester identifizieren und müssten natürlich von sonstigen Aufgaben in Ensembles bezw. Meisterkursen und anderen Betätigungen weitgehend befreit werden. Das bedeutete natürlich, dass ein entsprechend hohes Niveau der Ausbildung im Orchester erzielt werden müsste, damit die jungen Musiker auch wirklich einen Nutzen aus ihrer Teilnahme am Saar-Lor-Lux-Orchester ziehen und darauf stolz sein könnten.

Nicht unbeachtet bleiben sollte der Name des Orchesters, der nun wirklich unmusikalisch klingt und keinerlei inspirierende Wirkung hat. Der Robert-Schumann-Chor hat positiv gezeigt, wie man ein solches grenzüberschreitendes Ensemble benennen kann. Im übrigen möchte ich an dieser Stelle den Chorleitern ausdrücklich meine Anerkennung für ihre Leistungen zum Ausdruck bringen. Ihr Beitrag zum Konzert des SLL-Konzerts war großartig!

Unter dem Vorsitz von Jacques Santer arbeitet zur Zeit eine politische Kommission der Großregion an neuen Vorhaben und am Projekt 'Europäische Kulturhauptstadt 2007'. Die Kommission sollte sich auch des Schicksals des zur Zeit krisengeschüttelten Jugendorchesters annehmen. Mit diesem Objekt hat sie die Chance, den Worten Taten folgen zu lassen. RéF

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