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Wenn der Luxemburger Premierminister Juncker
die Faxen dicke hat, sagt er manchmal in unverblümter
Sprache Dinge, die der Nuancierung bedurft hätten. So
auch, als er harsch die in Luxemburg ansässigen Unternehmen
und vornehmlich die Banken angriff, weil sie seines Erachtens
das Philharmonische Orchester Luxemburg nicht in dem Maße
mit Sponsoring-Geldern versehen, wie er sich das wohl etwas
leichtfertig vorgestellt hatte. Kulturministerin Erna Hennicot
hatte Ähnliches schon mehrmals gesagt, jedoch zartfühlender
ihre Traurigkeit über diesen Zustand zum Ausdruck gebracht,
den andere als 'normal und vorhersehbar' ansehen.
Das Philharmonische Orchester Luxemburg ist ein Nationalorchester,
ein Staatsorchester, selbst wenn es von einer Stiftung getragen
wird, die es in gewisser Weise unabhängig scheinen lässt.
Und welches Privatunternehmen sieht es schon als wichtig an,
ein Staatsorchester zu unterstützen? Wer empfindet es
als notwendig, dem Staat unter die Arme zu greifen? Die Orchesterleitung
hat schon richtig erkannt, was die Politiker offensichtlich
so nicht sehen: sie sucht Sponsoren vor allem für ganz
präzise Projekte, wo sich die Geldgeber eben so sehr
wenn nicht sogar mehr mit dem Projekt selbst als mit dem Orchester
identifizieren können.
Junckers m. E. nicht nachvollziehbare Kritik an der fehlenden
Bereitschaft der Privatwirtschaft, sich für das Orchester
zu engagieren, kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem das
Sponsoring in Folge der wirtschaftlichen Rezession europaweit
zurückgeht. Und dennoch fließen ja Gelder, die
von Privatbetrieben erwirtschaftet werden, in die staatlich
subventionierte Kultur, denn diese Subventionen sind ja nur
durch bereit stehende Steuergelder möglich.
Dass der Staat das Philharmonische Orchester unterstützt,
ist ja wohl logisch. Bislang tat er es auf Grund eines Gesetzes,
das eine mehr oder weniger festgeschriebene Summe vorsah.
Dass dies auf Dauer nicht funktionieren konnte, sollte auch
der Premierminister einsehen, denn ein Orchester ist abhängig
von steigenden Kosten und braucht daher eine Subventionierung,
die diese Kostensteigerung (z.B. durch den automatischen Lohnindex)
berücksichtigt. Auch wenn das Orchester mit der bisherigen
Praxis sicher war, jährlich mindestens das vorgesehene
Geld zu bekommen, ist die flexible, jährlich erfolgende
Festsetzung der Subventionierung, wie es sie künftig
geben soll, wohl trotzdem der bessere Weg. Insofern ist auch
ganz Wesentliches in Sachen OPL-Fianzierung gar nicht geschehen.
Junckers überspitzte Kritik wurde leider in den Medien
unmäßig hochgespielt, nicht selten von völlig
unqualifizierten Schreiberlingen, denen der Durchblick in
Sachen Kulturförderung fehlt. Es gibt in Sachen Finanzierung
des Philharmonischen Orchesters keinerlei dramatischen Entwicklungen.
Das bisherige Gesetz ist lediglich an seine Grenzen gestoßen
und es bedurfte einer Korrektur.
Gerade in diesem Land, wo offensichtlich geworden ist, wie
notwendig die Pflege des kulturellen Bildes ist, das wir weltweit
abgeben, ist die Subventionierung eines Staatsorchesters eine
eben so notwendige wie noble Sache. Und der Staat sollte sich
schämen, wäre er auf Privatpersonen angewiesen,
um dieses Aushängeschild Luxemburgs funktionieren zu
lassen. Dass punktuell Sponsoren eingreifen sollen, steht
dabei außer Frage. Auch sie können schließlich
auf sich selber einen Teil des Glanzes fallen lassen, den
das Orchester bringt. Nicht ohne Grund hat unser Philharmonisches
begonnen, das eigene Image aufzupolieren. Zu Recht, denn wie
sagt doch Emmanuel Krivine im Pizzicato-Interview (Seite 32):
"Je trouve que cet orchestre est de loin meilleur que
sa réputation. Le public ne le connaît pas, il
n'a pas d'image comme on dit de nos jours, mais c'est un orchestre
qui a une personnalité et une grande homogénéité."
Remy Franck
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